Australien bestätigt erstmals ein durch H5N1 verursachtes Massensterben unter wildlebenden Seevögeln – und die Behörden rechnen mit einer weiteren Ausbreitung des Virus.
Zum ersten Mal hat Australien ein Massensterben wildlebender Seevögel im Zusammenhang mit der hochpathogenen Vogelgrippe H5N1 bestätigt. Betroffen ist eine Kolonie von Eilseeschwalben vor der Küste des Bundesstaates South Australia.
Landwirtschaftsministerin Julie Collins warnte, dass sich die Bevölkerung auf eine weitere Ausbreitung und eine größere Zahl betroffener Wildtiere einstellen müsse. Sobald sich die H5-Vogelgrippe in Wildtierbeständen und in der natürlichen Umwelt ausbreite, ließen sich erhebliche Verluste nicht mehr verhindern.
49 tote und 35 erkrankte Seevögel
Das Massensterben wurde auf den Baudin Rocks vor Cape Jaffa entdeckt, rund 250 Kilometer südöstlich von Adelaide. Bei einer Kontrolle aus der Luft zählten die Behörden 49 tote und 35 weitere erkrankte Eilseeschwalben.
Laboruntersuchungen von Proben aus dem betroffenen Bestand bestätigten anschließend eine Infektion mit H5N1. Es handelt sich damit um das erste offiziell bestätigte Massensterben australischer Seevögel durch die derzeit weltweit zirkulierende Variante des Virus.
Australien verzeichnete mit Stand Montagnachmittag insgesamt 78 bestätigte H5-Nachweise bei wildlebenden Seevögeln. Davon entfielen 58 auf South Australia, zehn auf Western Australia, sieben auf Victoria, zwei auf New South Wales und einer auf Queensland.
Virus breitet sich über mehrere Bundesstaaten aus
Der deutliche Anstieg der Nachweise zeigt, dass das Virus inzwischen nicht mehr nur vereinzelt bei aus anderen Regionen eingewanderten Seevögeln auftritt. Ende Juli bestätigten die Behörden erstmals eine Übertragung innerhalb der heimischen australischen Vogelpopulation.
Besonders betroffen sind bislang Eilseeschwalben. Nachweise gab es jedoch auch bei anderen Seevögeln, darunter Riesensturmvögel und Silbermöwen. Die Behörden rechnen damit, dass in den kommenden Wochen weitere erkrankte oder verendete Tiere entdeckt werden.
In australischen Geflügelbetrieben und in der übrigen Landwirtschaft wurde das Virus bislang nicht nachgewiesen. Die zuständigen Behörden und Betriebe haben ihre Überwachung und die risikobasierten Biosicherheitsmaßnahmen dennoch verschärft. Dazu gehören unter anderem strengere Zugangskontrollen und Maßnahmen, die den Kontakt zwischen Nutzgeflügel und Wildvögeln möglichst verhindern sollen.
Weltweit massive Verluste
Die hochpathogene H5N1-Variante hat sich seit 2020 weltweit unter Wildvögeln, Nutzgeflügel und verschiedenen Säugetierarten ausgebreitet. In den vergangenen Jahren kamen dadurch weltweit Hunderte Millionen Vögel und Säugetiere ums Leben.
In den Vereinigten Staaten wurde das Virus auch in Milchkuhbeständen nachgewiesen. In mehreren Ländern kam es zudem zu großen Massensterben von Seevögeln und Meeressäugern. An manchen Küsten wurden Tausende tote Vögel, Robben und andere Tiere angeschwemmt.
Eine Übertragung auf Menschen ist grundsätzlich möglich, insbesondere bei engem und ungeschütztem Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen. Weltweit wurden bislang jedoch nur vergleichsweise wenige Infektionen mit der aktuell zirkulierenden Variante registriert. In Australien wurde bisher keine menschliche Infektion mit jener H5N1-Variante festgestellt, die seit Juni 2026 bei den Seevögeln nachgewiesen wird.
Das Risiko für die breite Bevölkerung wird von den australischen Gesundheitsbehörden weiterhin als gering eingestuft. Kranke oder tote Wildvögel dürfen dennoch keinesfalls berührt werden. Wer mehrere erkrankte oder verendete Tiere entdeckt, soll Abstand halten, den Fundort dokumentieren und die zuständigen Behörden verständigen.