Zwei Jahre, keine Leiche, kein Urteil – und ein kleines Mädchen, das einfach verschwunden blieb. Der Fall Danka Ilic lässt eine ganze Region nicht los.
Zwei Jahre sind vergangen, seit die zweijährige Danka Ilic spurlos verschwand – an jenem 26. März 2024, als ihre Mutter Ivana sie und ihren Bruder zu einem alten Familienanwesen in Banjsko Polje bei Bor mitgenommen hatte. Der Hof des verfallenen Hauses wirkt bis heute wie eingefroren in der Zeit. Die Bewohner des Ortes, der einst als sicherster Teil von Bor galt, sind auch nach zwei Jahren nicht zur Tagesordnung übergegangen – zu tief sitzt das Unfassbare, zu zahlreich die Fragen, die seither unbeantwortet geblieben sind.
Wie das Portal Kurir berichtet, war die Redaktion auch heuer wieder vor Ort – an jenem Platz, an dem Danka zuletzt gesehen wurde. Was damals geschah, hat die Staatsanwaltschaft in einer Rekonstruktion festgehalten: Die Mutter ließ das Mädchen für einen kurzen Moment unbeaufsichtigt, um ihrem Sohn Wasser aus dem Auto zu holen.
In dieser Zeit soll Danka auf die Straße gelaufen sein – genau in dem Moment, als Srdjan Jankovic und Dejan Dragijevic, beide Mitarbeiter des kommunalen Wasserversorgers „Vodovod“, mit einem Dienstwagen vorbeifuhren.
Laut Anklage erfassten sie das Kind, nahmen es mit und brachten es zu einer Deponie. Da die Leiche nie gefunden wurde, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie an einen unbekannten Ort verbracht wurde – unter Beteiligung eines dritten Beschuldigten: Radoslav Dragijevic, dem Vater von Dejan Dragijevic, dem Beihilfe zur Tat vorgeworfen wird.
Widerrufene Geständnisse
Was den Fall zusätzlich belastet: Beide Hauptverdächtigen gestanden die Tat zunächst, widerriefen ihre Aussagen jedoch kurz darauf vollständig. Zehn Tage nach Dankas Verschwinden wurden Jankovic und Dragijevic festgenommen – sie befinden sich bis heute in Untersuchungshaft. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zaječar wurde inzwischen mehrfach zur Nachbesserung zurückverwiesen; der Fall wurde zwischenzeitlich an das Bezirksgericht Negotin übertragen, das über eine dritte Anklageschrift zu befinden hat.
In Banjsko Polje selbst gehen die Meinungen auseinander. Eine Anwohnerin ist überzeugt, dass Danka noch lebt: „Ich glaube, sie wurde irgendwohin weit weg gebracht – und dass jemand aus ihrem näheren Umfeld darin verwickelt ist.“ Ein anderer Bürger wiederum vermutet übernatürliche Kräfte im Spiel: „Ich denke, da steckt walachische Magie dahinter. Es gibt zu viele Ungereimtheiten, die sich anders nicht erklären lassen.“
Eltern schweigen
Dankas Eltern halten sich mit öffentlichen Äußerungen weitgehend zurück. Gelegentlich beantworteten sie auf TikTok Fragen von Bürgerinnen und Bürgern, doch inhaltlich äußerten sie sich kaum. Vater Milos Ilic erklärte gegenüber Kurir knapp, dass er erst vor Gericht sprechen werde: „Können Sie sich vorstellen, wie es uns als Eltern geht? Ich möchte nicht, dass meine Worte in irgendeiner Weise verwendet werden, bevor die Verhandlung beginnt.“
Radoslav Dragijevic, dem Beihilfe nach der Tat vorgeworfen wird und der sich auf freiem Fuß verteidigt, schildert, wie das vergangene Jahr ihn zermürbt hat. „Im ersten Jahr dachte ich, ich werde das nicht überleben“, sagt er. Sein Sohn Dejan sitzt in Haft, seine Frau starb während der Untersuchungshaft. „Meine Familie ist zerstört. Aber ich bin überzeugt, dass mein Sohn unschuldig ist – und dass die Wahrheit irgendwann ans Licht kommt“, beteuert der ältere Dragijevic.