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Blackout: Mehr als ein Stromausfall?

Blackout: Mehr als ein Stromausfall? (FOTO: iStock)

Der erwartete Blackout, der Österreich bis 2025 treffen könnte, ist kein neues Phänomen. Viele Länder waren bereits mit einem großflächigen Stromausfall konfrontiert. KOSMO gibt Antworten auf die Frage, wie gefährlich wäre ein Blackout wirklich?

Neben der Corona-Krise, die seit anderthalb Jahren immer noch nicht nachlässt, sind einige Teile der Bevölkerung bereits über eine mögliche, weitere Krise besorgt – den Blackout. Unter diesem Begriff wird ein länger andauernder Ausfall der Stromversorgung verstanden. Das österreichische Stromnetz umfasst eine Länge von rund 260.000 km. Rund 70 Prozent des Stroms stammen aus Wasserkraft nur rund 10 Prozent aus fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas. Für den Fall eines längerfristigen Blackouts gilt EU-weit ein Pflichtvorrat an Mineralöl, der einen rund 90-tägigen Regelbedarf abdeckt. Würde an einem Wochentag um 9 Uhr der Strom im gesamten Bundesgebiet für 24 Stunden ausfallen, würde der volkswirtschaftliche Schaden laut „Blackout”-Simulator für Österreich bei 1,13 Mrd. Euro liegen. Um für alle Eventualitäten optimal gerüstet zu sein, wird es in Österreich einen 380-kV-Hochspannungsring geben, welcher die Bundesländer Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Burgenland, Steiermark sowie Kärnten durchquert.

Welche Flächen wären im Falls eines Blackouts betroffen, warum kann es überhaupt zu solch einem Ausfall kommen und wie kann man sich am besten für dieses Szenario vorbereiten? Diese und weitere Fragen beantwortet Michael Studer, Elektrotechniker, der seit 2008 bei einem der größten österreichischen Energieversorgungsunternehmen als Teamleiter der Leittechnik für Mittel- und Hochspannungsanlagen sowie Gashochdruckanlagen tätig ist. Außerdem ist Studer neben der stellvertretenden Leitung des Verwaltungsdienstes bei einer Freiwilligen Feuerwehr auch Sachbearbeiter für Öffentlichkeitsarbeit.

KOSMO: Wie stehen Ihre Betätigungen im Verhältnis zu einem Blackout?
Michael Studer: Um ehrlich zu sein, habe ich drei Funktionen inne. Ich bin zuerst privat betroffen, wie jeder andere. Beruflich ist es meine Aufgabe, ein Blackout mit allen Mitteln zu verhindern. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist es meine Pflicht, die Bevölkerung vor den Konsequenzen eines Blackouts zu schützen.

Ein Blackout ist ein großflächiger und länger andauernder Ausfall der Stromversorgung. Welche Flächen wären im Fall eines Blackouts in Österreich betroffen und wie lange kann ein Blackout dauern?
Was in diesem Fall „großflächig” oder „länger andauernd” bedeutet, ist nicht weiter spezifiziert. Wenn man die Organisation des Stromnetzes betrachtet, so wäre in unserem Fall der Ausfall der Regelzone „APG” (beinahe das gesamte Bundesgebiet) sicher als „großflächig” zu betrachten. Es gibt auch bei „länger andauernd” nur schwammige Definitionen. Ich mache es mir leicht und definiere „lange” ab jenem Zeitpunkt, ab dem ich die Situation als unangenehm betrachte. In meiner Generation sind das ca. 14 Tage, bei meinen Kindern ca. 14 Stunden.

Für den Fall eines längerfristigen Blackouts gilt EU-weit ein Pflichtvorrat für einen 90-tägigen Regelbedarf.

Warum kommt es überhaupt zu diesem Ausfall?
Die tatsächlichen Ursachen sind sehr unterschiedlich. Unsere Stromversorgungsnetze sind immer auf den Ausfall des größten Elements der Versorgungskette ausgelegt. Ein Element kann ein Kraftwerk sein, eine Leitung, ein Umspanner etc. Es läuft also immer darauf hinaus, dass zumindest zwei Elemente gleichzeitig ausfallen müssen, um die Stromversorgung zu beeinflussen. Das bedeutet, dass mindestens zwei oder mehrere Störungen gleichzeitig auftreten müssen, damit ein Blackout entsteht. Am 8. Jänner 2021 beispielsweise kam es zu einem Fehler, der große Wellen schlug, jedoch nicht zu einem Blackout führte. Dadurch, dass das ENTSO-E-Netz (Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber) so groß ist, verursachen auch relativ große Ausfälle lokal kein Problem.

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