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Nostalgie

Früher war DAS Luxus: Die Statussymbole unserer Balkan-Kindheit

Früher war DAS Luxus: Die Statussymbole unserer Balkan-Kindheit
(FOTO: Mit KI erstellt)
3 Min. Lesezeit |

Heute trägt fast jeder einen Fernseher, eine Kamera und eine komplette Musiksammlung in der Hosentasche. Früher genügte ein neues Gerät im Wohnzimmer, damit die halbe Verwandtschaft vorbeikam.

Wer heute ein neues Handy kauft, erntet dafür meistens ein kurzes „Schön“. Vielleicht noch die Frage, wie gut die Kamera ist. Früher konnte ein technisches Gerät dagegen zum Familienereignis werden.

Ein großer Fernseher. Eine Stereoanlage mit zwei Boxen, die fast so hoch waren wie das Kind daneben. Ein Videorekorder. Später die erste PlayStation oder ein Handy, das nicht nur telefonieren konnte. Wer so etwas zu Hause hatte, war zumindest für einige Wochen der König der Nachbarschaft.

Und natürlich standen diese Dinge nicht irgendwo. Sie bekamen einen Ehrenplatz.

Anschauen ja, angreifen nein

Das Wohnzimmer vieler Balkan-Familien hatte ohnehin seine eigene Hierarchie. Da gab es die Vitrine mit Gläsern, aus denen praktisch niemand trinken durfte. Porzellan, das auf einen Anlass wartete, der offenbar nie wichtig genug war. Eine Couch, die für Gäste gedacht war. Und irgendwo mittendrin stand der ganze Stolz der Familie: der Fernseher oder die Stereoanlage.

Das war keineswegs nur ein Balkan-Phänomen. Das sozialistische Jugoslawien entwickelte schon Jahrzehnte zuvor eine für Osteuropa außergewöhnlich ausgeprägte Konsumkultur. Historiker beschreiben eine Gesellschaft, in der Kleidung, Haushaltsgeräte, Unterhaltung und andere Konsumgüter im Alltag eine beträchtliche Rolle spielten.

Später, besonders in vielen Diaspora-Familien, bekam Besitz noch eine zusätzliche Bedeutung. Was man sich durch harte Arbeit aufgebaut hatte, durfte man durchaus sehen.

Die Stereoanlage musste groß sein

Besonders wichtig war Musik. Eine richtige Anlage hatte mehrere Komponenten, viele Knöpfe und möglichst große Boxen. Je komplizierter sie aussah, desto besser. Daneben stapelten sich Kassetten und später CDs. Natürlich gab es auch mindestens eine Kassette, deren Inhalt niemand mehr kannte, weil irgendjemand vor zehn Jahren etwas anderes darüber aufgenommen hatte.

Dann kamen Videorekorder und Satellitenfernsehen. Plötzlich konnte man Filme auf VHS sammeln oder Sender aus der alten Heimat empfangen. Für Familien in Österreich oder Deutschland war Technik dadurch nicht nur Unterhaltung, sondern teilweise auch eine Verbindung zu dem Ort, aus dem Eltern oder Großeltern gekommen waren.

Und dann kam das Auto

Die wirklich große Bühne wartete allerdings draußen auf dem Parkplatz. Das Auto war Fortbewegungsmittel, Familienmitglied und gelegentlich auch Statusbericht in einem. Wer im Sommer Richtung Balkan fuhr, wusste spätestens bei der ersten Kaffeepause, wer sich seit dem Vorjahr ein neues Auto gekauft hatte.

Aber die kleinen Statussymbole waren mindestens genauso wichtig: die erste Spielekonsole, der erste Computer, die Digitalkamera oder jenes Handy, bei dem plötzlich alle Familienmitglieder wissen wollten, ob es wirklich so viel gekostet hatte.

Heute lächeln wir darüber

Vieles davon wirkt aus heutiger Sicht beinahe niedlich. Ein riesiger Röhrenfernseher konnte weniger als das Smartphone, das heute in unserer Tasche steckt. Tausende Songs sind jederzeit verfügbar und Fotos kosten keinen Film mehr.

Vielleicht erinnern wir uns gerade deshalb so gerne daran. Denn damals war ein neues Gerät nicht nach drei Monaten veraltet. Es wurde bestaunt, Freunden gezeigt, jahrelang repariert und irgendwann an einen Cousin weitergegeben.

Und irgendwo in einem Keller steht wahrscheinlich noch heute eine Stereoanlage, die niemand wegwerfen darf.

Was war bei euch zu Hause damals echter Luxus? Und welches Statussymbol habt ihr unbedingt haben wollen?

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KO KOSMO-Redaktion
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