72.000 Menschen in zwei Tagen, Dutzende Tote und Europa schaut zu. Ceuta steht vor dem Siedepunkt.
Die spanische Exklave Ceuta kommt nicht zur Ruhe. Präsident Juan Jesus Vivas warnt eindringlich vor einer weiteren Eskalation der sozialen Lage und richtet einen dringenden Appell an die Europäische Union, die Stadt nicht länger allein zu lassen.
Ende Juli überquerten innerhalb von zwei Tagen mehr als 72.000 Menschen die Grenze von Marokko nach Ceuta. Ein Großteil von ihnen kehrte in der Folge wieder zurück, doch der Massenandrang forderte einen hohen Preis: Mindestens 91 Menschen kamen dabei ums Leben. Nach Angaben des spanischen Innenministers Fernando Grande-Marlaska haben von den geschätzten 72.000 Menschen, die am 30. und 31. Juli nach Ceuta gelangten, rund 70.000 inzwischen wieder Marokko verlassen. Anfang September hielten sich noch rund 5.000 Migranten in der Exklave auf.
Vivas‘ Appell
Vivas wählte drastische Worte, um die Stimmungslage zu beschreiben: „Ceuta ist derzeit ein Dampfkochtopf, der jederzeit explodieren kann.“ Er forderte von der EU eine sichtbare Präsenz vor Ort – konkret durch die Grenzschutzagentur Frontex und die Europäische Asylagentur – sowie finanzielle Mittel für notwendige Infrastrukturmaßnahmen. Spanien hat die Europäische Union um Unterstützung bei der Bearbeitung der in Ceuta verbliebenen Migranten gebeten und zusätzlich zehn Einsatzkräfte der EU-Grenzschutzagentur Frontex für das Screening der Migranten angefordert. Zur genauen Zahl der in Ceuta verbliebenen Migranten sagte er: „Ich spreche von 5.000, 10.000, 15.000 – aber wir kennen die Zahl immer noch nicht.“
Europas Landgrenze
Ceuta zählt rund 84.000 Einwohner und liegt an der Nordküste Afrikas. Gemeinsam mit der Exklave Melilla bildet sie den einzigen Abschnitt, an dem die Europäische Union eine direkte Landgrenze mit dem afrikanischen Kontinent teilt – ein Umstand, der die Stadt seit Jahren zu einem zentralen Brennpunkt der europäischen Migrationspolitik macht.