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Neue Regelungen

Engpässe bei Medikamenten: EU präsentiert Maßnahmenpaket

Engpässe bei Medikamenten: EU präsentiert Maßnahmenpaket
FOTO: iStock/Aliaksandr Zadoryn
3 Min. Lesezeit |

80 bis 90 Prozent der Medikamente in Europa kommen aus Asien – die EU zieht jetzt die Konsequenzen.

EU-Verhandlungsführer haben sich in Brüssel auf ein neues Regelwerk geeinigt, das Versorgungsengpässen bei unverzichtbaren Medikamenten entgegenwirken soll. Künftig sollen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in Europa produzierte Arzneimittel den Vorzug erhalten, um die Stabilität der Lieferketten zu gewährleisten. Das Maßnahmenpaket zielt darauf ab, die Abhängigkeit von Herstellern außerhalb Europas zu reduzieren und die Förderung strategisch wichtiger Projekte zu beschleunigen.

Nach langen Verhandlungen haben sich Vertreter des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedstaaten in Brüssel auf Regelungen verständigt, die es erleichtern sollen, die Arzneimittelproduktion mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen. Ziel ist es, Europa unabhängiger von einzelnen Lieferanten und von Produktionsstandorten außerhalb des Kontinents zu machen.

Neue Vergaberegeln

Ein zentrales Element des neuen Regelwerks betrifft die öffentliche Auftragsvergabe. Bei wichtigen Arzneimitteln, bei denen eine starke Abhängigkeit von einem oder wenigen Ländern besteht, sollen in Europa hergestellte Präparate grundsätzlich bevorzugt berücksichtigt werden, um Anreize für verlässliche Lieferketten zu setzen. Die vorläufige Einigung sieht dafür verschiedene Instrumente vor. „Dazu gehört, dass Lieferanten proportional zu dem Anteil der in der EU hergestellten Arzneimittel und deren pharmazeutischer Wirkstoffe vergütet werden“, teilte das Parlament mit.

In den vergangenen Jahren waren bestimmte Medikamente in europäischen Apotheken zeitweise nicht erhältlich – darunter Schmerzmittel, Antibiotika sowie Fiebersäfte für Kinder. „Die Patienten sollten sich keine Sorgen darüber machen müssen, ob wichtige Arzneimittel wie Antibiotika in ihrer Apotheke oder ihrem Krankenhaus verfügbar sind“, erklärte der zyprische Gesundheitsminister Neophytos Charalambides, dessen Land derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat.

Darüber hinaus sollen sogenannte strategische Projekte künftig rascher genehmigt und schneller mit Fördermitteln ausgestattet werden. Mehrere Mitgliedstaaten sollen zudem die Möglichkeit erhalten, sich zusammenzuschließen und gemeinsam wichtige Medikamente zu beschaffen – unter anderem solche für seltene Erkrankungen, bei denen der Markt nach Einschätzung der Kommission andernfalls versagt.

Kritische Arzneimittel

Als kritische Arzneimittel bezeichnet die EU-Kommission Medikamente, „bei denen es nur wenige oder gar keine Alternativen gibt und bei denen die Patientinnen und Patienten durch Versorgungsengpässe ernsthaft geschädigt würden“. Dazu zählen unter anderem Antibiotika und Antithrombotika, Krebstherapeutika sowie Herz-Kreislauf-Mittel, die in einer eigens erstellten Liste erfasst sind.

Den Anstoß für die neuen Regelungen hatte die EU-Kommission im März 2025 gegeben. Als Ursachen für die Versorgungsprobleme der vergangenen Jahre nennt die Kommission unter anderem Engpässe bei Wirkstoffen sowie die Konzentration der Produktion auf wenige Länder. Die Corona-Pandemie habe die bestehenden Schwachstellen in den Lieferketten deutlich sichtbar gemacht.

Angaben von EU-Gesundheitsministern aus dem Vorjahr zufolge stammen zwischen 80 und 90 Prozent der in Europa verwendeten Medikamente aus Asien, vorwiegend aus China. Gleichzeitig sind im europäischen Arzneimittelsektor laut Kommission rund 800.000 Menschen beschäftigt.

Bevor die neuen Regelungen rechtskräftig werden, müssen sie noch formell vom Europaparlament und den EU-Mitgliedstaaten bestätigt werden.

Dieser Schritt gilt nach einer Einigung auf Verhandlungsebene üblicherweise als reine Formsache.

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KO KOSMO-Redaktion
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