Sarajevo hat ein Problem mit seinen Autofahrern
Die Betroffenheit über das Ableben Medos hat freilich nicht nur damit zu tun, dass viele Menschen den Hund kannten und liebten.
Sarajevo hat ein Problem mit seinen Autofahrern.
Immer wieder fahren alkoholisierte, unachtsame oder rasende Fahrer Menschen tot. Gerade auf den Straßen entlang der Miljacka, die auch zu Medos Revier gehörten.
Medo verweist auch auf eine Zeit, als Straßenhunde in Sarajevo weitaus alltäglicher waren als heute.
Man sah sie im ganzen Stadtzentrum.

Manchmal waren das sehr angenehme Begegnungen wie etwa hier.
Manchmal ging man ihnen auch lieber aus dem Weg. Man weiß nie, welche Erfahrungen ein Straßenhund gemacht hat.
Und es war beileibe nicht so, dass sich die Sarajlije um jeden Streuner so liebevoll gekümmert hätten wie um Medo.
Denen mit der Marke im Ohr konnte man vertrauen. Die waren durchgecheckt, sterilisiert und registriert.
Zu denen gehörte auch Medo – gleichwohl auf keinem Foto eine Marke im Ohr erkennbar ist.
Bei den anderen war Vorsicht geboten, und man sah vor allem abseits des Zentrums viele ausgemergelte und kranke Hunde.
Straßenhunde sind weitgehend verschwunden aus Sarajevo
Nach und nach verschwanden sie. Wie man immer wieder hört, war das keine natürliche Folge des Sterilisationsprogramms. Und bestenfalls ein Bruchteil der Straßenhunde Sarajevos wurde von Besitzern adoptiert.
Sie hatten auch nicht das Glück einen so großzügigen Hundefreund zu finden wie Demir in Stolac.
Man kann sich ausmalen, was mit den Straßenhunden Sarajevos passiert ist.
Kaum waren sie verschwunden, verbreiteten sich Straßenkatzen wie rasend.
In Grbavica, in Medos Mahala, gibt es weiter ein Rudel, erzählt mir Sofija, eine liebe Freundin.
„Die meisten Menschen behandeln sie sehr gut“, sagt sie. „Manche sind aber auch schrecklich zu ihnen“.
Einen der Hunde habe ich zufällig im Vorjahr fotografiert. Er macht sich’s gerade am Trainingsfeld von Željo gemütlich.

Ob er so viel Glück hat wie Medo – oder gar wie Žile in Beograd?
Straßenhunde sind eine Herausforderung für jedes Gemeinwesen. Eine Handvoll kann eine Stadt lebenswerter machen. Zu viele sind eine Gefahr für die menschlichen Bewohner.
Aber eines steht fest: So einen treuen Freund wie Medo braucht jede Mahala.
Hinweis: Der Beitrag wurde Montagabend um nähere Informationen zu Medos tödlichem Unfall und weitere Details ergänzt.
Wenn euch dieser Beitrag gefällt…
Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort auf Buy Me A Coffee tun. Und wenn euch dieser Beitrag gefällt, bitte teilt ihn auf euren sozialen Netzwerken, lasst ein Like da oder kommentiert.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.