Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Luftraumverletzung

Polen schießt erstmals russische Drohnen ab – NATO in Alarmbereitschaft

Polen schießt erstmals russische Drohnen ab – NATO in Alarmbereitschaft
(Foto: iStockphoto)
3 Min. Lesezeit |

Erstmals schießt Polen russische Drohnen im eigenen Luftraum ab. Der nächtliche Vorfall führte zu Flughafensperrungen und markiert eine neue Eskalationsstufe an der NATO-Ostgrenze.

Polen hat zum ersten Mal Drohnen im eigenen Luftraum abgeschossen, die während eines russischen Angriffs auf die Ukraine eindrangen. In der Nacht zum Mittwoch verletzte eine erhebliche Anzahl unbemannter Flugobjekte den polnischen Luftraum. Während das Oberkommando der polnischen Streitkräfte von „mehr als einem Dutzend“ Drohnen sprach, bezifferte die NATO die Zahl der erfassten Objekte auf über zehn. Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bestätigte, dass Kampfflugzeuge der polnischen Luftwaffe ihre Waffensysteme gegen die eindringenden Objekte einsetzten und mehrere Drohnen neutralisierten.

Der Vorfall führte zur vorübergehenden Schließung von vier Flughäfen, darunter der internationale Flughafen Warschau-Chopin sowie die regionalen Flughäfen in Lublin und Rzeszów. Mittlerweile wurde der reguläre Flugbetrieb wieder aufgenommen. Parallel dazu wurden die Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt und eine systematische Suche nach Trümmerteilen der abgeschossenen Drohnen eingeleitet.

Bei früheren russischen Luftangriffen gegen die Ukraine hatte Polen lediglich Abfangjäger zur Luftraumüberwachung eingesetzt. Die aktuelle Situation stellt insofern eine Zäsur dar, als nun erstmals tatsächlich feindliche Flugobjekte abgeschossen wurden. In den vergangenen Wochen häuften sich Zwischenfälle mit nicht identifizierten Flugobjekten im polnischen Luftraum.

Vorherige Vorfälle

Erst am Montag entdeckten Sicherheitskräfte Trümmerteile einer Drohne nahe der Grenze zu Belarus. Das Flugobjekt trug kyrillische Beschriftungen und war nicht mit Sprengstoff bestückt.

Bereits im August kam es zu einer Drohnenexplosion nahe der Ortschaft Osiny. Das Verteidigungsministerium in Warschau identifizierte das Objekt als russische Militärdrohne und warf Moskau gezielte Provokation vor. Der folgenschwerste Vorfall ereignete sich im November 2022, als eine fehlgeleitete ukrainische Flugabwehrrakete im Dorf Przewodów einschlug und zwei Menschen tötete.

Der jüngste Vorfall wird von Sicherheitsexperten als präzedenzlos eingestuft und als aggressiver Akt bewertet, der eine konkrete Gefährdung für die Bevölkerung darstellte. Mit dem Abschuss wollte Polen offenbar ein unmissverständliches Signal setzen. Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz betonte die Rechtmäßigkeit der Maßnahme und verwies darauf, dass Polen im engen Kontakt mit der NATO stehe und die Luftraumverteidigungsmaßnahmen in Abstimmung mit den Bündnispartnern erfolgten.

Sicherheitslage NATO

Die Sicherheitslage in Polen wird zusätzlich durch das bevorstehende russisch-belarussische Militärmanöver „Sapad-2025“ verschärft. Der Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr, Carsten Breuer, rechnet mit etwa 13.000 Soldaten in Belarus und weiteren 30.000 Militärangehörigen auf russischem Territorium. Als Vorsichtsmaßnahme erwägt Polen eine temporäre Schließung seiner Grenze zu Belarus, um potenzielle Provokationen zu unterbinden.

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 befürchten Polen und die baltischen NATO-Staaten eine Ausweitung des Konflikts. Die ungewöhnlich hohe Anzahl an Drohnen deutet auf eine Verschärfung der Lage an der NATO-Außengrenze hin. Militärexperten der europäischen NATO-Partner vermuten, dass Russland mit dieser Aktion die Reaktionsfähigkeit des Verteidigungsbündnisses testen möchte.

Derzeit wird der polnische Luftraum durch niederländische F-35-Tarnkappenjets, deutsche Eurofighter sowie Patriot-Luftverteidigungssysteme geschützt. Polen könnte nun ein Konsultationsverfahren nach Artikel 4 des NATO-Vertrags einleiten, der Beratungen vorsieht, wenn sich ein Bündnispartner in seiner Sicherheit bedroht sieht.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen