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INTERVIEW

Balkan trifft Wien: So machte Dragan Žujević „Tesla“ zur Gastro-Marke

FOTO: Anothereperspective.com

Peter Dobcak, Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie, überreichte die Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze. Die Ehrung richtet sich nach der Dauer der selbstständigen Tätigkeit in der Gastronomie. Gastronomen mit mindestens zehn Jahren Erfahrung erhalten die bronzene Ehrennadel. Nach zwanzig Jahren wird die silberne, und ab dreißig Jahren die goldene Ehrennadel verliehen.

Unter den Preisträgern war auch Dragan Žujević (38), Inhaber des bekannten Cafés und der Pizzeria „Tesla“. Hier erzählen wir seine Geschichte.

Ein prägnanter Name, der Gäste aus aller Welt anzieht

Dragan erhielt die bronzene Ehrennadel für seine Jahre in der Gastronomie. Wäre jedoch die Qualität seines Angebots und Services bewertet worden, hätte er mit Sicherheit Gold verdient.

KOSMO: Was waren die wichtigsten Stationen in Ihrem privaten und beruflichen Leben?
Dragan Žujević: Ich komme aus Bosnien und Herzegowina und war sechs Jahre alt, als wir 1992 nach Wien zogen. Ich war ein guter Schüler, habe das Gymnasium abgeschlossen und anschließend ein Wirtschaftsstudium begonnen. Nach zweieinhalb Jahren wechselte ich zu Sport und Geschichte. Mit 25 Jahren eröffnete ich gemeinsam mit einem Freund meinen ersten Lounge-Club, den wir zwei Jahre später verkauften. Danach organisierte ich Konzerte und öffentliche Events. Mein erster großer Auftritt in der Gastronomie war 2017 beim Filmfestival am Wiener Rathausplatz, wo ich einen Stand mit Balkanspezialitäten betrieb. Der nächste Schritt folgte 2018 mit der Eröffnung eines griechischen Street-Food-Lokals. Ein Jahr später startete „Tesla Coffee & Concept“, 2021 kam die Pizzeria dazu. Letztes Jahr haben mein Geschäftspartner Dejan Božić und ich das Lokal „Tesla am See“ in Rust eröffnet. Danach entschieden wir, dass er sich künftig auf Konzerte und Veranstaltungen konzentriert, während ich mich um die Wiener Standorte kümmere und er das Lokal in Rust führt.

KOSMO: Wie kamen Sie zur Gastronomie?
Dragan Žujević: Kulinarik war schon in meiner Kindheit ein zentrales Thema, denn in unserer Familie wurde stets mit hochwertigen Zutaten gekocht. Meine Urgroßmutter legte den Grundstein, meine Großmutter erweiterte das Repertoire, und meine Mutter führte diese Tradition fort. Ich war von klein auf dabei. Unsere Tafel war immer reich gedeckt – mit hausgemachtem Brot, Fleisch- und Gemüsegerichten. Ich erinnere mich besonders daran, dass meine Mutter und Großmutter gerne neue Rezepte ausprobierten. Die Balkanküche war über Jahrhunderte hinweg verschiedenen internationalen Einflüssen ausgesetzt. Sie nahmen diese Einflüsse gerne auf, passten sie an und entwickelten neue Rezepte. Heute weiß ich: Migration bringt auch kulinarische Vielfalt mit sich – das erleben wir in Wien jeden Tag. Viele Gerichte, die heute als Nationalspeisen bestimmter Länder gelten, weisen enge Parallelen zu Speisen aus anderen Regionen der Welt auf.

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KOSMO: Warum trägt Ihr Lokal den Namen „Tesla“ und wer sind Ihre Gäste?
Dragan Žujević: Als wir über den Namen nachdachten, wurde uns schnell klar: Nikola Tesla ist die bekannteste Persönlichkeit aus dem Balkanraum. Unabhängig von Herkunft oder Bildungshintergrund – fast jeder hat schon von Tesla gehört, sei es als Erfinder oder durch die Automarke. In unserem Café stammen etwa 60 Prozent der Gäste aus Familien mit Balkanwurzeln, der Rest sind internationale Besucher und Touristen. In der Pizzeria hingegen haben wir einen höheren Anteil an internationalen Gästen.

KOSMO: Welche traditionellen Speisen aus dem Balkan bieten Sie an?
Dragan Žujević: Wir backen unser eigenes Brot mit einer speziellen Technik. Auf der Speisekarte stehen unter anderem dalmatinische Focaccia und hochwertige Wurstwaren. Ein besonderes Highlight ist meine Interpretation der traditionellen Zeljanica, die auf dem Rezept meiner Großmutter basiert – verfeinert mit einer Extraportion Eier. Auf der Speisekarte läuft sie unter dem Namen „Popaj jaja“, als Hommage an meine Großmutter.

Gibt es neue Geschäftsideen oder Projekte?
Anfang März eröffnen wir eine Gelateria im 1. Wiener Bezirk, außerdem stehen wieder einige spannende Konzerte und Events an.

Café und Pizzeria „Tesla“

Vera Marjnaovic
Meine Berufung zur Journalistin entdeckte ich bereits als Sechzehnjährige während meiner Gymnasialzeit in Montenegro. Diesem Berufszweig bin ich seither treu geblieben. Nach meiner Ankunft in Wien widmete ich mich der Arbeit mit Mitgliedern der BKS-Gemeinschaft, wodurch ich tiefgreifende Einblicke in die Lebensgeschichten und sowohl die Triumphe als auch die Herausforderungen verschiedener Generationen gewann. Diese vielfältige Palette an Persönlichkeiten prägte meinen journalistischen Weg und festigte mein Engagement für soziale Themen.