Frauen in Niederösterreich arbeiten 61 Tage pro Jahr unbezahlt. Der Lohnunterschied zu Männern beträgt 16,5 Prozent – und sinkt nur schleppend.
In Niederösterreich beträgt der Gender Pay Gap im Jahr 2025 weiterhin 16,5 Prozent. Dies bedeutet konkret, dass der Equal Pay Day auf den 1. November fällt. Umgerechnet arbeiten Frauen in Niederösterreich im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen 61 Tage ohne Bezahlung. In absoluten Zahlen ausgedrückt verdienen Frauen trotz ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung durchschnittlich 10.784 Euro weniger als Männer. Die Entwicklung verläuft schleppend: In den vergangenen zehn Jahren verringerte sich die Einkommenslücke lediglich um 6,6 Prozentpunkte. AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser bezeichnet diese Entwicklung als „Zu wenig und zu langsam“.
Regionale Unterschiede
Innerhalb des Bundeslandes zeigen sich deutliche regionale Unterschiede beim Lohngefälle. Den geringsten Einkommensunterschied verzeichnet die Landeshauptstadt St. Pölten mit 12,7 Prozent, während in Mödling mit 23,9 Prozent die größte Differenz besteht. Bemerkenswert ist, dass der Gender Pay Gap nichts über das absolute Einkommensniveau aussagt, sondern ausschließlich die prozentuale Differenz zwischen den Bruttojahreseinkommen von vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern im jeweiligen Bezirk widerspiegelt.
So verdient eine Frau in Mödling mit durchschnittlich 64.600 Euro zwar erheblich weniger als ein Mann im selben Bezirk (84.900 Euro), jedoch deutlich mehr als eine Frau in St. Pölten mit einem Jahresbrutto von etwa 52.400 Euro. Diese Unterschiede sind hauptsächlich auf die unterschiedliche Branchenstruktur in den Bezirken zurückzuführen.
Systematische Unterbewertung
„Die Einkommenslücke gibt es auch, weil in Branchen, wo viele Frauen arbeiten, insgesamt schlechter bezahlt wird. Mit dieser systematischen Unterbewertung ist aber nur ein Teil zu erklären. Mehr als zwei Drittel des Unterschieds bei Löhnen und Gehältern hat einzig und allein mit dem Geschlecht zu tun„, erklärt Didem Strebinger, Frauenvorsitzende des ÖGB Niederösterreich – und sie warnt: „Diskriminierung beim Entgelt aufgrund des Geschlechts ist seit 1979 verboten. Fehlende Transparenz macht es aber immer noch möglich.“
⇢ Neues Gesetz verpflichtet Firmen zur Offenlegung aller Gehälter!
Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass mehr als ein Drittel der Beschäftigten in Niederösterreich keine Kenntnis über die Gehälter ihrer Kollegen hat. Die von der Allianz für Lohntransparenz in Auftrag gegebene Untersuchung offenbart ein gesellschaftliches Tabu: 57 Prozent der Arbeitnehmer im Bundesland sprechen nicht über ihre Einkommen.
Forderung nach Transparenz
Für Strebinger stellt dies ein grundlegendes Problem dar. Sie fordert: „Diese Kultur des Schweigens und der Intransparenz muss aufhören. Denn nur damit sind viele Ungerechtigkeiten überhaupt erst möglich. Die verpflichtende Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie ist eine einzigartige Chance für die Arbeitnehmer.“
„Frauen wollen faire Einkommen und fordern zurecht mehr Transparenz und Gerechtigkeit. Klare betriebliche Strukturen, gezielte Unterstützung durch Führungskräfte sowie Betriebsräte und Betriebsrätinnen, aber auch einen spürbaren Kulturwandel beim Thema Einkommen“, so Wieser, der auf die Studie verweist.
Eine offene Gesprächskultur über Einkommen im Betrieb, volle Transparenz für alle Entgeltbestandteile insbesondere Boni und Zulagen, als auch leicht zugängliche Informationen im Hinblick auf die Einkommen sind das Gebot der Stunde.