Ein Treffen, das wie eine Falle wirkte – und für Aleksandar Neskovic tödlich endete. Nun rollen die Behörden den Fall von innen auf.
In der Nacht auf den 12. Mai wurde Aleksandar Neskovic, im Milieu unter dem Namen Baja bekannt, in einem Restaurant im Belgrader Stadtteil Senjak erschossen. Als mutmaßlicher Schütze gilt der ehemalige Polizeibeamte Sasa Vukovic, genannt Boske. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren – inzwischen wurden zahlreiche neue Beweise und Spuren gesichert.
Der Abend des 12. Mai nahm gegen 23 Uhr seinen verhängnisvollen Lauf, als Neskovic mit seinem gepanzerten schwarzen BMW X7 vor dem „Restaurant 27″ vorfuhr. Laut Staatsanwaltschaft hatte ihn Veselin Milic zu dem Treffen eingeladen – unter dem Vorwand, bestehende Unstimmigkeiten aus der Welt zu schaffen – und ihm dabei nahegelegt, ohne Personenschutz zu erscheinen. Als Neskovic ankam, bemerkte er die Fahrzeuge der Verdächtigen und entschied sich zunächst, das Lokal nicht zu betreten.
Nach einem Telefonat mit Sasa V., mit dem er bereits zuvor in Konflikt geraten war, kehrte er jedoch rund zehn Minuten später zurück, betrat das Restaurant und setzte sich zu Sasa V., Mario S. und Veselin Milic. Nach einer Auseinandersetzung feuerte Sasa V. mehrere Schüsse auf ihn ab. Laut einem Bericht des Portals Republika soll ein einziger Satz den Mord ausgelöst haben: Neskovic soll, als er am Tisch Sasa V. erblickte, laut gefragt haben: „Warum habt ihr mir nicht gesagt, dass diese Fotze hier ist?!“ – woraufhin die Situation eskalierte.
Rollen der Verdächtigen
Die Belgrader Staatsanwaltschaft hat die Rollen der Verdächtigen offiziell bekanntgegeben. Veselin Milic, bis zu seiner Festnahme Leiter der Belgrader Polizeidirektion, soll das Opfer zu dem Treffen gelockt und dem Mord beigewohnt haben, ohne die Tat anzuzeigen. Sasa Vukovic soll die tödlichen Schüsse abgefeuert haben.
Mario S. wird verdächtigt, die Tatwaffe von Danka V. entgegengenommen und an Vukovic weitergegeben zu haben. Danka V. soll die Waffe beschafft haben, Dejan S. den Tätern nach der Tat zur Flucht verholfen haben. Dejan S. soll die Täter nach der Schießerei zunächst nach Sabac, dann zum Dobrodol-See und schließlich nach Stara Pazova gebracht haben.
Im Zuge der Ermittlungen wurden insgesamt zehn Personen festgenommen: neben Milic auch der Restaurantbesitzer, ein Kellner sowie drei weitere Polizeibeamte. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Sasa V. und Mario S. Anklage wegen schweren Mordes in Tateinheit mit unerlaubtem Waffenbesitz und Herbeiführung einer allgemeinen Gefahr. Danka V. wird wegen unerlaubten Waffenbesitzes und -handels verfolgt.
Veselin M., Boban M., Savo S. und Petko P. sind wegen Nichtanzeige einer Straftat sowie Beihilfe nach der Tat angeklagt. Nenad L. und Vuk S. werden der Nichtanzeige beschuldigt, wobei Vuk S. zusätzlich Beihilfe vorgeworfen wird. Dejan S. muss sich wegen Beihilfe nach der Tat verantworten.
Am 15. Mai wurde Veselin Milic festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Die Behörden begründeten dies mit der Gefahr der Zeugenbeeinflusssung sowie der Befürchtung, er könnte erneut straffällig werden. Das Innenministerium enthob Milic seines Amtes; die Leitung der Polizeidirektion übernahm kommissarisch Oberst Dejan Bojovic.
Wie das Portal Blic berichtete, wurde auch Nemanja Djuran, ehemaliger Leiter der Kriminalpolizei, zu einem Informationsgespräch vorgeladen. Djuran soll nicht gemeldet haben, dass er in der Tatnacht telefonischen Kontakt mit den Verdächtigen hatte. Nach dem Gespräch wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.
Spurensuche ausgeweitet
Das Verschwinden Neskovics meldete seine Lebensgefährtin. Er hatte ihr in der Tatnacht noch mitgeteilt, dass er sich im Restaurant befinde – danach war sein Telefon nicht mehr erreichbar. Als die Polizei am Tatort eintraf, fanden sich im Lokal Blutspuren, die jemand offenbar zu beseitigen versucht hatte, sowie zwei abgefeuerte Patronenhülsen im Kaliber 9 Millimeter.
Die Suche nach Neskovics Leiche weitete sich auf die Ortschaft Putinci aus, wo ein Geländewagen sichergestellt wurde. In dem Fahrzeug fanden die Ermittler Flaschen mit Salzsäure, Blutspuren und chirurgische Handschuhe – das Fahrzeug dürfte höchstwahrscheinlich zum Transport der Leiche verwendet worden sein. Zusätzlich wurde im Dorf Ljukovo ein VW-Fahrzeug auf einem Parkplatz entdeckt, das von Forensikern und Ermittlern eingehend untersucht wurde.
Polizeidirektor Dragan Vasiljevic bestätigte, dass sich auch Soldaten der serbischen Armee sowie Angehörige der Gendarmerie an der Suche nach der Leiche im Bereich des Jarkovac-Sees bei Indjija beteiligen. Darunter befinde sich ein Hyundai-Pkw, von dem die Ermittler begründet annehmen, dass er von den Festgenommenen bei der Tatausführung genutzt wurde. Im Fahrzeug wurden chirurgische Handschuhe, mehrere Flaschen Salzsäure sowie eine Motorhaube sichergestellt, die nicht zu dem Wagen gehört und auf der sich eine rote Flüssigkeit befindet, bei der es sich nach Einschätzung der Behörden um Blut handeln dürfte.
Alle notwendigen biologischen, toxikologischen und weiteren Analysen seien bereits eingeleitet, so Vasiljevic.
Taucher und Einsatzkräfte durchsuchten sowohl das Ufer als auch den See selbst.