Die deutschen Riesen gewinnen das Finale gegen die Türken 88:83, holen sich zum zweiten Mal den EM-Titel (nach 1993). Es ist ein Spiel für die Ewigkeit!
Die Anfangsphase verheißt nichts Gutes für das DBB-Team (Deutscher Basketball Bund). Die Türken legen los wie die Feuerwehr, ganz ähnlich wie beim Halbfinal-Kantersieg gegen Griechenland. Drei Distanzwürfe rauschen durch die Reuse, 13:2 für die Türkei, deren Anhänger die Arena in einen Hexenkessel verwandeln. Doch dann schlägt Bongas große Stunde – sieben immens wichtige Zähler bringen Deutschland zurück ins Spiel. Nach dem ersten Viertel steht es plötzlich 24:22 für die Gordon-Herbert-Truppe. Bemerkenswert: Kapitän Dennis Schroder hat zu diesem Zeitpunkt erst zwei Punkte auf dem Konto, was auch mit seinem Sturz auf den Ellbogen nach fünf Spielminuten zusammenhängen könnte.
Der zweite Spielabschnitt beginnt mit Verwirrung. Schroder zieht zum Korb, Bonga blockt. Zunächst entscheiden die Unparteiischen auf regulären Korb, da der Ball beim Korbleger bereits das Brett berührt hatte. Nach türkischem Protest folgt ein minutenlanges Videostudium – mit dem Ergebnis: kein Korb! Diese Szene bringt Sand ins deutsche Getriebe. In der letzten Aktion vor dem Pausenpfiff unterläuft ausgerechnet Schroder, der weiterhin bei mageren zwei Punkten steht, ein fataler Ballverlust. Mit einem 40:46-Rückstand geht es in die Kabinen.
Prominenter Besuch
Am Spielfeldrand gibt sich die hohe Politik die Ehre: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (69) betritt 17 Minuten vor Spielbeginn die Arena. Der deutsche Staatschef verfolgt das Endspiel in der Arena Riga von einem Ehrenplatz aus und wird bereits vor dem Anpfiff von den Fans begrüßt. Sein türkisches Pendant Recep Tayyip Erdogan (71) verzichtet letztlich auf einen Besuch. In der Halbzeitpause schwärmt Steinmeier bei MagentaSport: „Dieses Team ist ein Traum. Die Jungs sind nicht nur tolle Spieler, sondern sie haben auch menschliche Größen.“
Nach dem Seitenwechsel erwacht der alte Schroder! Erst versenkt er einen Dreier, dann folgt ein brillanter Assist auf Bonga – Deutschland übernimmt wieder die Führung mit 50:49. Doch in der Defensive haben die Deutschen ihre liebe Not mit NBA-Star Alperen Sengun von den Houston Rockets und Cedi Osman, die nahezu nach Belieben punkten. Sengun, der sich in seiner aktuellen NBA-Saison als einer der besten Center der Liga etabliert hat, bereitet der deutschen Defensive erhebliche Probleme. Das Duell entwickelt sich zum Nervenkrimi! Die Türkei zieht auf 63:57 davon, ehe Tristan da Silva und Johannes Thiemann mit zwei Dreiern den Ausgleich erzwingen. Nach 30 Minuten führt die Türkei hauchdünn mit 67:66. Wer jetzt noch Fingernägel hat, hat den Basketball nie geliebt!
Dramatisches Finale
Der Schlussabschnitt beginnt mit einem kleinen Lauf der Türken – und einem Schockmoment für das deutsche Team. Johannes Thiemann kassiert Osmanis Hand im Gesicht, bleibt liegen und muss behandelt werden. Das Spiel wogt hin und her! Der Mann, der Deutschland im Rennen hält, heißt Isaac Bonga. Er trifft einen wichtigen Wurf nach dem anderen. Eine Minute vor Schluss meldet sich dann auch Schroder zurück, vollendet einen unfassbar wichtigen Korbleger zum 84:83. Und legt sofort nach – 86:83! Zum Abschluss verwandelt er noch zwei Freiwürfe zum 88:83-Endstand. Am Ende stehen 16 Punkte für ihn zu Buche.
Beste Werfer: Isaac Bonga (20 Punkte) für Deutschland, Osman und Sengun (28)!