Mit falschen Angaben und gezielter Ausnutzung von Migranten sollen fünf Angeklagte Millionen erschlichen haben. Der Prozess in Salzburg enthüllt ein perfides System.
Kreditbetrugs-Prozess
Am Dienstag begann am Landesgericht Salzburg der Prozess gegen fünf Personen, die mit gefälschten Krediten einen Millionenschaden verursacht haben sollen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft zwei ehemaligen Bankmitarbeitern und drei Kreditvermittlern vor, durch betrügerische Machenschaften rund zwei Millionen Euro Schaden angerichtet zu haben. Während die Vermittler aus Bosnien-Herzegowina und Serbien ihre Schuld eingestanden, beteuerten die übrigen Angeklagten ihre Unschuld.
Der bosnische Staatsbürger, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, zeigte sich durch seinen Anwalt geständig. „Ich habe das System ausgenutzt, übernehme die volle Verantwortung und es tut mir leid“, ließ er mitteilen. Gleichzeitig kritisierte er die mangelnden Kontrollmechanismen der deutschen Bank. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung – bislang waren alle unbescholten.
Betrügerisches System
Auf der Anklagebank sitzen neben den Vermittlern auch zwei Österreicher im Alter von 68 und 42 Jahren, die früher bei einer Salzburger Bank beschäftigt waren. Die Anklagebehörde wirft ihnen schweren Betrug, Bestechung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vor. Das Quartett soll zwischen 2019 und 2022 systematisch finanzschwache Personen für Konsumkredite bis zu 50.000 Euro angeworben haben – Menschen, die unter normalen Umständen keine Kredite dieser Größenordnung erhalten hätten.
Die Vermittler sprachen gezielt Migranten mit geringen Deutschkenntnissen an, etwa am Salzburger Hauptbahnhof, im Raum Braunau/Mattighofen oder in Wien-Favoriten am Reumannplatz.
Perfide Masche
Die Masche war perfide: Laut Anklage wurden Kreditunterlagen mit falschen Angaben erstellt, was den sprachlich überforderten Kunden nicht auffiel. Die Vermittler bestachen die Bankangestellten, damit diese die manipulierten Anträge an ein deutsches Kreditinstitut weiterleiteten. In einigen Fällen wurden die Opfer sogar zu Blanko-Unterschriften genötigt, mit denen die Täter später selbst Geld abheben konnten.
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Die Folgen für die Betroffenen sind verheerend: „Sie müssen der Bank den Kreditbetrag samt Zinsen zurückzahlen, die meisten befinden sich jetzt in Privatkonkurs“, erklärte die Staatsanwaltschaft.
Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als der deutschen Bank eine ungewöhnlich hohe Ausfallquote bei Krediten auffiel, die über die Salzburger Filiale vermittelt worden waren. Das Landeskriminalamt Oberösterreich übernahm gemeinsam mit der WKStA die Untersuchungen und hat mittlerweile rund 1.000 Kreditverträge unter die Lupe genommen.
Die Ermittler betonten, dass die Salzburger Bank selbst nicht unter Verdacht stehe – die beiden mittlerweile entlassenen Mitarbeiter hätten heimlich und auf eigene Faust gehandelt.