Am ESC-Finaltag treffen in Wien zwei Lager aufeinander – die Stadt wird zur Bühne eines tiefen gesellschaftlichen Konflikts.
Am Finaltag des Eurovision Song Contest ist in Wien eine Großdemonstration unter dem Motto „Keine Bühne für den Völkermord“ angekündigt. Laut Landespolizeidirektion Wien wurden rund 3.000 Teilnehmer angemeldet. Die Veranstalter richten ihre Kritik gegen die Teilnahme Israels am Bewerb und haben einen Protestzug organisiert, der ab 14.00 Uhr vom Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof über die Schmelzbrücke hinter die Stadthalle führen soll. Für 17.00 Uhr ist eine abschließende Kundgebung geplant.
„Mit internationalen Großveranstaltungen wie dem Eurovision Song Contest wird Israel eine Propaganda-Bühne geboten – so, als gäbe es keinen Genozid, keine Apartheid und keine Besatzung in Palästina“, hieß es seitens der Organisatoren. Man wolle „der Propagandashow eine Massendemonstration entgegenstellen“.
Gegenkundgebung geplant
Zur selben Zeit formiert sich jedoch auch Widerspruch gegen „den grassierenden antizionistischen Boykott-Wahnsinn“. Das Bündnis gegen Antisemitismus und Artists Against Antisemitism Wien haben für den Urban-Loritz-Platz eine Kundgebung sowie einen Infostand angekündigt, der von 14.00 bis 21.00 Uhr ein „Zeichen für Gastfreundschaft und Solidarität“ setzen soll.
Die beiden Veranstaltungen machen deutlich, wie tief die gesellschaftlichen Gräben verlaufen, die der israelisch-palästinensische Konflikt und die internationale Debatte rund um Boykottbewegungen wie BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) hinterlassen haben. Während die eine Seite Israels Teilnahme am Eurovision Song Contest als politische Propaganda bewertet, tritt die andere für Solidarität ein und verwahrt sich gegen das, was sie als Antisemitismus betrachtet.