Die Europäische Union erwägt eine Kehrtwende bei ihrem vor zwei Jahren beschlossenen Verbrenner-Aus. Der ursprüngliche Plan, den Verkauf neuer Fahrzeuge mit konventionellen Motoren ab 2035 zu untersagen, wird nun offenbar aufgeweicht. Apostolos Tzitzikostas, EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, bestätigte in einem Handelsblatt-Interview, dass Verbrennungsmotoren unter bestimmten Bedingungen doch eine Zukunft haben könnten – vorausgesetzt, sie werden ausschließlich mit emissionsarmen Kraftstoffen betrieben.
Hinter dem Kurswechsel steht erheblicher politischer Druck. Besonders ein Schreiben des deutschen Kanzlers Friedrich Merz an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in dem er für mehr Flexibilität plädierte, fand in Brüssel überraschend positiven Anklang. Kommissar Tzitzikostas betont nun, die EU strebe einen „wirtschaftlich nachhaltigen und sozial gerechten“ Übergang zu klimaneutralen Antrieben an. Dabei sollen „alle technologischen Lösungen“ berücksichtigt werden, die zur Emissionsreduktion beitragen können.
Alternative Kraftstoffe
Zu diesen Alternativen zählen synthetische Kraftstoffe und Biokraftstoffe wie HVO100 (Hydriertes Pflanzenöl), der die Emissionen um bis zu 90 Prozent senken kann und bereits in einigen BMW- und Audi-Modellen zum Einsatz kommt. Auch Porsche treibt die Entwicklung voran und produziert in Chile sogenannte E-Fuels – hergestellt aus Wasser, CO₂ und Windenergie mit minimalem CO₂-Fußabdruck. Genau solche Innovationen könnten den Fortbestand technologisch angepasster Verbrennungsmotoren auch nach 2035 ermöglichen.
Parallel dazu vollzieht sich am Markt ein eigener Wandel. Elektrofahrzeuge erreichen in Europa seit Jänner einen Marktanteil von 18,3 Prozent. Hybridmodelle dominieren mit 34,7 Prozent deutlich das Feld. Bemerkenswert: Plug-in-Hybride haben mit einem Anteil von 9,4 Prozent erstmals die Dieselfahrzeuge überholt.
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Hersteller-Reaktionen
Die Reaktionen der Automobilhersteller fallen unterschiedlich aus. Während die Mehrheit der europäischen und amerikanischen Produzenten die Abkehr vom strikten Verbrenner-Verbot begrüßt, gibt es auch Gegenstimmen. Die zum chinesischen Geely-Konzern gehörenden Marken Volvo und Polestar sprechen sich offen für die Beibehaltung der ursprünglichen Frist aus.
Die Präsentation des überarbeiteten EU-Maßnahmenpakets war ursprünglich für den 10. Dezember geplant, wurde jedoch auf Ende des Monats verschoben.