Ein Mann verschwindet, Patronenhülsen und Blutspuren bleiben zurück – und nun sitzt sogar der Chef der Belgrader Polizei in Gewahrsam.
Wegen des Verdachts auf Vertuschung und Beihilfe haben Ermittler des serbischen Innenministeriums den Leiter der Belgrader Polizeidirektion, Veselin Milic, festgenommen. Die Maßnahme erfolgte auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Belgrad im Zuge der Ermittlungen zum Verschwinden von Aleksandar Nesovic, genannt Baja, der in der Nacht auf den 12. Mai 2026 spurlos verschwand. Milic wurde für bis zu 48 Stunden in Gewahrsam genommen; innerhalb dieser Frist soll er einem zuständigen Staatsanwalt zur Vernehmung vorgeführt werden.
Nesovic, der der kriminellen Gruppe rund um Dejan Stojanovic Keke aus Novi Beograd zugerechnet wird, wollte sich in jener Nacht laut inoffiziellen Angaben mit einem Bekannten in einem Restaurant im Belgrader Stadtteil Senjak treffen. Nach einem Telefonat mit seiner Lebensgefährtin J.M. gegen 23 Uhr war er nicht mehr erreichbar, sein Mobiltelefon blieb ausgeschaltet. J.M. erstattete am Abend des 13. Mai Vermisstenanzeige, die Staatsanwaltschaft wurde noch in derselben Nacht informiert.
Spurensicherung in Senjak
Noch am selben Abend rückte ein Staatsanwalt gemeinsam mit Beamten der Kriminalpolizeidirektion und Forensikern des Nationalen Zentrums für Kriminalforensik zum genannten Lokal aus. Die Spurensicherung förderte zwei Patronenhülsen des Kalibers 9 mm sowie mehrere Blutspuren zutage, die mutmaßlich von Nesovic stammen. Am darauffolgenden Tag wurde in einem Container gegenüber dem Restaurant ein iPhone unbekannter Herkunft sichergestellt.
Im Zuge einer groß angelegten Ermittlungsaktion wurden insgesamt acht Personen festgenommen. S.V. und M.S. stehen im Verdacht des versuchten Mordes, des unerlaubten Waffenbesitzes sowie der Herbeiführung einer allgemeinen Gefahr. N.L., der 50-jährige Betreiber des Lokals in Senjak, sowie ein Kellner desselben Restaurants wurden wegen des Verdachts auf Beihilfe nach begangener Tat und Nichtanzeige einer Straftat in Gewahrsam genommen.
Festnahmen und Verdächtige
Darüber hinaus wurden drei Polizeibeamte festgenommen: B.M. (41), S.S. (33) und P.P. (47). Auch ihnen wird Beihilfe nach begangener Tat sowie die Nichtanzeige einer Straftat vorgeworfen. Ebenfalls auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen wurde D.V., die Ehefrau des Hauptverdächtigen S.V., die die Tatwaffe aus einem Versteck geholt und ihrem Mann übergeben haben soll.
Forensiker des Nationalen Zentrums für Kriminalforensik kehrten gemeinsam mit einem Staatsanwalt erneut in das Lokal zurück, um mit Luminol zu prüfen, ob Blutspuren im Restaurant nachträglich beseitigt worden sind. Aus Ermittlungskreisen verlautet, dass der Verdacht besteht, Nesovic sei getötet worden – seine Leiche wurde bislang jedoch nicht gefunden. Die Beweissicherung dauert an.
Für Nesovic war es nicht das erste Mal, dass er ins Visier von Kriminellen geriet: Bereits vor rund vier Monaten hatten Ermittler in Senjak einen schwedischen Staatsbürger und seine Komplizin aus Südafrika festgenommen, die im Verdacht stehen, von Mitgliedern des Vracar-Clans als Auftragskiller angeheuert worden zu sein.