Drei Tote, elf Betroffene, 23 Nationen: Ein Kreuzfahrtschiff wird zum Schauplatz eines seltenen Virusausbruchs mit globaler Dimension.
Nach dem Hantavirus-Ausbruch an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen von elf betroffenen Personen aus – drei von ihnen sind an der Erkrankung gestorben. Neun Fälle wurden labordiagnostisch bestätigt, bei zwei weiteren Personen besteht der begründete Verdacht auf eine Infektion. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bewertete das Risiko einer weitreichenden internationalen Ausbreitung zwar als gering, schloss jedoch nicht aus, dass „wir in den kommenden Wochen weitere Fälle entdecken“. Dies erklärte er im Rahmen einer Pressekonferenz in Madrid.
Schiff evakuiert
Wie spiegel.de berichtet, befanden sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs rund 150 Personen aus 23 Ländern auf dem Schiff. Sämtliche betroffenen Personen wurden isoliert und stehen seither unter engmaschiger medizinischer Beobachtung. Die WHO hat eine lückenlose Überwachung aller Passagiere bis zum 21. Juni angeordnet – wahlweise im häuslichen Umfeld oder in geeigneten medizinischen Einrichtungen. Das Schiff selbst wurde am Sonntag auf Teneriffa evakuiert und wird nun mit einer Restbesatzung in Richtung Rotterdam überführt.
In einem niederländischen Krankenhaus wurden zwölf Mitarbeiter vorsorglich für sechs Wochen unter Quarantäne gestellt, nachdem sie Proben eines erkrankten Patienten bearbeitet hatten, ohne dabei die vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen vollständig einzuhalten. Nach Einschätzung der WHO geht die Infektionskette auf ein niederländisches Ehepaar zurück, das sich möglicherweise bereits vor der Einschiffung in Südamerika mit dem Virus angesteckt hatte. Der Mann erkrankte Anfang April mit Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall und verstarb am 11. April. Auch seine Ehefrau sowie eine deutsche Mitreisende überlebten die Infektion nicht.
Andes-Typ nachgewiesen
Bei dem nachgewiesenen Erreger handelt es sich um den Andes-Typ des Hantavirus – jene Variante, bei der in Einzelfällen eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert worden ist.
Da die Symptome denen anderer Atemwegserkrankungen stark ähneln, wurde die Diagnose zunächst verzögert gestellt.