Im Herzen Wiens, wo Urbanität auf lebendige Vielfalt trifft, erstreckt sich Ottakring, der 16. Bezirk der Stadt. Bekannt als der „Balkan des Westens“, präsentiert sich dieser Teil Wiens als pulsierende Mischung aus traditioneller Wiener Kultur und dem reichen Erbe der Balkanstaaten.

Die Ottakringer Straße, oft liebevoll als „Balkanmeile“ bezeichnet, bildet das Zentrum dieses Bezirks. Hier vermischen sich die Aromen von frisch gebackenem Burek und der würzige Duft von Wiener Kaffee zu einer einzigartigen Symphonie. Diese unverwechselbare Mischung aus Geräuschen, Gerüchen und Geschmackserlebnissen verleiht Ottakring seinen unvergleichlichen Charakter.
Stefanie Lamp führt Ottakring nun seit etwa drei Monaten als neue Bezirksvorsteherin und setzt sich dafür ein, das Verständnis und den Austausch mit den Anwohnern und Geschäftsleuten weiter zu verbessern.
Wir begleiteten die jüngste Bezirksvorsteherin Wiens und zweifache Mutter auf einem Spaziergang durch die Straßen und Gassen von Ottakring.
In Ottakring treffen Einwanderungsgeschichten auf Integration. Die starke Anwesenheit der Ex-Jugoslawischen Gemeinschaft prägt die kulturelle Vielfalt des Bezirks maßgeblich. Die Bewohner sind für ihre Gastfreundschaft und ihren Unternehmergeist bekannt, der sich in den zahlreichen kleinen Geschäften und Cafés entlang der Ottakringer Straße zeigt.
Dieser Spaziergang bot eine einzigartige Gelegenheit, die vielfältigen Herausforderungen des Bezirks aus erster Hand zu erleben. Dabei wurde uns von Denis Sakic, Klubobmann und Bezirksgeschäftsführer der SPÖ Innere Stadt, begleitet. Der Bosnier kennt die ex-jugoslawische Community Wiens in- und auswendig.
Der Morgen bei Zeljo Burek – Ein Stück Balkan in Wien
Der Tag in Ottakring begann mit einem Besuch bei „Zeljo Burek“, einem Ort, der im Bezirk schon fast den Status einer Institution erreicht hat. Seit über zwei Jahrzehnten verführt dieses kleine, aber feine Lokal seine Besucher mit authentischen Balkanspezialitäten.
Die Inhaberin, Aida Banjanovic, hat das Geschäft mit viel Liebe und Hingabe von ihrem Vater übernommen und ist weit über die Grenzen Ottakrings hinaus für ihre Gastfreundschaft und den warmherzigen Empfang bekannt.

An diesem Morgen war die Atmosphäre im Lokal besonders lebhaft. Die Gäste, viele Stammkunden, die das Lokal seit Jahren frequentieren, genossen die köstlichen, knusprigen Bureks, die Aida persönlich servierte. Während die Duftnoten von frisch gebackenem Teig die Luft erfüllten, kam das Gespräch auf die Veränderungen der Thaliastraße.
„Ehrlich gesagt, der Umbau hat uns zwar mehr Grün und Sitzgelegenheiten gebracht, aber die reduzierten Parkplätze schaden unserem Geschäft“, erklärte Aida Banjanovic mit einer Mischung aus Sorge und Enttäuschung. Ihre Worte spiegelten die Herausforderungen wider, mit denen viele lokale Geschäftsleute konfrontiert sind. Die Bemühungen der Stadt, die Umgebung umweltfreundlicher und fußgängerfreundlicher zu gestalten, hatten unbeabsichtigte Folgen für kleine Unternehmen wie ihres.
Die Bezirksvorsteherin zeigte Verständnis für diese Bedenken und brachte eine wichtige Information ins Spiel: „Es gab eine Befragung unter den Anwohnern, und 80 % waren für eine Begrünung der Thaliastraße.“ Dies zeigte, dass der Umbau in der Tat den Wünschen der Mehrheit der Gemeinde entsprach, doch Lamp erkannte auch die Notwendigkeit an, alle Stimmen zu hören.
Um eine Lösung zu fördern, die die Bedürfnisse der Geschäftsleute berücksichtigt, ermutigte sie Frau Banjanovic, sich stärker einzubringen: „Es ist wichtig, dass Sie und andere Geschäftsinhaber Teil der weiteren Gespräche und Planungen sind. Ich empfehle Ihnen, im Verein ‚Thalia Einkaufsstraße‘ aktiv zu werden. Dort können Sie direkt Einfluss nehmen und sicherstellen, dass Ihre Interessen gehört werden.“
Bobby Klick – Ein Treffpunkt für Technik
Weiter auf unserer Tour erreichten wir „Bobby Klick“, ein Mobilfunk- und Elektronikgeschäft, das eine feste Größe in Ottakring darstellt. Seit einem Vierteljahrhundert dient es als Anlaufstelle für technische Bedürfnisse.
Der Inhaber, Mijodrag Djordjevic, empfing uns mit offenen Armen und teilte sogleich seine Bedenken bezüglich der jüngsten Veränderungen: „Es gibt jetzt weniger Parkplätze, was für meine Kunden ein großes Problem darstellt.“ Stefanie Lamp hörte aufmerksam zu und wies darauf hin, dass, ähnlich wie auf der Thaliastraße, auch in der Nähe der Ottakringer Straße eine günstige Parkgarage existiert, die als Alternative dienen könnte.

Der Wandel in der Ottakringer Straße war tiefgreifend: „Viele Großunternehmen haben die Straße verlassen, was zu weniger Laufkundschaft geführt hat. Das Kaufverhalten hat sich verändert, da die Leute nun vermehrt online einkaufen. Ich bin schon seit 26 Jahren hier. Früher gab es alles – von Banken bis zu großen Einzelhändlern. Jetzt gibt es hauptsächlich Kaffeehäuser. Dies hat auch positive Aspekte, da es besser ist, wenn die Räume genutzt werden, anstatt leer zu stehen.“
„In den frühen 2000er Jahren wurde die Gewerbeordnung von der schwarzblau Bundesregierung geändert, was dazu geführt hat, dass nun jeder ein Geschäft eröffnen kann, wie er möchte. Das hat zur Folge, dass es beispielsweise zehn Friseure nebeneinander geben kann“, erwähnte Lamp und betonte somit die Auswirkungen dieser Gesetzesänderung auf die Geschäftslandschaft in Ottakring.
Honey Cafe Vienna – Ein neuer Treffpunkt für Kaffeeliebhaber in Ottakring
Unser Rundgang durch Ottakring endete im „Honey Cafe Vienna„, einer neuen Perle im Bezirk, die erst vor wenigen Monaten ihre Türen öffnete. Unter der Führung von Milan Kulic, einem erfahrenen Unternehmer mit einer Leidenschaft für Gastronomie, hat sich das Café schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Kaffeeliebhaber und Tagesgäste entwickelt.

Milan hat das Honey Cafe Vienna mit einem klaren und modernen Design konzipiert, das Wärme und Stil ausstrahlt. Doch trotz der ansprechenden Einrichtung und der freundlichen Atmosphäre stehen Milan und sein Team vor nicht unerheblichen Herausforderungen, insbesondere was die städtische Umgestaltung der Umgebung betrifft.
„Ehrlich gesagt, schlecht für die Gastronomie. Zu wenig, zu wenig“, äußerte Milan Kulic mit Blick auf die Parkplatzsituation. Die Reduzierung der Parkmöglichkeiten durch die städtischen Umbaumaßnahmen hat direkte Auswirkungen auf das Geschäft. Viele Stammkunden, die früher mit dem Auto kamen, finden nun schwerer einen Parkplatz.
Ein weiteres unerwartetes Problem stellt ein neu gepflanzter Baum direkt vor dem Café dar. Er hatte gehofft, einen größeren Schanigarten zu haben.Trotz dieser Widrigkeiten bleibt Milan Kulic optimistisch.
Das Honey Cafe Vienna mag noch am Anfang seiner Geschichte stehen, doch Milan Kulic ist entschlossen, es zu einem festen Bestandteil der Ottakringer Gastronomieszene zu machen.
Nach unserem Rundgang durch Ottakring, der uns tiefe Einblicke in die Herausforderungen und Chancen des Bezirks gab, führten wir ein abschließendes Interview mit der Bezirksvorsteherin Stefanie Lamp.
Frau Bezirksvorsteherin, Sie sind nun seit drei Monaten im Amt. Wie würden Sie diese erste Zeit beschreiben?
Stefanie Lamp: Die ersten drei Monate waren sehr aufregend und vielseitig. Es gibt viele unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen, aber es sind durchweg schöne Aufgaben. Es geht vor allem darum, ganz eng mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten, sei es mit Geschäftsleuten oder den Bewohnerinnen und Bewohnern von Ottakring.
Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrem ersten Jahr als Bezirksvorsteherin setzen?
Wir planen, den dritten Abschnitt der Thaliastraße fertigzustellen und das Klimasinn-Projekt am Vorplatz der U-Bahn-Station Ottakring umzusetzen. Diese Projekte benötigen viel Vorlaufzeit, sind aber essentiell für die Lebensqualität im Bezirk. Zudem möchte ich die Sicherheit vor den Schulen erhöhen und allgemein die Lebensqualität durch verschiedene Maßnahmen verbessern.
Sie haben die Herausforderungen durch den Umbau der Thaliastraße und die Parkplatzsituation angesprochen. Welche Maßnahmen planen Sie, um diesen Herausforderungen zu begegnen?
Es ist mir wichtig, dass wir eine Balance finden zwischen der Begrünung und der Verfügbarkeit von Parkplätzen. Wir sind bereits im Gespräch mit den lokalen Geschäftsleuten, um Lösungen zu entwickeln, die beiden Seiten gerecht werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir durch Dialog und Kooperation zu guten Lösungen kommen können.

Der demografische Wandel und die Integration sind wichtige Themen in Ottakring. Wie planen Sie, das Zusammenleben im Bezirk zu fördern?
Ottakring ist ein Bezirk, in dem viele Kulturen aufeinandertreffen. Das Zusammenleben funktioniert hier sehr gut, aber natürlich gibt es immer Raum für Verbesserungen. Wir unterstützen beispielsweise Deutschkurse und kulturelle Veranstaltungen, um das gegenseitige Verständnis und die Integration zu fördern. Es ist unser Ziel, dass sich jeder in Ottakring zuhause fühlt und seine Potenziale voll entfalten kann.
Abschließend, welche Botschaft möchten Sie den Einwohnern und Geschäftsleuten von Ottakring mit auf den Weg geben?
Ich möchte allen sagen, dass ihre Stimmen gehört werden und dass ihre Meinungen zählen. Zusammenarbeit und Gemeinschaftssinn sind der Schlüssel zu einem lebenswerten Ottakring. Ich lade jeden ein, aktiv an der Gestaltung unseres Bezirks mitzuwirken. Gemeinsam können wir viel erreichen und Ottakring zu einem noch besseren Ort machen.