Während die Straßen voll erscheinen, bleibt ein Drittel der Österreicher dem Lenkrad fern. Besonders Vorarlberger setzen auf alternative Fortbewegung – ein Trend mit wachsender Dynamik.
Mehr als ein Drittel der Österreicher verzichtet weitgehend aufs Autofahren. Rund 34 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren greifen nie oder nur selten zum Lenkrad. Besonders in Vorarlberg ist dieser Trend ausgeprägt – das westliche Bundesland belegt im nationalen Vergleich den zweiten Platz, nur übertroffen von Wien, wo die urbane Struktur naturgemäß mehr Menschen ohne eigenes Fahrzeug auskommen lässt.
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Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Erhebung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ), der Daten der Statistik Austria ausgewertet hat. Demnach leben in Österreich etwa 1,8 Millionen Menschen ab 16 Jahren, die niemals selbst ein Auto steuern. Weitere 810.000 Personen setzen sich nur gelegentlich hinters Steuer. Die Verteilung dieser „Autofaster“ variiert dabei deutlich nach Altersgruppen und regionalen Gegebenheiten.
Altersbedingte Unterschiede
Betrachtet man die verschiedenen Altersklassen, zeigen sich klare Unterschiede: Während bei den 40- bis 50-Jährigen nur jeder Vierte (25 Prozent) selten oder nie Auto fährt, steigt dieser Wert bei den 30- bis 40-Jährigen auf 30 Prozent. Noch deutlicher wird es bei den jüngeren Erwachsenen – 41 Prozent der 20- bis 30-Jährigen verzichten weitgehend aufs Autofahren. Bei den 16- bis 19-Jährigen sind es sogar 70 Prozent. Auch in der Generation 70 plus ist der Anteil mit 44 Prozent überdurchschnittlich hoch, wie der VCÖ in seiner Mitteilung betont.
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Die geografische Verteilung zeigt ebenfalls interessante Muster: In Vorarlberg fahren 34 Prozent der Einwohner selten oder nie Auto, in Tirol und Salzburg jeweils 33 Prozent. Deutlich niedriger liegt der Wert in Niederösterreich mit nur 22 Prozent. Klammert man Wien aus, führt Vorarlberg die Liste der Bundesländer an, gefolgt von Salzburg und Tirol.
Konkret bedeutet dies für Vorarlberg: 61.000 Einwohner ab 16 Jahren sitzen nie am Steuer eines Autos, weitere 53.000 tun dies nur selten. Bemerkenswert ist der Anstieg dieser Gruppe – seit 2019 hat sich die Zahl der Vorarlberger, die kaum oder gar nicht Auto fahren, um etwa 19.000 erhöht. Generell zeichnen sich die westlichen Bundesländer durch einen höheren Anteil an Menschen aus, die regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Mobilitätsverhalten fördern
„Das Mobilitätsangebot hat großen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten, ebenso die Siedlungsstruktur“, erläutert VCÖ-Experte Michael Schwendinger. In kompakten Siedlungsgebieten lassen sich viele Alltagswege problemlos ohne Auto zurücklegen, während Zersiedelung die Abhängigkeit vom Pkw verstärkt. Folgerichtig ist in städtischen Ballungsräumen der Anteil jener, die selten oder nie Auto fahren, deutlich höher.
Der VCÖ unterstützt die Initiative „Autofasten“, die während der Fastenzeit unter dem Motto „Fair zu Fuß unterwegs“ läuft. „Gehen ist die gesündeste, kostengünstigste und umweltfreundlichste Mobilität. Das Potenzial, dass mehr zu Fuß gegangen wird, ist groß. Immerhin ist rund jede zehnte Autofahrt in Gehdistanz“, betont Schwendinger.
In Vorarlberg nimmt das Gehen bereits einen hohen Stellenwert ein. Laut VCÖ ist es dort die häufigste Fortbewegungsart – zwei Drittel der Bevölkerung ab 16 Jahren sind täglich zu Fuß im Alltag unterwegs. Österreichweit zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwei Drittel der Menschen gehen täglich zu Fuß, wobei Wien den höchsten Anteil aufweist.
Nach Ansicht des VCÖ sollte die Verkehrsplanung verstärkt auf Fußgängerfreundlichkeit ausgerichtet werden. Eine gut ausgebaute Nahversorgung und soziale Infrastruktur fördern nicht nur das Zu-Fuß-Gehen, sondern beleben auch die Ortskerne.
Wenn die Menschen ihre täglichen Wege vermehrt zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen können, profitieren sie von umweltfreundlicherer und kostengünstigerer Mobilität.