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Bauoffensive

Bosnien wird zur Großbaustelle – neue Straßen und Autobahnen entstehen!

Bosnien wird zur Großbaustelle – neue Straßen und Autobahnen entstehen!
FOTO: iStock
7 Min. Lesezeit |

Tunnel, Viadukte, Autobahnen – Bosnien und Herzegowina baut an allen Ecken. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine große Lücke.

Bosnien und Herzegowina befindet sich mitten in einem der ambitioniertesten Infrastrukturprogramme seiner jüngeren Geschichte. Entlang des Korridors 5C und weit darüber hinaus wird gebaut, gegraben und gesprengt – mit wechselndem Tempo, aber ungebrochenem Anspruch.

Beim zentralen Vorzeigeprojekt, dem Korridor 5C, wurden zuletzt zwei neue Abschnitte fertiggestellt. Der rund zehn Kilometer lange Abschnitt zwischen Poprikuse und Nemila ist seit Kurzem über eine provisorische Anbindung für den Verkehr freigegeben. Das Herzstück dieses Teilstücks ist der Tunnel Bosna mit einer Länge von 3,6 Kilometern – derzeit der längste fertiggestellte Tunnel des Landes.

Ebenfalls abgeschlossen ist der Abschnitt zwischen Ponirak und dem Knoten Zenica Nord, der zu rund 90 Prozent aus dem 3,3 Kilometer langen Tunnel Zenica besteht. Für den Verkehr zugänglich wird dieser Abschnitt allerdings erst sein, wenn das fehlende Bindeglied zwischen Tunnel und Nemila fertiggestellt ist. Dieses 6,7 Kilometer lange Zwischenstück – mit zwei Bosna-Brücken, mehreren Tunneln und drei Viadukten – befindet sich derzeit im Bau.

Offiziell wird eine Fertigstellung im Laufe des Jahres 2026 in Aussicht gestellt, doch der Blick auf die Baustelle lässt daran erhebliche Zweifel aufkommen. Wer die Geschichte des Korridors 5C kennt, weiß: Terminankündigungen sind dort mit gesunder Skepsis zu genießen.

Parallele Baustellen

Weiter nördlich, zwischen Zepce und Doboj, laufen die Arbeiten an drei Abschnitten parallel. Zwischen dem Knoten Kostajnica und Putnikovo brdo schreiten die Bauarbeiten nur schleppend voran; zu den größten Herausforderungen zählen eine Brücke über die Bosna sowie zwei Tunnel. Deutlich weiter ist der Abschnitt vom Knoten Usora bis Medakovo: Er steht kurz vor dem Abschluss, die Restarbeiten laufen, und eine baldige Verkehrsfreigabe gilt als realistisch.

Das Teilstück umfasst den Knoten Usora, eine Brücke über die Usora, eine 220 Meter lange überdachte Einschnittstrecke sowie den Knoten Medakovo. Seinen vollen verkehrlichen Nutzen wird dieser Abschnitt erst entfalten, wenn der anschließende, 21,5 Kilometer lange Abschnitt bis Ozimica fertig ist. Dessen markantestes Bauwerk ist der 2,2 Kilometer lange Tunnel Crni vrh; auch hier wird laut Ankündigung eine Fertigstellung noch heuer angestrebt.

Im Süden des Korridors entsteht der Teilabschnitt zwischen dem Tunnel Kvanj und Buna auf einer Länge von 5,2 Kilometern. Der Tunnel Kvanj selbst ist als zweiröhriger Tunnel mit 2,7 Kilometern Länge geplant; ergänzt wird er durch ein 330 Meter langes Viadukt, bevor der Abschnitt an das bereits fertiggestellte Teilstück Buna–Pocitelj anschließt. Vorgesehen ist zudem eine 1,4 Kilometer lange Anschlussstrecke mit provisorischer Mautstelle.

Noch gar nicht begonnen wurde hingegen mit dem Bau der verbleibenden zwölf Kilometer zwischen den Knoten Ozimica und Poprikuse sowie mit den Abschnitten rund um Odzak und Johovac im Norden und dem Teilstück zwischen dem Tunnel Ivan und dem Tunnel Kvanj im Süden.

Im Nordosten des Landes nimmt die künftige Autobahn von Vukosavlje über Brcko und Bijeljina bis zur serbischen Grenze langsam Gestalt an – zumindest auf einem Teilstück. Der 20 Kilometer lange Abschnitt von Bijeljina bis zur Staatsgrenze befindet sich im Bau, wenngleich die Fortschritte vor Ort die angekündigte Fertigstellung bis Ende 2026 kaum plausibel erscheinen lassen. Das 17 Kilometer lange Teilstück zwischen Bijeljina und der Grenze zum Distrikt Brcko ist noch nicht in Bau, der Beginn wird für 2026 in Aussicht gestellt.

Der Abschnitt von Vukosavlje bis zur Distriktgrenze soll zumindest teilweise offiziell angelaufen sein, konkretere Arbeiten wurden ab Frühjahr dieses Jahres angekündigt. Für die Trassenführung durch den Distrikt Brcko selbst gibt es nach wie vor keine Einigung.

Im Nordwesten des Landes kämpft ein weiteres Großprojekt mit hartnäckigen Verzögerungen: die Autobahn von Banja Luka über Prijedor bis Novi Grad. Im Bau befindet sich die erste Phase, ein 41 Kilometer langes Teilstück zwischen Prijedor und Banja Luka, das die Knoten Prijedor, Omarska und Kuljani sowie 23 Überführungen, zehn Unterführungen, neun Brücken, sieben Viadukte, Wildtierpassagen und eine Raststation umfasst. Der Vertrag wurde bereits 2018 unterzeichnet, der offizielle Spatenstich folgte im November 2021 – mit dem Versprechen einer Fertigstellung binnen drei Jahren.

Seither hat das Projekt kaum sichtbare Fortschritte gemacht; verschiedenste Probleme haben die Arbeiten immer wieder zum Stillstand gebracht.

Projekte im Süden

Im Zentrum des Landes wurde Ende des vergangenen Jahres der erste Abschnitt der künftigen Schnellstraße Lasva–Travnik–Jajce fertiggestellt: das 4,8 Kilometer lange Teilstück vom geplanten Knoten Vitez bis zum Knoten Nevic polje, auf dem vier Brücken, ein Viadukt und der Knoten selbst errichtet wurden. Für den Verkehr freigegeben ist dieser Abschnitt allerdings noch nicht – er wartet auf die Fertigstellung eines nur 560 Meter langen Vorgängerabschnitts durch die Gewerbezone Vitez, wo die Grunderwerbsfragen bislang ungeklärt sind und mit den Bauarbeiten noch nicht begonnen wurde. Auch die übrigen Abschnitte der Trasse, von Lasva bis Vitez sowie von Nevic polje in Richtung Travnik und Jajce, sind noch nicht im Bau.

Südöstlich von Sarajevo entsteht die Schnellstraße Praca–Gorazde auf einer Länge von 18,4 Kilometern, vorerst im Halbprofil mit einer zweispurigen Fahrbahn. Seit Jahren wird an ihrem zentralen Bauwerk gearbeitet: dem Tunnel Hranjen, der nach seiner Fertigstellung mit 5,5 Kilometern Länge und zwei Röhren der längste Tunnel des Landes sein wird. Eine Röhre ist für den Fahrzeugverkehr vorgesehen, die kleinere zweite Röhre dient als Serviceröhre für Wartungsarbeiten und den Einsatz bei Unfällen.

Westlich der Hauptstadt Sarajevo zieht sich der Bau eines Teilstücks der Sarajevo-Umfahrung, bekannt als LOT 3B, schon seit Jahren hin. Das gerade einmal 1,4 Kilometer lange, vierspurige Stück mit zwei Viadukten soll den Knoten Vlakovo am Korridor 5C mit der Kreuzung Mostar verbinden, wo die Magistralen M17 und M5 aufeinandertreffen. Eigentumsfragen und Genehmigungsprobleme haben das Projekt über Jahre blockiert; die Bauarbeiten stehen die meiste Zeit still.

Im Südwesten begannen im Februar dieses Jahres offiziell die Arbeiten an der künftigen Schnellstraße von Mostar über Siroki Brijeg und Grude bis zur kroatischen Grenze, die insgesamt 60,7 Kilometer lang sein soll. Gestartet wurde mit zwei Teilabschnitten des Segments Polog–Grenze zu Kroatien. Das Teilstück Polugrno–Podledinac umfasst auf 5,5 Kilometern den Knoten Polugrno mit Mautstellen und Anschlussstraße, drei Unterführungen, eine Überführung sowie das Viadukt Zvirnjace.

Das anschließende Teilstück Podledinac–Grude Ost ist 6,3 Kilometer lang und beinhaltet zwei Knoten mit Mautstellen, zwei Überführungen, eine Unterführung und das Viadukt Krstelica. Der Rest der Trasse befindet sich in Vorbereitung, Bauarbeiten haben dort noch nicht begonnen.

Ebenfalls in der Nähe von Mostar verdient die südliche Stadtumfahrung Erwähnung. Sie soll laut Plan vom Knoten Polog bis zum künftigen Knoten Mostar Süd am Korridor 5C verlaufen. Der erste Abschnitt bis Miljkovici wurde bereits Ende 2019 fertiggestellt; der anschließende Abschnitt bis zum Tunnel Novi ist zwar im Bau, wird aber erst nach Fertigstellung des darauffolgenden Teilstücks vom Tunnel Novi bis zum Knoten Rodoc für den Verkehr freigegeben.

Dieses nächste Teilstück wurde kürzlich in Angriff genommen und soll innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Geplant sind eine dreispurige Fahrbahn mit Kriechspur, der in offener Bauweise errichtete Tunnel Privorac sowie das Viadukt Rodoc. Am Ende des Abschnitts ist ein provisorischer Kreisverkehr vorgesehen, der die Anbindung an Lokalstraßen und die Magistrale M17 sicherstellt.

Sobald der Korridor 5C bis zum Knoten Mostar Süd verlängert ist, soll auch die Umfahrung daran angebunden werden.

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KO KOSMO-Redaktion
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