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Suchtgefahr

Fußball-WM: Stadt Wien warnt vor Risiken von Sportwetten

Fußball-WM: Stadt Wien warnt vor Risiken von Sportwetten
FOTO: iStock/EvgeniyShkolenko
3 Min. Lesezeit |

Die WM 2026 rückt näher – und mit ihr wächst die Sorge vor einer Welle, die abseits des Rasens entsteht.

Anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer machen Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie-, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, sowie Lisa Brunner, Obfrau der Österreichischen ARGE Suchtprävention, auf die Gefahren aufmerksam, die mit Sportwetten verbunden sind. Aus Sicht der Suchtprävention sei ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für das Suchtpotenzial von Sportwetten ebenso notwendig wie eine Verschärfung der gesetzlichen Schutzbestimmungen.

Auch wenn Sportwetten vielfach als unbedenkliche Freizeitbeschäftigung gelten, ist ihr Suchtpotenzial erheblich. Eine klinisch ausgeprägte Glücksspielstörung zieht weitreichende Konsequenzen nach sich – finanzielle Einbußen, soziale Isolation, berufliche Einschränkungen und psychische Belastungen gehören dazu. Besonders ausgeprägt ist das Risiko bei Online-Wetten. „Dabei überschätzen viele Menschen den Einfluss ihres Fachwissens auf ihre Gewinnchancen – eine sogenannte Kontrollillusion, die problematisches Spielverhalten begünstigen kann“, erklärt Ewald Lochner.

WM als Verstärker

Sportliche Großereignisse wie die Fußball-WM der Männer verschärfen diese Situation zusätzlich. Über TV-Spots, Bandenwerbung und Sponsoring werden Sportwetten als selbständiger Teil des Sporterlebnisses inszeniert. Rund um die WM 2026 kommen neue Entwicklungen hinzu: Offizielle Spieldaten der FIFA sollen künftig gezielt an lizenzierte Wettanbieter weitergegeben werden, und Spiele werden über deren Plattformen streambar sein.

„Zahlreiche Studien zeigen, dass Werbung das Spielverhalten beeinflussen kann – insbesondere bei Jugendlichen und anderen vulnerablen Gruppen. Je präsenter Sportwetten im Umfeld großer Sportereignisse sind, desto eher werden sie gesellschaftlich akzeptiert“, warnt Lisa Brunner.

Gesetzliche Lücken

Sowohl die Stadt Wien als auch die ARGE Suchtprävention sehen in der bestehenden österreichischen Rechtslage keinen hinreichenden Schutz für Betroffene. Österreich ist das einzige EU-Land, in dem Sportwetten – mit Ausnahme von Toto – rechtlich nicht dem Glücksspiel zugerechnet werden. Dies hat direkte Auswirkungen auf Werbebeschränkungen, den Spielerschutz sowie die steuerlichen Rahmenbedingungen. „Die Einstufung als Geschicklichkeitsspiel entspricht nicht dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Sportwetten sind stark zufallsabhängig und weisen ein hohes Suchtpotenzial auf. Es braucht daher eine umfassende Überarbeitung des Glücksspielgesetzes, um mit der Dynamik des Wettmarkts Schritt zu halten und einen ausreichenden Spieler*innenschutz sicherzustellen“, betont Brunner.

„Eine pathologische Form von Spielsucht ist nicht zu unterschätzen. Dazu zählen unter anderem finanzielle Probleme, Konflikte im familiären und sozialen Umfeld, Auswirkungen auf Ausbildung und Beruf sowie erhebliche psychische Belastungen. Glücksspielsucht ist daher als ernstzunehmende psychische Erkrankung zu verstehen, die professionelle Unterstützung erfordert. In Wien steht dafür ein gutes Netzwerk an modernen Beratungs- und Behandlungsangeboten zur Verfügung“, hält Lochner abschließend fest.

Wer den Eindruck hat, das eigene Wetten nicht mehr kontrollieren zu können oder sich Sorgen um eine nahestehende Person macht, kann die Beratungs- und Behandlungsangebote der Stadt Wien im Anton-Proksch-Institut, die Ambulante Behandlungseinrichtung Spielsuchthilfe oder – für ganz Österreich – das kostenlose und anonyme Online-Selbsthilfeprogramm www.genuggespielt.at in Anspruch nehmen.

Einen Überblick über Anlaufstellen in ganz Österreich finden Sie hier.

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KO KOSMO-Redaktion
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