Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
BALKAN

Balkan Stories: Peron 1, Bahnhof Mostar

Balkan Stories: Peron 1, Bahnhof Mostar
(FOTO: Balkan Stories)
9 Min. Lesezeit |

Anderswo ist es nicht besser, oder: Chaos mit Anlauf

Man merkt: Früher war die Zukunft besser. Das kann man als die jugoslawische Erfahrung schlechthin bezeichnen.

Wenn es etwa im ehemaligen Jugoslawien nicht funktioniert, ist es in Bosnien üblicherweise am Schlimmsten.

Einzigartig ist die Misere des Eisenbahnverkehrs keineswegs.

Die Bahn ist auch in Serbien das Stiefkind der Verkehrspolitik – und offensichtlich so ungeliebt wie Aschenputtel.

(FOTO: Balkan Stories)

Um das dubiose Stadtentwicklungsprojekt Belgrade Waterfront (heute: Beograd na vodi) zu ermöglichen, löste die serbische Regierung 2018 den Beograder Hauptbahnhof auf – den zentralen Eisenbahnknotenpunkt des Landes.

(Details siehe HIER und HIER.)

Das war sozusagen Chaos mit Anlauf.

Vollwertigen Ersatz gibt es bis heute nicht – auch wenn der Nachfolgebahnhof Beograd Central seit Oktober zumindest halbwegs fertiggebaut ist.

Bald soll er einen Autobahnanschluss bekommen, wurde vor wenigen Tagen mit viel Pomp verkündet.

Der Bahnreisende wäre vermutlich schon mit einem ordentlichen Anschluss an das Netz der Beograder Verkehrsbetriebe und einem halbwegs regelmäßig besetzten Taxistand zufrieden.

Auf allzuweite Fahrten sollte man von der serbischen Hauptstadt aus nicht hoffen. Von Beograd Central bzw. Prokop kommt man nicht einmal zum ungarischen Grenzbahnhof Szeged.

Das hat auch damit zu tun, dass die Bahnstrecke Beograd – Budapest zur Hochleistungsstrecke ausgebaut wird.

Das dauert mittlerweile einige Jahre, und in der Zeit ist der Bahnverkehr auf der Strecke großteils eingestellt.

Immerhin, die Verbindung zwischen Serbiens beiden größten Städten Beograd und Novi Sad gibt es wieder. Der Schnellzug Soko der staatlichen Srbija Voz braucht etwas mehr als eine halbe Stunde für die Verbindung. Das kann man als westeuropäischen Standard bezeichnen.

(FOTO: Balkan Stories)

Mit dem Bus kann die Bahn meist nicht mithalten

Mit den anderen innerserbischen Verbindungen sieht es nicht so gut aus.

Nach Niš, eine der größten Städte des Landes, gibt es vier Verbindungen am Tag. Eine Fahrt dauert sechs Stunden.

Mit dem Bus ist man drei Stunden unterwegs.

Allein die Buslinie Niš Ekspres fährt unter der Woche 19 Mal.

Die Strecke Kragujevac – Beograd wird offenbar seit knapp fünf Jahren aufgerüstet. Dreieinhalb Stunden soll die Fahrt dauern. Mit dem Bus sind es um die zwei Stunden. Wer unter den Bedingungen mit der Eisenbahn fahren soll, fragt sich wahrscheinlich nicht nur die Redaktion von 021.

Den Direktzug Beograd Zagreb gibt es nicht mehr.

Ob die Serben oder die Kroaten verantwortlich sind, wird sich wahrscheinlich nie letztgültig klären lassen.

Sorgenkind Kroatien

Es ist nicht so, dass die kroatische Politik das Eisenbahnnetz des EU-Mitgliedslandes besser behandeln würde als die serbische das ihre.

Von Split nach Zagreb braucht der Zug länger als der Bus.

Von Zagreb nach Wien gibt es keine Direktverbindung mehr. Selbst in besten Zeiten brauchte dieser Zug siebeneinhalb Stunden.

Der Bus braucht fünf.

Dass der Zagreber Hauptbahnhof in seiner historischen Pracht dasteht und immerhin ein ernstzunehmender Bahnhof einer Hauptstadt ist, ist da ein vergleichsweise schwacher Trost.

Lesen Sie mehr auf die Nächste Seite!

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen