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Drogenbericht

Drogenflut in Österreich: „Mehr als eine Milliarde Euro“ – BKA-Chef fordert schärfere Überwachung

Drogenflut in Österreich: „Mehr als eine Milliarde Euro“ – BKA-Chef fordert schärfere Überwachung
FOTO: BKA/monticelllo
3 Min. Lesezeit |

Die Suchtmittelkriminalität in Österreich verzeichnet im laufenden Jahr einen deutlichen Anstieg. Mit 37.310 Anzeigen bewegt sich die Zahl zwar nicht auf einem historischen Höchststand, liegt aber dennoch auf einem besorgniserregend hohen Niveau, wie Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer am Donnerstag bei der Präsentation des aktuellen Lageberichts erläuterte.

Besonders auffällig sei die Zunahme sowohl bei Verbrechenstatbeständen als auch bei Vergehen, wobei letztere um mehr als fünf Prozent zulegten. Insgesamt macht der Bereich der Suchtmittelkriminalität etwa sieben Prozent der gesamten erfassten Straftaten in Österreich aus.

Der Bericht des Bundeskriminalamts zeichnet das Bild eines Drogenmarktes im Wandel. Die Entwicklung geht verstärkt in Richtung synthetischer Substanzen, während gleichzeitig digitale Vertriebswege und internationale Organisationsstrukturen an Bedeutung gewinnen. Als besondere Herausforderungen für die Ermittlungsbehörden wurden neuartige chemische Substanzen, eine zunehmende Gewaltbereitschaft in der Drogenszene sowie die Vermischung mit anderen Kriminalitätsformen identifiziert.

Beschlagnahmte Mengen

Bei den sichergestellten Mengen zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Beschlagnahmungen von Cannabis mit 2,5 Tonnen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr liegen, verzeichnet Kokain einen markanten Anstieg. Die Sicherstellungsmenge erhöhte sich um 68,4 Prozent auf 259 Kilogramm. Holzer relativierte diese Zahl jedoch mit dem Hinweis auf eine umfangreiche Einzelsicherstellung, die das Gesamtbild beeinflusst habe. Der deutliche Rückgang bei Heroin sei hingegen auf die verringerte Opiumproduktion infolge des Machtwechsels in Afghanistan zurückzuführen.

Daniel Lichtenegger, Leiter des Büros für Suchtmittelkriminalität im Bundeskriminalamt und Drogenkoordinator im Innenministerium, wies darauf hin, dass die durch den Produktionsrückgang in Afghanistan entstandene Lücke auf dem Heroinmarkt bislang nicht geschlossen wurde. „Es gibt derzeit keinen großen Lieferanten“, erklärte Lichtenegger auf Nachfrage und ergänzte: „Das geht auch gar nicht, weil die Anbauflächen gar nicht vorhanden sind.“ Die Behörden beobachten die Marktentwicklung in Europa mit besonderer Aufmerksamkeit, vor allem angesichts der anhaltenden Problematik synthetischer Opioide.

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Lichtenegger bezifferte die Zahl der Risikoabhängigen im Bereich Heroin beziehungsweise Opioide in Österreich auf 30.000 bis 50.000 Personen. Daneben spielen weitere synthetische Substanzen wie Methamphetamin und Amphetamin weiterhin eine signifikante Rolle im Drogenmarkt.

Digitaler Handel

Analysen von Abwasserproben deuten zudem darauf hin, dass der tatsächliche Konsum von Suchtmitteln in Österreich die bisherigen Schätzungen übersteigt. Experten beziffern den Umsatz auf dem illegalen Drogenmarkt in Österreich auf mehr als eine Milliarde Euro.

Der Handel über verschlüsselte Messenger-Dienste, das Darknet (versteckter Teil des Internets, der nur mit spezieller Software zugänglich ist) und mit Kryptowährungen nimmt kontinuierlich zu. In diesem Zusammenhang erneuerte Holzer seine Forderung nach erweiterten technischen Möglichkeiten für die Kriminalpolizei.

„Es reicht nicht aus, dass wir jetzt endlich beim Terrorismus ein Auge aufgemacht haben“, kritisierte er mit Blick auf die kürzlich erzielte Einigung der Regierung zur Überwachung von Messengerdiensten im Bereich des Staatsschutzes.

Die zunehmende Digitalisierung des Drogenhandels stellt die Strafverfolgungsbehörden vor erhebliche Herausforderungen. Verschlüsselte Kommunikation und anonyme Zahlungsmethoden erschweren die Rückverfolgung von Transaktionen und die Identifikation der Täter maßgeblich. Dem aktuellen Bericht des Sozialministeriums zufolge führt die digitale Verlagerung des Drogenmarktes zu einem niederschwelligeren Zugang für Jugendliche und junge Erwachsene, wodurch klassische Präventionsansätze zunehmend an ihre Grenzen stoßen.

Suchthilfe-Organisationen fordern daher verstärkte digitale Aufklärungskampagnen und eine Anpassung der Präventionsarbeit an die neuen Vertriebswege. Parallel dazu drängen Ermittlungsbehörden auf erweiterte Befugnisse, um mit der technologischen Entwicklung Schritt halten zu können – ein Bereich, in dem datenschutzrechtliche Bedenken und Strafverfolgungsinteressen aufeinandertreffen.

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KO KOSMO-Redaktion
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