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KOMMENTAR

Der bosnische Eintopf – 29 Jahre Unabhängigkeit

(Foto: zVg.)

Am 1. März 1992 hat die Republik Bosnien-Herzegowina durch eine Abstimmung ihre Unabhängigkeit erlangt. Danach folgte ein Konflikt zwischen den Befürwortern und den Gegnern des jungen Staates.   

Der Frieden sucht noch seinen Platz in der bosnischen Geschichte. In den ethnischen Konflikten der 1990er Jahren verfangen, bewegt die bosnische Politik im Land nur die nationalistischen Zügel. Die Beziehungen in dem komplizierten Gebilde, dass 1995 durch den Friedensvertrag von Dayton, mit weitgehenden Vetorechten der drei Volksgruppen und einer großen Autonomie für die beiden Landesteile, die bosniakisch-kroatische Föderation und die Republika Srpska, geschaffen wurden, scheinen am Tiefpunkt zu sein.

In diesem Land leben keine Bürger, sondern Bosniaken, Kroaten, Serben und andere. Die Vielfalt wird auf die Ethnien reduziert, die an einander vorbei vegetieren. So sind die gesellschaftlichen Strukturen noch immer durch die kriegerischen Ereignisse zerrüttet. Zudem drohen Armut und Arbeitslosigkeit, die die Menschen zusätzlich in die Hoffnungslosigkeit zu treiben. Die Ambivalenz zwischen dem geringen wirtschaftlichen Wachstum und der staatlichen Intervention droht zu scheitern. Denn die Wirtschaftspolitik ist nur in der Theorie liberal, während die Praxis des umständlichen Staatsapparates diese erstickt.  Der einzige Rettungsanker ist wohl die Europäische Union, die das Land mit Fragenkatalogen und Voraussetzungen bei Laune hält.

Die Gratwanderung zwischen Krieg und Frieden, zwischen Stabilität und Instabilität wird in Bosnien-Herzegowina aufs neue definiert. Keine Einigung, keine gemeinsamen Schritte. Ein Land gespalten zwischen Vergangenheitsbewältigung und EU-Bestrebungen. Wohin steuert Bosnien-Herzegowina? Nach einem viertel Jahrhundert Eigenständigkeit kann das noch nicht beantwortet werden. Viele Schritte in die falsche Richtungen wurden bereits gesetzt. So witterten Beobachter mehrfach einen Zerfall der Staatsstrukturen.

Die Nähte die das Land zusammenhalten sind womöglich Kultur und Sport. Abseits von politischen Machtspielen werden Brücken geschlagen, die beweisen, dass die Menschen ohne Politik miteinander auskommen. So sagte der bosnische Regisseur, Danis Tanović, 2002 als der den Oscar verliehen bekommen hat: “Das ist für mein Land, Bosnien”. Die heimische Filmbranche konnte durch ausländische Fonds überleben und wurde zum Werbeschild des Landes. Die Postkriegs-Filmszene lässt sich mit internationalen Preise schmücken: Ob Bären, Löwen, Tiger oder Leoparden. Wenn die Drachen Fußballspielen, sieht man die Mühen der Spieler am Feld, die versuchen patriotische Gefühle zu erzeugen. Würden sich die Politiker nur halb soviel anstrengen, wäre das Land womöglich besser gestellt. Die Probleme auf andere abwälzen, wäre jedoch falsch. Solange immer die gleichen Politiker gewählt werden, nützen weder die Tore von Edin Džeko noch preisgekrönte Filme dem Vorankommen des Landes.