Lange Wartezeiten, überfüllte Ambulanzen, teure Alternativen – Österreichs Gesundheitssystem verliert das Vertrauen seiner Versicherten.
Eine aktuelle Erhebung der Arbeiterkammer Oberösterreich zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Die Zufriedenheit der Versicherten mit dem heimischen Gesundheitssystem ist auf einen neuen Tiefstand gesunken. Das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) befragte im Auftrag der AK Oberösterreich Kammermitglieder zu ihrer Einschätzung der medizinischen Versorgung – mit ernüchterndem Ergebnis. Nur noch 36 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen sich mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang um acht Prozentpunkte, gegenüber 2023 sogar um elf Prozentpunkte.
Lange Wartezeiten
Als zentraler Grund für die Unzufriedenheit – 27 Prozent der Befragten äußerten sich wenig bis gar nicht zufrieden – wurden laut IFES-Erhebung vor allem lange Wartezeiten genannt. Besonders betroffen sind Facharzttermine, während Krankenhausambulanzen und Kassenhausarzt-Ordinationen etwas besser bewertet werden. Als gravierendstes Problem erweisen sich nach wie vor die Wartezeiten auf Operationen: Knapp die Hälfte jener Befragten, die in den vergangenen zwei Jahren einen OP-Termin benötigten, musste länger als drei Monate darauf warten. Vergleichbar lange Wartezeiten wurden auch für Augen- und Hautärzte angegeben.
Als Reaktion auf diese Engpässe weichen immer mehr Versicherte auf Wahl- und Privatärzte aus oder sichern sich über Zusatzversicherungen ab. Rund drei von zehn Befragten gaben an, eine private Zusatzversicherung für die Sonderklasse im Krankenhaus oder für Wahlärzte abgeschlossen zu haben. Die IFES-Umfrage kommt zu dem Schluss, dass sich dadurch die Mehrklassenmedizin weiter verschärft.
Politische Versäumnisse
Die Arbeiterkammer Oberösterreich macht für diese Entwicklung politische Versäumnisse verantwortlich. „Die schlechte Versorgungslage drängt immer mehr Menschen in private Finanzierungsformen“, so die Arbeiterkammer. AK-Präsident Andreas Stangl sieht nun die Politik in der Pflicht: Offene Kassenstellen müssten rasch nachbesetzt und Primärversorgungszentren flächendeckend ausgebaut werden. Solange eine kassenärztliche Unterversorgung besteht, müssen die Versicherten auch beim Besuch eines Wahlarztes den vollen Kassenarzttarif ersetzt bekommen, so die Forderung der Arbeiterkammer.