Während Alkoholexzesse bei Jugendlichen leicht zurückgehen, steigt der Konsum von Cannabis und Kokain in Oberösterreich dramatisch an. Die Kliniken schlagen Alarm.
Die Zahl der Jugendlichen, die aufgrund von Drogenmissbrauch in Oberösterreichs Kliniken behandelt werden müssen, gibt Anlass zur Sorge. Eine aktuelle Studie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Linz zeigt beunruhigende Trends. Der 29-jährige Medizinstudent Marco Breiteneder untersuchte für seine Masterarbeit die Daten von 1279 Patienten zwischen zwölf und 18 Jahren, die von 2019 bis 2023 wegen Vergiftungserscheinungen medizinisch versorgt werden mussten. Das Durchschnittsalter der betroffenen Jugendlichen lag bei 16 Jahren. „Ich hab es erschreckend gefunden, wie stark der Suchtgiftmissbrauch bei uns ist. Das gilt auch für den Alkohol“, fasst Breiteneder seine Erkenntnisse zusammen.
Ein besonders drastischer Fall: Eine Jugendliche musste innerhalb von nur drei Jahren 79-mal stationär aufgenommen werden – davon 60-mal aufgrund von Mischintoxikationen durch verschiedene Substanzen. Während die Fälle von übermäßigem Alkoholkonsum leicht zurückgehen, verzeichnen die Kliniken einen deutlichen Anstieg bei Cannabis und Kokain. Das einst medial stark beachtete „Komasaufen“ ist zwar etwas rückläufig, doch das grundlegende Problem des Substanzmissbrauchs unter Jugendlichen besteht weiterhin.
Veränderte Konsummuster
Die Untersuchungsergebnisse offenbaren eine Veränderung im Konsumverhalten. „Unsere Analyse zeigt deutliche Verschiebungen im Muster der nachgewiesenen Substanzen“, erläutert Breiteneder. „Während Alkohol weiterhin am häufigsten festgestellt wird, nahmen insbesondere Cannabis- und Kokainnachweise zu. Auffällig ist zudem der hohe Anteil an Mischkonsummustern.“ Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholvergiftungen ging leicht zurück – 2023 wurden 88 Jugendliche wegen akuter Alkoholintoxikation behandelt.
Etwa zwei Drittel dieser Vorfälle ereigneten sich an Wochenenden. Obwohl Mädchen häufiger betroffen waren, wiesen männliche Patienten schwerere Verläufe mit höheren Blutalkoholwerten auf und benötigten öfter intensivmedizinische Betreuung.
Der Konsum von Kokain nimmt besorgniserregend zu und entwickelt sich zunehmend zu einer weit verbreiteten Droge. In 92 Prozent der Fälle wurde Kokain im Rahmen von Mischkonsum nachgewiesen, vorwiegend in Kombination mit Cannabis. Die Anzahl positiver Cannabistests stieg zwischen 2020 und 2023 kontinuierlich an – allein im Jahr 2023 wurden 166 Nachweise dokumentiert.
Alarmierende Mehrfachfälle
Besonders alarmierend ist die Häufung von Mehrfachbehandlungen bei einigen jungen Patienten. Neben dem bereits erwähnten Fall eines Mädchens mit 79 stationären Aufnahmen musste eine weitere Jugendliche 35-mal behandelt werden, zwei weitere jeweils zehnmal.
Der Leiter der Kinderklinik, Wolfgang Högler, betont die Tragweite des Problems: „Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs.“ Er unterstreicht, dass jeder einzelne Fall als Hilferuf verstanden werden sollte. In einer Gesellschaft, die zunehmend auf Selbstoptimierung ausgerichtet ist, entwickelt sich Suchtverhalten zu einem wachsenden Problem.
Erwachsene leben oft selbst problematische Verhaltensmuster vor – sei es durch ständige Handynutzung, übertriebenen Sportehrgeiz oder den regelmäßigen Konsum von Medikamenten und Alkohol als Alltagsbewältigungsstrategie. Die kritische Selbstreflexion wird häufig vermieden und durch oberflächliche Selbstdarstellung ersetzt.
Trotz seiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema plant Breiteneder nicht, sich auf Suchterkrankungen zu spezialisieren.
Sein berufliches Ziel liegt in der Allgemeinmedizin.