Ein deutscher Lebensmittelriese setzt auf Serbien – mit Expansionsplänen, neuen Exportmärkten und einem klaren Strategiewechsel auf dem Balkan.
Der deutsche Lebensmittelkonzern Carl Kühne – einer der größten europäischen Hersteller von Essiggurken, Senf und Essig – will seine Aktivitäten in Serbien deutlich ausbauen. Serbiens Landwirtschaftsminister Dragan Glamocic empfing Unternehmensvertreter zu Gesprächen über konkrete Wachstumsperspektiven. Das Ministerium sicherte dabei seine Unterstützung zu – unter anderem durch ein beschleunigtes Verfahren bei der Vergabe befristeter Arbeitsvisa für Saisonkräfte, um dem saisonalen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft entgegenzuwirken.
Seinen Einstieg in den serbischen Markt vollzog Carl Kühne vor neun Jahren mit der Eröffnung eines Standorts in Sremska Mitrovica. Derzeit sind dort rund 25 Personen in Festanstellung tätig – während der Anbausaison steigt der Bedarf jedoch auf über 100 zusätzliche Arbeitskräfte. Minister Glamocic bestätigte, dass man sich auf eine Vereinfachung der Beschäftigungsverfahren für Saisonarbeiter geeinigt habe, um einen reibungslosen Produktionsablauf sicherzustellen.
Nach Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen kündigte er zudem einen Besuch der Produktionsflächen in Mandjelos an. Darüber hinaus prüft das Unternehmen, seine Wertschöpfung in Serbien durch zusätzliche Verarbeitungsschritte zu vertiefen.
Neue Exportmärkte
Ein weiterer Baustein der Expansionsstrategie ist die gezielte Nutzung bestehender Freihandelsabkommen, die Serbien mit China, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterhält. Diese könnten dem Unternehmen neue Exportmärkte erschließen und seine internationale Wettbewerbsposition stärken.
Rückzug aus Bosnien
Der Schritt nach Serbien folgt auf den Rückzug aus Bosnien und Herzegowina, den Carl Kühne Anfang Jänner 2024 vollzog. Nach mehreren Jahren rückläufiger Erntemengen und sinkender Wettbewerbsfähigkeit stellte das Unternehmen dort die Vertragsproduktion ein – eine Entscheidung, die intern als „schmerzhaft, aber notwendig“ bezeichnet wurde, um die Marktfähigkeit langfristig zu sichern. Die wegfallenden Rohstoffmengen sollen künftig über andere internationale Standorte kompensiert werden.
In Bosnien und Herzegowina hatte Carl Kühne seit 2015 eine Produktions- und Handelsniederlassung in Kozarska Dubica betrieben, wo 30 Mitarbeiter beschäftigt waren, ergänzt durch ein landesweites Lieferantennetzwerk. Das ursprüngliche Ziel, jährlich mehr als 2.500 Tonnen Essiggurken zu produzieren, wurde in den letzten Jahren zunehmend verfehlt. Nach dem Abzug des Unternehmens übernahmen lokale Agrargenossenschaften den Großteil der Produktion von den bisherigen Vertragslandwirten.
Carl Kühne wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegründet und zählt heute zu den renommiertesten Lebensmittelherstellern Europas.