Natürliches Tageslicht als wirksame Therapie bei Diabetes? Eine Schweizer Studie zeigt überraschende Effekte auf den Blutzuckerspiegel älterer Patienten.
Ältere Diabetiker profitieren deutlich von natürlichem Tageslicht – dies belegt eine aktuelle Studie, bei der 13 Freiwillige mit Typ-2-Diabetes über 65 Jahre unter kontrollierten Bedingungen untersucht wurden. Die Teilnehmer verbrachten jeweils viereinhalb Tage in speziell eingerichteten Räumlichkeiten, wobei eine Gruppe durch großflächige Fenster mit natürlichem Licht versorgt wurde, während die andere künstliche Beleuchtung erhielt. Nach einer Unterbrechung von mindestens vier Wochen wechselten die Probanden in die jeweils andere Umgebung. Sämtliche Lebensbedingungen – von der Ernährung über den Schlafrhythmus bis zur körperlichen Aktivität – wurden dabei von den Wissenschaftlern streng standardisiert.
Die in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen eindeutig: Bei Tageslichtexposition blieben die Blutzuckerwerte der Studienteilnehmer länger im Normalbereich und wiesen geringere Schwankungen auf. Zur Erklärung der beobachteten Veränderungen untersuchten die Forscher Blut- und Muskelproben der Probanden. Ihre Analysen ergaben, dass sowohl der zirkadiane Rhythmus als auch der Stoffwechsel durch natürliches Licht signifikant beeinflusst werden – ein Mechanismus, der die verbesserte Blutzuckerregulation erklären könnte.
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Moderne Lebensgewohnheiten
Die Universität Genf verweist im Zusammenhang mit dieser Untersuchung auf den besorgniserregenden Anstieg von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Diese Entwicklung wird mit zunehmend sitzenden Lebensgewohnheiten und einer gestörten inneren Uhr in Verbindung gebracht. Ein wesentlicher Faktor: Menschen halten sich heutzutage etwa 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen auf, wodurch sie nur begrenzt natürlichem Licht ausgesetzt sind.
Künstliche Beleuchtung weist jedoch eine deutlich niedrigere Intensität und ein eingeschränktes Wellenlängenspektrum auf, was die Synchronisation der biologischen Uhr nachweislich beeinträchtigt. In ihrer Mitteilung weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass es sich um eine erste kontrollierte Studie mit begrenzter Teilnehmerzahl und kurzer Dauer handelt. Als nächster Forschungsschritt sollen die Zusammenhänge unter realistischen Alltagsbedingungen über mehrere Wochen hinweg untersucht werden.
Architektur und Gesundheit
Die Studie hebt zudem den oft unterschätzten Einfluss architektonischer Gestaltung auf die Gesundheit hervor. An dem Forschungsprojekt waren neben Genfer Einrichtungen auch die Universität Maastricht in den Niederlanden sowie das Deutsche Diabetes-Zentrum beteiligt.