Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Untersuchung

Geheime Akten: Vatikan soll sexuellen Missbrauch vertuscht haben

Geheime Akten: Vatikan soll sexuellen Missbrauch vertuscht haben
FOTO: iStock/fabiomax
2 Min. Lesezeit |

Geheime Akten, verschwiegene Fälle, ein mächtiger Kardinal im Zentrum – neue Dokumente bringen den Vatikan unter Druck.

Die Rechercheplattform „Correctiv“ hat einen Bericht veröffentlicht, der Hinweise auf eine mögliche Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche durch den Vatikan enthält. Grundlage der Untersuchung sind 20 Briefwechsel zwischen Bischöfen aus verschiedenen Teilen der Welt und dem Vatikan, in denen konkrete Missbrauchsfälle gemeldet wurden. Nach der im Jahr 2001 eingeführten Meldepflicht für sexuellen Missbrauch in den Bistümern wurden solche Vorgänge in der damals zuständigen Glaubenskongregation systematisch registriert und mit Protokollnummern versehen.

Laut den Rechercheergebnissen blieben diese Akten jedoch streng vertraulich. Der Vatikan soll in betreffenden Fällen nur zögerlich reagiert, verhängte Strafen nachträglich aufgehoben und durchgehend auf absolute Geheimhaltung gesetzt haben.

Ratzingers Rolle

Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen wird in dem Bericht auch Joseph Ratzinger genannt, der als Papst Benedikt XVI. in die Geschichte der katholischen Kirche einging. Ratzinger leitete die Glaubenskongregation über mehr als zwei Jahrzehnte, von 1981 bis 2005. Im selben Jahr wurde er zum Papst gewählt; 2013 legte er das Amt in einem für die Kirchengeschichte beispiellosen Schritt nieder. Am 31. Dezember 2022 starb der emeritierte Papst im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan.

Geheime Dokumente

Bereits seit geraumer Zeit kursiert in kirchennahen Kreisen die Annahme, dass im Vatikan Dokumente zu Missbrauchsfällen existieren, die einer Veröffentlichung dauerhaft entzogen sind. Auch Benedikts Nachfolger Papst Franziskus thematisierte dies in seiner Autobiografie, die wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 2025 erschien: Er erwähnte darin eine „große, weiße Kiste“ mit Unterlagen zu verschiedenen Skandalen der römisch-katholischen Kirche, die ihm sein Vorgänger übergeben habe.

Den von „Correctiv“ gesichteten Dokumenten zufolge sollen Missbrauchsfälle in den vatikanischen Archiven gezielt unter Verschluss gehalten und in einem „bürokratischen System verschwinden“ gelassen worden sein. Auf Anfragen der Redaktion an verschiedene Stellen im Vatikan blieb eine Reaktion aus, wie „Correctiv“ nach eigenen Angaben mitteilt.

Auch die Deutsche Presse-Agentur richtete eine Anfrage um Stellungnahme an den Vatikan – eine Antwort stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.