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Krisenvorsorge

Blackout-Alarm: Wie verwundbar sind Österreichs Städte wirklich?

Blackout-Alarm: Wie verwundbar sind Österreichs Städte wirklich?
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Während Berlin nach dem Stromnetz-Anschlag improvisieren musste, zeigt sich Österreich besser vorbereitet. Doch Experten mahnen: Die wahre Absicherung beginnt in den eigenen vier Wänden.

Nach dem Anschlag einer linksextremen Gruppe auf das Stromnetz in Berlin, der bis zu 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen betraf, wurden in der deutschen Hauptstadt umfangreiche Notmaßnahmen eingeleitet. Die Stadt übernahm Hotelkosten für Betroffene, richtete Massenunterkünfte ein und stellte Wärmestuben bereit. Dieser Vorfall wirft die Frage auf, wie österreichische Städte für ähnliche Szenarien gerüstet sind.

„Städte sind vulnerabler“, erklärt Herbert Saurugg, ein renommierter österreichischer Blackout-Experte. Der ehemalige Berufsoffizier, der als Initiator der Initiative „Plötzlich Blackout!“ gilt, verweist auf die hohe Bevölkerungsdichte in urbanen Räumen als wesentlichen Risikofaktor. Bei einem vergleichbaren Ausfall wie in Berlin wäre beispielsweise jeder zweite Haushalt in Innsbruck ohne Stromversorgung.

Zudem fehlen in Stadtwohnungen oft alternative Heizmöglichkeiten wie Kachelöfen, die in ländlichen Einfamilienhäusern häufiger vorhanden sind. Ein weiteres Problem sieht Saurugg im mangelnden Erfahrungswissen: Während alpine Regionen durch regelmäßige wetterbedingte Stromausfälle eine gewisse Routine entwickelt haben, fehlt diese Erfahrung in städtischen Gebieten weitgehend.

Der Experte warnt vor überzogenen Erwartungen an staatliche Hilfe im Ernstfall. „Es gibt eine falsche Erwartung in der Bevölkerung. Die Politik muss viel stärker die persönliche Verantwortung adressieren“, fordert Saurugg. Jeder Haushalt sollte Lebensmittelvorräte für mindestens zwei Wochen einlagern – eine Maßnahme, die auch in kleinen Stadtwohnungen umsetzbar sei.

Allerdings beruhigt er: Ein Szenario wie in Berlin sei in Österreich „nur in sehr eingeschränktem Ausmaß zu erwarten“, da die Strukturen besser aufgestellt seien. Er zeigt sich überzeugt: „In der Hilfe und der Geschwindigkeit, mit der sie geleistet wird, würden wir das besser machen.“

Steirischer Vorsorgeplan

Die öffentliche Hand in Österreich beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit intensiv mit dem Thema Blackout. Die Steiermark hat nach eineinhalb Jahren Vorbereitung einen umfassenden Vorsorgeplan mit 111 Maßnahmen in 48 Kapiteln entwickelt. Dafür wurden Hunderte potenziell Betroffene konsultiert – von Blaulichtorganisationen über Pflegeheime und Spitäler bis hin zu Tankstellen, Supermärkten, Versorgungsbetrieben und Banken.

Graz verfügt zusätzlich über einen eigenen Notfallplan. Für den Ernstfall wurden in der Steiermark detaillierte Szenarien ausgearbeitet: Von den 590 Kläranlagen für kommunale Abwässer verfügt nur ein geringer Teil über Notstromaggregate, was die Entsorgung zum Erliegen bringen würde. Bei der Wasserversorgung, an die 95 Prozent der steirischen Bevölkerung angeschlossen sind, können mehr als die Hälfte der Wasserverbände durch Notstrom eine Versorgung für 72 Stunden gewährleisten.

In Graz sind sowohl Wasserversorgung als auch Abwasserentsorgung für mindestens drei Tage gesichert. Im Finanzsektor würde der elektronische Zahlungsverkehr komplett zusammenbrechen, weshalb das Land empfiehlt, etwa 200 Euro pro Person in kleinen Scheinen zu Hause aufzubewahren. Supermärkte könnten weder öffnen noch ihre Kühlsysteme betreiben, weshalb Vorräte für 14 Tage – einschließlich zwei Liter Wasser pro Person und Tag sowie notwendiger Medikamente – angelegt werden sollten.

Kriseninfrastruktur

Im Verkehrssektor wären Züge als erstes betroffen, Ampeln würden ausfallen, Straßenbahnen stehen bleiben. Der Busverkehr könnte nur solange aufrechterhalten werden, wie die Notbetankung funktioniert. Tunnels ohne Notstromaggregate müssten gesperrt werden.

In den Gemeinden sind „Sicherheitsinseln“ vorgesehen, meist in Rüsthäusern der Freiwilligen Feuerwehren, die mit Notstrom versorgt und beheizt werden können. In Graz plant man „Krisen-Leuchttürme“ und „Krisen-Infopunkte“ an elf Standorten. Für die Informationsübermittlung setzt man auf „Blackout-Cycler“ – Freiwillige auf Fahrrädern, die auch kleinere Lieferdienste übernehmen könnten.

Ähnliche Konzepte existieren in Oberösterreich, wo ebenfalls stark auf die Sensibilisierung der Bevölkerung für eine 10- bis 14-tägige Eigenversorgung gesetzt wird. Die Wiener Stadtwerke betonen die Widerstandsfähigkeit der Hauptstadt: Bei einem großflächigen Stromausfall könnten im Durchschnitt alle Kunden innerhalb von 90 Minuten wieder versorgt werden.

„Das ist wegen der n-1 Sicherheit möglich: Das heißt, quasi jedes Betriebsmittel hat einen Ersatz, der bei Bedarf aktiviert werden kann. Fällt ein Kabel aus, können die Kundinnen und Kunden von einem anderen Kabel aus wieder versorgt werden. Das ist durch Umschaltungen – oft bereits digital von der Zentrale aus – möglich“, erläutert Manuela Gutenbrunner von den Wiener Stadtwerken. Krankenhäuser und andere kritische Infrastrukturen verfügen über eigene Notstromanlagen.

Selbst bei einem vollständigen Blackout könnte die Energieversorgung dank schwarzstartfähiger Kraftwerke im Wiener Netzgebiet wiederhergestellt werden. Die Wiener Stadtwerke unterstreichen, dass Wien im internationalen Vergleich über eines der sichersten Versorgungsnetze verfügt.

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KO KOSMO-Redaktion
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