Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Wassermangel

Eine Milliarde Liter für private Pools: SPÖ plant Wasser-Strafgebühren

Eine Milliarde Liter für private Pools: SPÖ plant Wasser-Strafgebühren
Symbolfoto. FOTO: iStock/Vitalina Nakonechna
3 Min. Lesezeit |

Der private Pool-Boom in Österreich führt zu Wassermangel in manchen Gemeinden. Nun reagiert die Politik mit Plänen für gestaffelte Gebühren und strengere Regeln.

In Österreich hat sich die Zahl privater Schwimmbecken auf über 250.000 erhöht – ein Trend, der besonders während der Corona-Pandemie an Fahrt aufnahm. Diese Entwicklung führt mittlerweile zu ernsthaften Versorgungsengpässen: In manchen Gemeinden reichten die Wasserreserven nach dem gleichzeitigen Befüllen zahlreicher Pools nicht mehr aus, um abends noch eine Dusche zu ermöglichen.

Die steirische Landesregierung hat auf diese Problematik reagiert und sucht nach Lösungsansätzen. Eine der diskutierten Optionen sieht höhere Wassergebühren für Poolbesitzer vor. Laut ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom laufen dazu bereits Abstimmungsgespräche mit den regionalen Wasserverbänden. Die Landesregierung empfiehlt zudem, Poolbefüllungen vorab mit dem Wasserversorger abzusprechen und Stoßzeiten zwischen 16 und 20 Uhr zu vermeiden.

Auch Kärnten steht vor Herausforderungen durch den steigenden Wasserverbrauch. Die rund 30.000 privaten Pools im südlichsten Bundesland verbrauchen jährlich etwa eine Milliarde Liter Wasser. Obwohl in den meisten Kärntner Gemeinden bereits eine Anmeldepflicht für Poolbefüllungen besteht und teilweise festgelegte Befüllzeiten gelten, reichen diese Maßnahmen offenbar nicht mehr aus, wie die Kleine Zeitung berichtet.

Wasser-Fair-System

Der Kärntner Wasserwirtschaftsreferent und Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) plädiert für ein „Wasser-Fair-System“. Dieses Modell würde niedrige Gebühren für den menschlichen Grundbedarf vorsehen, während überdurchschnittlicher Verbrauch deutlich teurer käme. Die Umsetzung soll auf kommunaler Ebene erfolgen, wobei die Tarife je nach lokaler Netzbelastung und Pooldichte variieren können. Das Land bietet den Gemeinden dabei Unterstützung bei der Tarifkalkulation an.

Rechtliche Grenzen

Juristin Tina Ehrke-Rabel weist in der Kleinen Zeitung auf rechtliche Grenzen hin: Gemeinden müssten das Äquivalenzprinzip (Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zwischen Gebühren und tatsächlichen Kosten) beachten, wonach „die Gebühren nicht wesentlich höher ausfallen dürfen als die Kosten, die durch die Wasserversorgung entstehen“. Eine Gebührenerhöhung zur Sicherung der Wasserversorgung sei rechtlich vertretbar.

Unzulässig wäre hingegen, generell höhere Wassergebühren allein aufgrund des Poolbesitzes zu erheben.

Als alternative Lösung käme auch ein Stufenmodell in Betracht, bei dem die Gebühr pro Kubikmeter ab einem bestimmten Gesamtverbrauch ansteigt.

Diese Regelung würde nicht nur Poolbesitzer betreffen, sondern auch Haushalte, die größere Mengen Leitungswasser zur Gartenbewässerung nutzen.

Erheblicher Mehrverbrauch durch Pools

Die Dimension des Problems wird anhand konkreter Zahlen deutlich: Private Schwimmbecken erhöhen den Wasserverbrauch pro Person und Tag um 23 bis 37 Liter im Durchschnitt. Bei größeren Pools, wie sie vor allem bei Einfamilienhäusern üblich sind, kann der Mehrverbrauch auf etwa 100 Liter täglich pro Haushalt ansteigen.

Besonders problematisch ist die Erstbefüllung: Ein Standardpool mit den Maßen acht mal vier Meter benötigt rund 45.000 Liter Trinkwasser. Wenn mehrere Pools in einer Gemeinde gleichzeitig befüllt werden, führt dies zu extremen Verbrauchsspitzen, die lokale Wassernetze an ihre Grenzen bringen. In einigen Gemeinden kam es bereits zu Situationen, in denen Haushalten zeitweise kein Wasser mehr zum Duschen zur Verfügung stand.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen