Drei Tote, elf Infizierte – der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff hält die Welt in Atem. Auch Österreich ist nun involviert.
Drei Todesopfer und elf bestätigte Infektionen – das ist der aktuelle Stand des Hantavirus-Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius, wie ihn die Weltgesundheitsorganisation mit Stand 13. Mai festhält. Das Schiff war am 25. April in Ushuaia in der argentinischen Provinz Tierra del Fuego abgelegt und auf einer Route von Argentinien nach Kap Verde unterwegs, als der Ausbruch auftrat. Die Evakuierung der Passagiere erfolgte in Schutzanzügen.
Nachdem tagelang nach einer Lösung gesucht worden war, wurden am 12. Mai sämtliche Personen an Bord von dem Schiff gebracht. Seither laufen weltweit Bemühungen, mögliche Kontaktpersonen zu identifizieren. Eine neue Pandemie nach dem Muster von Corona drohe nicht, betonen Vertreter der WHO – wenngleich die Lage ernst zu nehmen sei.
Österreichs Maßnahmen
Für Österreich liegt bislang kein bestätigter Hantavirus-Fall vor. Alle bisher weltweit dokumentierten Erkrankungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem betroffenen Schiff. Um für ein mögliches künftiges Auftreten von Mensch-zu-Mensch-übertragbaren Hantaviren gerüstet zu sein, wurde die bestehende Meldepflicht in Österreich ausgeweitet. Seit einer Woche gilt: Begründete Verdachtsfälle auf eine solche Übertragungsform müssen den Behörden gemeldet werden.
Unter den Passagieren an Bord befand sich kein österreichischer Staatsbürger. Auf einem KLM-Flug von Johannesburg nach Amsterdam, in dem auch eine infizierte Person mitgereist war, saßen jedoch drei Personen mit österreichischem Bezug. Zwei von ihnen konnten inzwischen kontaktiert werden. Beide werden als Niedrigrisiko-Kontaktpersonen eingestuft – sie saßen nicht in der Nähe jener schwer erkrankten 69-jährigen Frau, die das Flugzeug noch vor dem Abflug verlassen hatte und später an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben ist.
Die zweite Kontaktperson, die am Freitag ausfindig gemacht werden konnte, zeigt keinerlei Krankheitszeichen. Wie bereits die erste erreichte Person wurde auch sie laut Gesundheitsministerium „über die empfohlenen Maßnahmen informiert und zeigt sich kooperativ“. Das tatsächliche Ansteckungsrisiko wird als äußerst gering bewertet.
Das Gesundheitsministerium und die zuständigen nationalen sowie internationalen Behörden arbeiten „weiterhin intensiv an der Nachverfolgung möglicher Kontaktpersonen“, heißt es in einer Stellungnahme. Die nun aufgefundene Person habe weder engen noch längeren Kontakt mit jener infizierten Person gehabt, die sich kurzzeitig auf dem Flug von Johannesburg nach Amsterdam befunden hatte.
„Sie saß nicht – wie auch die erste österreichische Niedrigrisiko-Kontaktperson – im unmittelbaren Umfeld der Erkrankten, wodurch ein enger oder längerer Kontakt nach derzeitigen Erkenntnissen ausgeschlossen werden kann“, so das Ministerium.
Dritte Person gesucht
Eine dritte Person wird weiterhin gesucht, wobei unklar ist, ob sie sich derzeit überhaupt in Österreich aufhält. „Die dritte Person – die wie die zweite Person nicht in Österreich gemeldet ist, was das Auffinden sehr schwierig macht – konnte bislang nicht aufgefunden werden.“ Aus derzeitiger Sicht ist zudem auch unklar, ob sich die Person in Österreich aufhält. Die Gesundheitsbehörde setze dennoch „alles daran, auch die dritte Person ausfindig zu machen“.
Für identifizierte Niedrigrisiko-Kontaktpersonen gelten konkrete Verhaltensempfehlungen: Über einen Zeitraum von sechs Wochen nach dem letzten Kontakt sollen sie ihren Gesundheitszustand selbst beobachten und bei auftretenden Symptomen umgehend Kontakt mit der Gesundheitsbehörde aufnehmen. Darüber hinaus wird empfohlen, Großveranstaltungen, medizinische Einrichtungen sowie Alten- und Pflegeheime zu meiden, in stark frequentierten Innenräumen eine FFP2-Maske zu tragen und die Behörden über einen Wechsel des Aufenthaltsorts zu informieren.
Das Krankheitsbild ähnelt in der Frühphase jenem eines schweren grippalen Infekts: Fieber, ausgeprägte Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl sowie Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen können auftreten. Bei schwerem Verlauf kommen nach einigen Tagen Husten und Atemnot hinzu.
Beim Andes-Virus kann sich Flüssigkeit in der Lunge ansammeln – im schlimmsten Fall kommt es zu einem schweren Versagen der Lungen- und Kreislauffunktion.