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Auftragsmord

Berüchtigter Auftragsmörder – „Das Biest“ tötete Unschuldigen wegen T-Shirt-Verwechslung

Berüchtigter Auftragsmörder – „Das Biest“ tötete Unschuldigen wegen T-Shirt-Verwechslung
Foto: Screenshot Facebook/Legenden der Neunziger
6 Min. Lesezeit |

Ein Killer mit Zweifeln, ein falsches T-Shirt, ein toter Unschuldiger – und ein Auftraggeber, der trotzdem auf Abzug bestand.

Sretko Kalinic trägt den Spitznamen „Das Biest“ – und dieser Name ist kein Zufall. Der Mann gilt als eines der gefährlichsten Mitglieder des berüchtigten „Zemun-Clans“, jener serbischen Verbrecherorganisation, die in den frühen 2000er-Jahren den Balkan in Atem hielt. Kalinic übernahm Aufträge, die selbst hartgesottene Kriminelle ablehnten, und soll nach eigenen Angaben mehr als zwanzig Menschen getötet haben.

Als gut ausgebildeter, kaltblütiger Killer, der jeden auf Bestellung eliminieren konnte, war er für den Clan unersetzlich – und gefürchtet. Kalinic gehört zu den Verurteilten im Zusammenhang mit dem Attentat auf den serbischen Premierminister Zoran Djindjic. Am 18. Jänner 2008 wurde er wegen Beteiligung an Morden, Entführungen und terroristischen Akten zu vierzig Jahren Haft verurteilt – allerdings in Abwesenheit, denn er befand sich auf der Flucht.

Heute verbüßt er seine Strafe im streng gesicherten siebten Pavillon des Gefängnisses „Zabela“ in Pozarevac. Sieben Jahre lang entzog er sich der Justiz, stand auf der Interpol-Fahndungsliste – und tötete weiter. Ein Ende seiner Flucht zeichnete sich erst am 8. Juni 2010 ab, als Kalinic in Zagreb angeschossen wurde.

Milos Simovic, ebenfalls Mitglied des „Zemun-Clans“, hatte auf ihn gefeuert. Bei Kalinic wurden zwei kroatische Pässe mit gefälschten Identitäten sichergestellt. Mit zwei Kugeln in der Brust wurde er ins Zagreber Krankenhaus Sestre milosrdnice eingeliefert – eine sofortige Verhaftung blieb aus, da er in Kroatien nicht als gesuchte Person registriert war.

Mord in Budva

Schon zuvor hatte „Das Biest“ einen folgenschweren Fehler begangen. Im August 2008 wurde im Gastgarten des Lokals „Palma“ in Budva der 27-jährige Goran Pejovic aus Niksic erschossen. Wie sich rasch herausstellte, war Pejovic nicht das eigentliche Ziel – er starb, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort saß und dasselbe T-Shirt trug wie Ivan Delic aus Budva, den Kalinic eigentlich töten sollte.

Der pensionierte Inspektor Ekan Jasovic, der an den Ermittlungen beteiligt war, schilderte die Hintergründe erstmals öffentlich in der Sendung „Sjenke“: „Der brutale Killer Sretko Kalinic wurde beauftragt, Ivan Delic in der Café-Bar Palma zu töten – mitten im Zentrum von Budva. Verkleidet und maskiert erschoss er aus Versehen den 27-jährigen Goran Pejovic aus Niksic, der an diesem Abend weder schuldig noch in irgendetwas verwickelt war. Er befand sich schlicht am falschen Ort zur falschen Zeit und trug dasselbe T-Shirt wie Delic. Kalinic werden übrigens zahlreiche weitere Morde zugeschrieben.“

Den Ermittlungen zufolge trat Kalinic an den Tisch heran und feuerte mit einer Pistole im Kaliber 9 mm elf Schüsse auf Pejovic ab. Der junge Mann erlag seinen Verletzungen noch am Tatort. Kalinic war mit einer Perücke mit langen schwarzen Haaren und einem Strohhut verkleidet, trug ein kariertes Hemd und einen Bart.

Als er nach der Tat zur Promenade flüchtete – wo sich zu diesem Zeitpunkt Hunderte Touristen aufhielten –, schoss jemand aus einem nahe gelegenen Lokal auf ihn. Er wich dem Schuss aus und erwiderte das Feuer. Die Journalistin Ana Raickovic rekonstruierte den Ablauf auf Basis von Zeugenaussagen: „Mit der Waffe in der Hand rannte der Täter zur Promenade. Als er an einer bekannten Diskothek vorbeikam, fiel ein Schuss auf ihn – die Kugel verfehlte ihn, und er schoss zurück. Aus den Aussagen von Augenzeugen, die gehört hatten, was der Mörder sagte, bevor er zu schießen begann, schloss die Polizei sofort, dass Pejovic aus Versehen getötet worden war und dass das eigentliche Ziel Ivan Delic gewesen sein musste, der unweit von ihm gesessen hatte.“

Kalinic soll von seinem Auftraggeber direkt zum vermeintlichen Opfer geführt worden sein. Bevor er schoss, rief er angeblich: „Das ist ein Gruß aus Belgrad!“ – in der festen Überzeugung, auf Delic zu zielen. Was die Ermittlungen jedoch ans Licht brachten, ist noch erschreckender: Kalinic gestand den Behörden, dass er selbst Zweifel gehabt hatte, ob er die richtige Person vor sich hatte – und dennoch schoss, weil die Auftraggeber auf der Ausführung bestanden.

„Als wir unseren Kollegen in Zagreb schilderten, wie er die Tat gestanden hatte, erfuhren wir: Kalinic hatte während des Einsatzes Kontakt zu den Auftraggebern aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass es sich seiner Einschätzung nach nicht um Ivan Delic handle. Sie beharrten darauf, dass er es sei. Nach dem Mord und seiner Flucht teilten sie ihm mit, er habe die falsche Person getötet – woraufhin er erklärte, er sei sich von Anfang an sicher gewesen, dass es nicht Delic war, sie hätten ihn aber zum Schießen gedrängt. Freilich: Als später sein Anwalt hinzugezogen wurde, widerrief er dieses Geständnis“, berichtete Inspektor Jasovic.

Die Strafanzeige gegen Kalinic wegen des Mordes an Goran Pejovic wurde bereits 2016 eingebracht. Bis heute ist dieser Fall vor keinem Gericht abgeschlossen worden.

Auch wer hinter dem Auftrag stand, Delic zu töten, ist nach wie vor ungeklärt.

Delic und das Kokain

Wer ist Ivan Delic? Der Budvaer stand auf der Interpol-Fahndungsliste – verdächtig, Mitglied einer kriminellen Organisation zu sein, die am Schmuggel großer Mengen Kokain aus Südamerika nach Europa und Australien beteiligt war. Die Organisation soll laut der montenegrinischen Sonderstaatsanwaltschaft verschlüsselte Kommunikationsdienste wie SKY zur Koordination ihrer Aktivitäten genutzt haben. Delic gilt als enger Vertrauter von Radoje Zvicer.

Im Mai dieses Jahres wurde er in Dubai festgenommen und kurz darauf an Montenegro ausgeliefert. Die kriminelle Struktur, die im Rahmen der Aktion „General“ zerschlagen wurde, war eigens für den Seetransport von Kokain aufgebaut worden. Hätten die sichergestellten 2,5 Tonnen Kokain den europäischen Markt erreicht, hätten die Erlöse laut montenegrinischen Medienberichten rund 221 Millionen Euro betragen.

Einer breiteren Öffentlichkeit war Ivan Delic erstmals im Jahr 2000 bekannt geworden, als ihn ein Untersuchungsausschuss der Bundesversammlung des Mordes am ehemaligen jugoslawischen Verteidigungsminister Pavle Bulatovic beschuldigte. Der Ausschuss erklärte damals öffentlich, es bestehe begründeter Verdacht, dass Delic für den Tod Bulatovics verantwortlich sei. Delic wies die Vorwürfe zurück; Zeugen bestätigten, er sei am 7. Februar 2000 – dem Tag, an dem Bulatovic im Restaurant „Rada“ im Belgrader Stadtteil Banjica erschossen wurde – in Budva gewesen.

Kalinic war nicht der Einzige, der versuchte, Delic zu töten. Sein Leben war mehrfach in unmittelbarer Gefahr: Eines der Attentate fand sogar an seinem Hochzeitstag statt. Zwei Monate danach wurde seine schwangere Partnerin getötet. Bei einem weiteren Anschlag wurde sein Fahrzeug mit fünfzig Kugeln durchsiebt – er selbst blieb unverletzt.

Im September desselben Jahres kamen Delics Verlobte Marija – die im zweiten Monat schwanger war – und ihr Bruder Dario bei einer Bombenexplosion im Elternhaus im Zentrum von Budva ums Leben. Die Eltern der Getöteten richteten einen offenen Brief an die Öffentlichkeit, in dem sie ihren Schwiegersohn direkt für den Tod ihrer Kinder verantwortlich machten – und ihm darüber hinaus eine Reihe weiterer ungeklärter Morde in Montenegro und Serbien anlasteten, wie montenegrinische Medien berichteten.

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KO KOSMO-Redaktion
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