Mitten in einer laufenden Operation trifft ein Erdbeben Japan – zwei Chirurgen lassen den Patienten nicht los.
Ein Video, aufgenommen am 28. Juli, zeigt Szenen, die sich ins Gedächtnis brennen: Der Operationssaal eines japanischen Krankenhauses schwankt heftig, Teile des medizinischen Teams werden durch den Raum geschleudert, die Beleuchtung flackert. Zwei Chirurgen klammern sich während der gesamten Erschütterung an den Operationstisch – ihr einziges Ziel: den Patienten zu schützen.
Ein Teammitglied stürzte zu Boden, als es versuchte, wegrutschendes Equipment zu sichern. Die übrigen kämpften um ihr Gleichgewicht. Als die Erdstöße abklangen, setzten die Ärzte die Operation fort – und brachten sie erfolgreich zu Ende. Am 5. August nahm die Klinik ihren regulären Betrieb wieder auf.
Verwüstung auf Kyushu
Das Erdbeben hatte am Nachmittag des 28. Juli den Süden der japanischen Insel Kyushu getroffen. Das Beben hatte eine Magnitude von 7,1 und sein Epizentrum lag in der Region Kumamoto in etwa zehn Kilometern Tiefe. Nach dem Erdbeben wurde auf Kyushu eine Tsunami-Warnung für Kumamoto und angrenzende Regionen ausgegeben. 38 Menschen kamen ums Leben, mehr als 120 wurden verletzt. Laut den Behörden der Präfektur Kumamoto löste das Beben eine Explosion in einem Einkaufszentrum aus und brachte einen Fabrikschornstein zum Einsturz.
Zahlreiche Gebäude stürzten ein, Tausende Haushalte verloren den Strom, Straßen in der gesamten Region wurden aufgerissen. Mindestens 79.000 Menschen hatten tagelang kein fließendes Wasser, während 3.500 Haushalte bei Temperaturen von bis zu 35 Grad im Dunkeln blieben. Rund 9.000 evakuierte Bewohnerinnen und Bewohner fanden in Notunterkünften Zuflucht. Die Erschütterungen waren bis nach Südkorea spürbar.
Schwere Schäden
Beim Einsturz des Einkaufszentrums Aeon in Kashima kamen mindestens sieben Menschen ums Leben. Besonders schwer traf es auch Hikawa: Mehr als 800 der rund 4.500 Häuser wurden dort zerstört oder beschädigt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner, die ihr Zuhause verloren hatten, verbrachten die Nächte in ihren Autos auf städtischen Parkplätzen.