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NEOS

Bildungsstadtrat Wiederkehr will Volksschule verlängern

Bildungsstadtrat Wiederkehr will Volksschule verlängern
(FOTO: iStock/Smederevac/Stadt Wien/Martin VOTAVA)
3 Min. Lesezeit |

Eine grundlegende Reform des Bildungssystems schlägt der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr von den NEOS vor. Er plädiert dafür, die Volksschulzeit von bisher vier auf sechs Jahre zu verlängern.

„Wir müssen das Bildungssystem viel schneller verändern, damit die Kinder vorbereitet sind auf ein selbstbestimmtes, erfolgreiches Leben“, erklärte Wiederkehr im Interview mit „Wien heute“. Die Volksschule sei eine funktionierende und kinderorientierte Schulform, weshalb eine Verlängerung auch den Druck auf Schüler und Eltern mindern könnte. „Die vierte Klasse in der Volksschule ist eine unglaubliche Belastung für alle Beteiligten.“

Kritische Töne gegenüber dem Bildungsföderalismus

In seinem Buch „Bildung schaffen“ äußert Wiederkehr deutliche Kritik an den involvierten Institutionen. Der gegenwärtige Bildungsföderalismus erschwere Veränderungen, da Länder, der Bund und Bildungsdirektionen häufig gegeneinander arbeiten würden. „Wir brauchen gemeinsame Lösungen für die Interessen der Kinder“, fordert Wiederkehr.

Gegenüber der Wiener Lehrergewerkschaft zeigte er sich ebenfalls kritisch. Seiner Meinung nach würden dort Reformbemühungen blockiert, die eigentlich im Interesse der Kinder wären. Zudem gebe es in Wien und Österreich einen akuten Lehrermangel. Die NEOS versprechen zur Nationalratswahl 20.000 neue Lehrkräfte, die Umsetzung werde jedoch Zeit in Anspruch nehmen, räumt auch Wiederkehr ein.

Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Im Bereich der Elementarbildung bekräftigt Wiederkehr seine Forderung nach einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr, insbesondere zur Verbesserung des Spracherwerbs. Laut Statistik Austria sprechen fast die Hälfte der Wiener Schulkinder im Alltag kein Deutsch. 14 Prozent der Wiener Volksschülerinnen und -schüler sind als außerordentliche SchülerInnen eingestuft, da sie dem Unterricht in der Unterrichtssprache nicht folgen können. Wien steuere hier mit Sprachförderung gegen, so Wiederkehr.

Von Seiten des Bildungsministeriums fordert Wiederkehr einen Chancenindex, damit Schulen mit besonderen Herausforderungen mehr Mittel erhalten. Zudem soll Demokratieunterricht ab der Volksschule eingeführt werden. „Je früher wir den Kindern beibringen, was hier die Werte sind: Gleichberechtigung von Mann und Frau oder dass ein religiöses Buch nie über dem Gesetz stehen darf, desto mehr ist machbar“, so Wiederkehr.

Haltung zur Jugendkriminalität und soziale Fragen

Zum Thema Jugendkriminalität betont Wiederkehr, dass hier Demokratieunterricht allein nicht ausreiche. Er setzt auf verstärkte polizeiliche Präsenz und Abschiebungen von Straftätern ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Die Forderung nach 1.000 zusätzlichen PolizistInnen zur Unterstützung der schulischen Kooperation teilt Wiederkehr, was bereits zur Reduktion der Suspendierungen geführt habe.

Ein Bundesheer-Assistenzeinsatz, wie ihn FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp vorgeschlagen hat, lehnt Wiederkehr entschieden ab und bezeichnete diesen als „schwachsinnig“. Er macht die FPÖ mitverantwortlich für den Mangel an Polizei in Wien und kritisiert Ex-Innenminister Herbert Kickl, keine Verbesserungsmaßnahmen gesetzt zu haben.

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Reformen in der Sozialhilfe und Mindestsicherung

Ein weiteres Thema ist die Mindestsicherung und Sozialhilfe. Wiederkehr plädiert für ein einheitliches System in Österreich, das einen Erwerbsanreiz beinhaltet. Der Fall einer syrischen Familie in Wien, die monatlich 4.600 Euro durch Mindestsicherung und Wohnbeihilfe erhält, wurde zur Sommerdebatte. „Es muss immer einen Erwerbsanreiz geben. Arbeit muss sich auszahlen und das muss sich ändern“, betonte Wiederkehr.

Er fordert auch Sachleistungen und den Ausbau kostenloser Bildungs- und Betreuungseinrichtungen wie Gratiskindergarten und Ganztagsschule. „Wenn wir dem Kind ein kostenloses Mittagessen in der Schule ermöglichen, ist das die effektivste Bekämpfung von Kinderarmut.“

Zukunftsperspektiven der NEOS

Bei der kommenden Nationalratswahl sieht Wiederkehr für seine Partei zwei Koalitionsmöglichkeiten: Entweder eine Fortsetzung der „Ibiza-Koalition“ mit FPÖ und ÖVP oder eine Reformkoalition mit NEOS, ÖVP und SPÖ, wobei er bei diesen Parteien noch mangelhaften Reformwillen erkennt.

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KO KOSMO-Redaktion
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