Er segnete Prominente, öffnete den Dom für Kunst und eckte in der Kirche an. Toni Fabers Abgang markiert das Ende einer ungewöhnlichen Ära.
Nach fast drei Jahrzehnten als Dompfarrer von St. Stephan tritt Toni Faber den Ruhestand an – und hinterlässt damit eine Lücke, die in der österreichischen Kirchenlandschaft so schnell niemand füllen wird. Am 31. August 2025 endet offiziell seine Amtszeit, sein Nachfolger wird der bisherige Stephansdom-Kooperator und Domkurat Jürgen Schmidt. Kaum ein anderer katholischer Geistlicher des Landes hat das öffentliche Bild der Kirche derart nachhaltig geprägt wie er. Die Einschätzungen über sein Wirken gehen dabei weit auseinander: Während ihm konservative Stimmen vorwarfen, allzu sehr die Nähe zur Wiener Schickeria gesucht zu haben, erlebten ihn andere als einen Seelsorger, der die Kirche nahbarer und zeitgemäßer machte.
Mit seinem bevorstehenden Abgang geht eine Ära zu Ende, die die katholische Kirche in Österreich über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Die Reaktionen auf seinen Abschied spiegeln wider, wie unterschiedlich Faber bis zuletzt wahrgenommen wurde. Kritiker hielten ihm vor, kirchliche Grundsätze in Frage gestellt und einen Lebensstil gepflegt zu haben, der mit dem Bild eines einfachen Priesters kaum vereinbar sei. Seine Anhänger hingegen hoben seine Menschlichkeit und seine Qualitäten als Seelsorger hervor.
Fabers umstrittenes Erbe
Fabers regelmäßige Präsenz bei gesellschaftlichen Ereignissen und das Segnen prominenter Persönlichkeiten brachten ihm früh das Etikett des „Society-Priesters“ ein – ein Ruf, der bei streng gläubigen Katholiken auf wenig Gegenliebe stieß. Auch sein unverblümter Umgang mit dem eigenen Privatleben gab immer wieder Anlass zur Diskussion. Berichte über seine Wohnung im Curhaus oder Äußerungen über alltägliche Erlebnisse beim Einkaufen wurden ihm als Zeichen von Weltfremdheit ausgelegt. Hinzu kamen Berichte über seine Beziehungen zu Frauen, die sowohl in der Boulevardpresse als auch in kirchlichen Kreisen für Gesprächsstoff sorgten. Rückblickend räumte Faber selbst ein, dass manche seiner öffentlichen Auftritte ein Fehler gewesen seien.
In kirchenpolitischen Fragen bezog Faber wiederholt Positionen, die sich spürbar vom konservativen Kurs des Vatikans unterschieden. Den verpflichtenden Zölibat bezeichnete er als „dehnbare“ Regelung und sprach sich öffentlich dagegen aus. Ebenso unterstützte er die Forderung nach dem Zugang von Frauen zum Priesteramt. Besonders deutlich wurde seine Haltung beim Thema Homosexualität: Faber kündigte an, gleichgeschlechtliche Paare weiterhin segnen zu wollen – und wurde damit für viele Gläubige zum Sinnbild einer offeneren, liberaleren Kirche.
Auch kulturell hinterließ Faber sichtbare Spuren. Unter seiner Verantwortung öffnete sich der Stephansdom für zeitgenössische Kunstinterventionen, darunter Arbeiten von Erwin Wurm, Arnulf Rainer und Gottfried Helnwein. Nicht alle Projekte verliefen reibungslos: Ein geplantes Altartuch von Helnwein, das neben dem Turiner Grabtuch auch ein verletztes Kind zeigen sollte, wurde wieder entfernt. Für Aufsehen sorgte zudem die beleuchtete Himmelsleiter der Künstlerin Billi Thanner am Südturm des Doms. Faber betrachtete den Stephansdom stets als mehr als nur einen sakralen Ort – für ihn war er auch ein Raum für gesellschaftliche und kulturelle Auseinandersetzungen.
Prägender Lebensweg
Toni Faber wurde 1962 in Wien geboren und wuchs gemeinsam mit drei Geschwistern bei seiner alleinerziehenden Mutter in bescheidenen Verhältnissen auf. Eine schwere Nierenerkrankung, die ihn als Jugendlichen an den Rand des Todes brachte, beeinflusste maßgeblich seinen Entschluss, Priester zu werden. Innerhalb der Kirche verlief seine Karriere zügig: 1999 wurde er zum Dompfarrer von St. Stephan ernannt und übernahm zugleich das Amt des Dechants im Wien-Innere Stadt. Mit Kardinal Christoph Schönborn pflegte er ein gutes Verhältnis, wenngleich er den damaligen Wiener Erzbischof intern als zu zögerlich wahrnahm.
Unter dem neuen Wiener Erzbischof Josef Grünwidl wurde Fabers öffentliches Auftreten zunehmend kritisch betrachtet – insbesondere seine gemeinsamen Auftritte mit einer Vertrauten sorgten intern für Unbehagen. Im Interview mit der Tiroler Tageszeitung erklärte Grünwidl, Faber habe beim Zölibat „eine Lösung gefunden, mit der ich mich schwertue. Wir sind im Gespräch, um eine Lösung zu finden.“
Offiziell tritt Faber nun den Ruhestand an, doch ein vollständiger Rückzug aus dem öffentlichen Leben gilt als wenig wahrscheinlich.