Mit falschen Polizeiausweisen und perfider Masche erbeuteten vier Männer Millionenwerte von Seniorinnen. Nun stehen die Urteile fest – doch das Geld ist weg.
Am Landesgericht für Strafsachen Wien wurden am Freitag vier Männer verurteilt, die sich als Polizisten ausgegeben hatten, um ältere Frauen zu betrügen. Die Täter im Alter zwischen 22 und 36 Jahren erhielten mehrjährige Haftstrafen für insgesamt zehn Betrugsfälle, die sie zwischen Ende 2023 und Anfang 2024 begangen hatten. Bei einer Seniorin erbeuteten sie besonders viel: Wertsachen und Bargeld im Gesamtwert von 1,2 Millionen Euro, darunter eine einzelne Bargeldübergabe von 589.000 Euro.
Der Hauptangeklagte, der die anderen Täter rekrutiert hatte, wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Zwei seiner Komplizen erhielten Strafen von drei Jahren beziehungsweise ebenfalls drei Jahren und neun Monaten. Der vierte Beteiligte kam mit einer teilbedingten Strafe von 16 Monaten davon, wovon er nur einen Monat tatsächlich absitzen muss, da ihm eine untergeordnete Rolle zugeschrieben wurde. Keines der Urteile ist bislang rechtskräftig.
Obwohl für den Prozess ursprünglich zwei Verhandlungstage angesetzt waren, konnte das Verfahren bereits am ersten Tag abgeschlossen werden, da alle Angeklagten umfassende Geständnisse ablegten und auf Zeugenaussagen verzichtet wurde. Die Verurteilten fungierten als Fahrer, Abholer und Aufpasser und standen somit in direktem Kontakt mit den Opfern.
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Internationale Verbindungen
Ihre Verteidiger, die Anwälte Philipp Winkler, Manfred Arbacher-Stöger, Rudolf Mayer und Heinrich Sebastian Lang, argumentierten, dass ihre Mandanten lediglich die unterste Ebene einer größeren Organisation bildeten, deren Drahtzieher in der Türkei säßen. Der Vertreter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft widersprach dieser Darstellung teilweise: „Als kleines Rädchen würde ich sie nicht bezeichnen.“
Er betonte die Schwere der Taten, die er als „böse und verwerflich“ einstufte, und verwies darauf, dass diese Tätergruppierung in Österreich bereits einen Gesamtschaden von 22 Millionen Euro verursacht habe. Die Betrüger hatten es gezielt auf ältere Menschen abgesehen – in diesem Fall ausschließlich Frauen über 80 Jahre.
Die Masche lief stets nach demselben Muster ab: Die Seniorinnen erhielten Anrufe von angeblichen Polizeibeamten, die behaupteten, das Vermögen der Frauen sei in Gefahr. Anschließend kündigten sie das Erscheinen eines Kollegen an, der die Wertsachen „in Sicherheit bringen“ würde. Nach der Übergabe sahen die Opfer ihr Eigentum nie wieder.
Millionenbeute
Die Beute der vier Männer war beträchtlich. Eine Geschädigte verlor insgesamt 1,2 Millionen Euro an die Betrüger, die sie fünfmal aufsuchten. Bei einer einzigen Übergabe händigte sie mehr als eine halbe Million Euro aus. Sie und weitere Opfer schlossen sich dem Verfahren als Privatbeteiligte an.
Die Chancen auf Rückerstattung stehen allerdings schlecht, da die Täter selbst aus finanzieller Not handelten und von der türkischen Bande angeworben worden waren. Der 34-jährige Haupttäter rekrutierte zwei Brüder (22 und 29 Jahre alt) für die gemeinsamen Beutezüge.
Nach jeder Tat teilten sie die Beute auf, wobei der 34-Jährige einen Teil des Geldes in die Türkei transferierte. Zusätzlich wurde ein 36-Jähriger angeworben, der bei zwei Taten als Fahrer fungierte. Der 29-jährige Mittäter reiste sogar in die Türkei, um gefälschte Polizeiausweise zu beschaffen, gab jedoch an: „Den Anführer hab‘ ich aber nicht gesehen.“
Pro Abholung verdienten die Männer zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Der 34-jährige Hauptbeschuldigte, der seit längerer Zeit arbeitslos war, erklärte vor Gericht: „Ich hab‘ von einer Freundin davon gehört. Sie hat gesagt, dass es da Arbeit gibt.“ Insgesamt habe er durch die Betrügereien 25.000 bis 30.000 Euro eingenommen.
Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Andreas Hautz nach dem Verbleib dieser Freundin antwortete er: „Ich habe gehört, dass die abgehauen ist.“ Alle vier Angeklagten wurden wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation verurteilt.
Der jüngste Täter erhielt zusätzlich eine Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls, da er bei seinem ersten Einsatz so nervös war, dass er einer Seniorin eine Tasche mit Goldmünzen und Dukaten entriss. Das Opfer gab an, von dem damals 20-Jährigen auch gestoßen worden zu sein. Sein Bruder, der währenddessen im Auto wartete, berichtete: „Er war voll in Eile und hat geschwitzt. Er hat gesagt, dass es nicht so verlaufen ist, wie es geplant war.“
Als der Richter nachfragte, warum sie trotz dieses Vorfalls weitermachten, erklärte der Hauptangeklagte: „Wir wurden bedroht, wenn wir aufhören wollten. Sie haben gesagt, dann bekommen wir Probleme mit unseren Familien.“ Die Festnahme der Täter erfolgte im März 2024 durch Handypeilung.
In seiner Urteilsbegründung bezeichnete Richter Hautz die Taten als „Schweinerei“, ungeachtet der untergeordneten Position der Angeklagten in der Hierarchie.
„Es ist schon was anderes, wenn man vor Ort ist und diese alten Menschen ausnimmt. Da braucht man als Abholer schon eine gewisse Härte.“ Die konfiszierten gefälschten Polizeiausweise werden künftig für Schulungszwecke bei der Polizei verwendet.