Während Taiwan vor Chinas Kriegsvorbereitungen warnt, spitzt sich der Konflikt um die Inselrepublik zu. Peking hält die militärische Option offen – mit potenziell globalen Folgen.
Ein hochrangiger taiwanesischer Politiker hat am Freitag in Washington vor aktiven Kriegsvorbereitungen Chinas gewarnt. Chiu Chui-cheng, Minister und Leiter des taiwanesischen Rates für Festlandangelegenheiten, betonte bei seinem Auftritt in der Heritage Foundation (US-Denkfabrik), dass die Kommunistische Partei Chinas nach wie vor die militärische Option gegen Taiwan offenhalte. Die Inselrepublik, die Peking als abtrünnige Provinz betrachtet, sehe sich zunehmenden militärischen Aktivitäten ausgesetzt.
Laut Chiu könnte eine gewaltsame Übernahme Taiwans weitreichende Folgen für die gesamte Region haben. „Eine militärische Eroberung Taiwans würde einen Dominoeffekt auslösen, das regionale Machtgleichgewicht erschüttern und die Sicherheit sowie den Wohlstand der Vereinigten Staaten unmittelbar gefährden“, warnte der Politiker. Er argumentierte, dass Chinas Streben nach einer „Wiedervereinigung“ letztlich darauf abziele, den amerikanischen Einfluss im asiatisch-pazifischen Raum zurückzudrängen und die USA als globale Führungsmacht abzulösen – alles im Dienste des „chinesischen Traums“ und der Wiederherstellung nationaler Größe.
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Intensivierte chinesische Militäraktivitäten
Chius Warnung erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlichen Eskalation der chinesischen Militärpräsenz rund um Taiwan. Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete das taiwanesische Verteidigungsministerium Rekordwerte bei chinesischen Überflügen der Medianlinie – der inoffiziellen Grenze zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße. Besonders auffällig ist die strategische Veränderung der chinesischen Taktik: Peking führt nun dauerhaft hochfrequente Militärpatrouillen durch, unabhängig von politischen Ereignissen oder traditionellen Ruhephasen. Diese neue Form der „Normalisierung“ militärischer Druckausübung umfasst auch vermehrte Langstreckenflüge und Drohneneinsätze zur vollständigen Umkreisung der Insel.
Strategische Bedeutung Taiwans
Die USA sind trotz fehlender formeller diplomatischer Beziehungen der wichtigste internationale Verbündete und Waffenlieferant Taiwans. Chiu hob die Bedeutung der amerikanischen Unterstützung unter Präsident Trump hervor und unterstrich Taiwans Schlüsselrolle in der globalen Halbleiterindustrie. „Eine Beeinträchtigung von Taiwans Position als weltweit führender Hersteller von Hochleistungs-Computerchips würde nicht nur die internationale Gemeinschaft, sondern besonders die USA und ihre Technologiebranche empfindlich treffen“, erklärte er.
Die Regierung in Taipeh weist Pekings Souveränitätsansprüche konsequent zurück und beharrt darauf, dass nur die Bevölkerung Taiwans selbst über ihre Zukunft entscheiden könne. Besuche hochrangiger taiwanesischer Regierungsvertreter in den USA sind vergleichsweise selten und werden protokollarisch deutlich zurückhaltender behandelt als die Besuche wichtiger US-Verbündeter.
Chinas Reaktion
Die chinesische Botschaft in Washington reagierte mit der Erklärung, Peking sei bereit, „mit größter Aufrichtigkeit und maximalen Anstrengungen auf eine friedliche Wiedervereinigung mit Taiwan hinzuarbeiten“. Botschaftssprecher Liu Pengyu fügte in einer schriftlichen Stellungnahme hinzu: „Gleichzeitig wird China alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die nationale Souveränität und territoriale Integrität zu verteidigen“.
Kurz vor Chius Rede hatte das chinesische Militär die Durchfahrt eines amerikanischen und eines britischen Kriegsschiffes durch die Taiwanstraße verurteilt.