Kürzere Wege, weniger Zeit, mehr Anbindung: Ein Mammutprojekt in Ostbosnien erreicht einen entscheidenden Wendepunkt.
Ein bedeutendes Infrastrukturvorhaben in Bosnien und Herzegowina nimmt Fahrt auf: Der Bau des künftig längsten Straßentunnels des Landes geht in seine nächste entscheidende Phase – und mit ihm rückt auch das Begleitprojekt in den Fokus, das dem Tunnel erst seinen eigentlichen Sinn verleiht. Die Rede ist von der Schnellstraße Prača–Goražde, die gemeinsam mit dem Tunnel Hranjen das Verkehrsnetz in Ostbosnien grundlegend umgestalten soll. Während am 5,5 Kilometer langen Tunnel bereits seit Jahren gebaut wird, steht nun der Lückenschluss an: jener Streckenabschnitt, der Goražde über Prača mit Sarajevo verbinden wird.
Grunderwerb eingeleitet
Die Autobahnen der Föderation Bosnien und Herzegowina (Straßenbaubehörde) haben dazu konkrete Schritte eingeleitet. Jüngst wurde eine öffentliche Ausschreibung für den einvernehmlichen Grunderwerb entlang der Trasse Hrenovica–Hranjen–Goražde veröffentlicht – der Startschuss für jenen Enteignungsprozess, der den Baubeginn der zweiten Projektphase erst ermöglicht. Betroffen sind 27 Parzellen mit einer Gesamtfläche von rund 14.391 Quadratmetern, gelegen im Stadtgebiet von Goražde, in den Katastralgemeinden Hadžići und Podhranjen. Den Grundeigentümern wurde zunächst eine einvernehmliche Einigung angeboten – sollte diese scheitern, folgt ein formelles Enteignungsverfahren.
Das öffentliche Interesse an der Realisierung des Gesamtprojekts hatte die Regierung der Föderation bereits 2022 festgestellt. Das Vorhaben gliedert sich in zwei Abschnitte: den Tunnel Hranjen mit 5,5 Kilometern sowie die anschließende Schnellstraße mit einer Länge von 12,9 Kilometern – zusammen ergibt das eine Gesamttrasse von 18,4 Kilometern. Obwohl der Tunnel das bautechnisch aufwendigste Element darstellt, ist es gerade die Straße, die seine vollständige Nutzung und die Einbindung in das bestehende Netz erst gewährleistet.
Die Gesamtkosten für den Bau des Tunnel Hranjen betragen 81,9 Millionen Konvertible Mark. Das gesamte Expresstraßenprojekt Sarajevo–Goražde ist mit 190 Millionen Konvertible Mark veranschlagt.
Kürzere Fahrzeiten
Die Auswirkungen auf die Region wären beträchtlich: Die Strecke zwischen Sarajevo und Goražde würde sich von derzeit rund 95,6 auf etwa 56 Kilometer verkürzen, die Fahrzeit von eineinhalb Stunden auf rund 45 Minuten sinken. Das hätte spürbare Folgen für Wirtschaft, Mobilität und Lebensqualität im östlichen Landesteil. Der Tunnel Hranjen gilt seit Jahren als eines der zentralen Infrastrukturprojekte der Föderation Bosnien und Herzegowina. Geplant sind zwei Röhren – eine zweistreifige Hauptverkehrsröhre sowie eine Serviceröhre für Wartung und Notfälle. Technisch gilt das Projekt als äußerst anspruchsvoll; Herausforderungen und Verzögerungen haben es von Beginn an begleitet.
Nach jüngsten Angaben aus dem Kanton Bosnisches Podrinje wird die Fertigstellung des Tunnels bis März 2027 angepeilt – vorausgesetzt, es treten keine weiteren Verzögerungen auf.
Wann das Gesamtprojekt, also Tunnel und Schnellstraße gemeinsam, abgeschlossen sein wird, ist derzeit noch offen.