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Immobilien-Mafia

Betonwüste Belgrad: Wie Korruption die Stadt zum 50-Grad-Ofen macht

Betonwüste Belgrad: Wie Korruption die Stadt zum 50-Grad-Ofen macht
FOTO: EPA/Andrej Cukic
3 Min. Lesezeit |

Belgrad kocht: Die serbische Hauptstadt verwandelt sich durch Bauboom und Betonwüsten in einen Glutofen mit bis zu 50 Grad – und die Politik schaut weg.

Die Hitzewelle, die derzeit Südosteuropa erfasst, hat in Serbien zu einer offiziellen Hitzewarnung durch die Behörden geführt. Besonders die Hauptstadt Belgrad leidet unter extremen Temperaturen, wobei die städtebauliche Struktur das Problem deutlich verschärft. Die dichte Bebauung mit vorwiegend Beton- und Glasflächen bei gleichzeitigem Mangel an Grünzonen führt zu einer massiven Überhitzung. In den eng bebauten Innenstadtbereichen werden auf Straßenniveau regelmäßig Temperaturen von über 50 Grad gemessen.

Zur Verschärfung der Situation haben verschiedene Neubauprojekte der letzten Dekade beigetragen, allen voran das Großprojekt „Belgrade Waterfront“. Diese Bebauung entlang des Save-Flusses bildet mittlerweile eine eigene Wärmeinsel. Der Mangel an Bäumen kombiniert mit hitzeabsorbierenden Materialien wie Glas schafft ein problematisches Mikroklima. Zusätzlich blockieren die zahlreichen Hochhäuser potentiell kühlende Winde vom Fluss in Richtung Stadtzentrum.

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Die Problematik beschränkt sich jedoch nicht auf dieses Quartier – stadtweit wurden in den vergangenen Jahren Grünflächen durch private Immobilienprojekte ersetzt, und weitere Bauvorhaben stehen bereits in der Pipeline.

Investoren vor Bevölkerung

Nach Einschätzung der SRF-Auslandsredaktion stellt die Politik konsequent die Interessen privater Investoren über das Wohlbefinden der Bevölkerung. Obwohl Projekte wie „Belgrade Waterfront“ auf erheblichen Widerstand in Teilen der Bevölkerung stoßen, ignoriert die Regierung unter Präsident Aleksandar Vucic diese Kritik weitgehend. Stattdessen präsentiert sie das Quartier als Symbol wirtschaftlichen Fortschritts.

Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Belgrad. Auch in anderen südosteuropäischen Metropolen wie Skopje, der Hauptstadt Nordmazedoniens, oder Tirana, der Hauptstadt Albaniens, hat ein anhaltender Bauboom die Hitzeproblematik verschärft.

Korruption als Treiber

Experten identifizieren in all diesen Städten Korruption als zentrales Problem. Der Immobiliensektor dient einerseits der Geldwäsche, erkennbar an den häufigen Bargeldtransaktionen beim Immobilienerwerb. Andererseits ermöglichen Bestechungsgelder Investoren, bestehende Bauvorschriften zu umgehen. Das Resultat ist eine unkontrollierte Stadtentwicklung, unter der besonders in Hitzeperioden die Bevölkerung leidet.

Laut Prognosen eines Meteorologen der Universität Belgrad droht der Stadt bis 2050 ein Temperaturprofil, das dem heutigen Kairo entspricht. Bereits jetzt ist die Hitzebelastung erheblich: Berechnungen desselben Wissenschaftlers zeigen, dass in bestimmten Stadtteilen von den durchschnittlich 90 Sommertagen im Jahr etwa 50 als tropische Nächte klassifiziert werden müssen.

Gesundheitsrisiken und mögliche Sofortmaßnahmen

Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung sind bereits messbar. Lokale Studien belegen, dass die Temperatur in dicht bebauten Innenstadtbereichen Belgrads im Vergleich zu grünen Zonen um bis zu sieben Grad Celsius höher liegt. Diese erhöhte thermische Belastung gefährdet besonders vulnerable Gruppen: Kinder, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Hitzeschläge und Kreislaufprobleme.

Experten empfehlen als kurzfristige Gegenmaßnahmen die Schaffung temporärer Schattenflächen an stark frequentierten Orten sowie die Öffnung klimatisierter öffentlicher Gebäude als Kühlzonen an Hitzetagen. Auch die verstärkte Bereitstellung von Trinkwasser an zentralen Plätzen könnte die unmittelbaren gesundheitlichen Risiken während extremer Hitzeperioden mindern. Langfristig sei jedoch ein grundsätzliches Umdenken in der Stadtplanung unumgänglich, um die lebenswerten Bedingungen in Belgrad wiederherzustellen.

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KO KOSMO-Redaktion
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