Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Chronik

Hantavirus-Ausbruch: Letzte Passagiere von Kreuzfahrtschiff evakuiert

Hantavirus-Ausbruch: Letzte Passagiere von Kreuzfahrtschiff evakuiert
FOTO: EPA/RAMON DE LA ROCHA
3 Min. Lesezeit |

Blaue Schutzanzüge, Abstand zum Kai, Sonderflüge: Die Evakuierung der Hondius war eine Operation der besonderen Art.

Die Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs Hondius, das wegen eines Hantavirus-Ausbruchs unter Quarantänebedingungen stand, ist auf Teneriffa zu einem Abschluss gekommen. Am Montag verließen die letzten 27 Personen das Schiff. Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff hatte wegen schlechter Witterungsverhältnisse vorübergehend auf Teneriffa angelegt.

Auf Anordnung der lokalen Behörden ankerte die Hondius zunächst mit Abstand zum Kai, ehe die Passagiere in blauen Schutzanzügen von Bord gingen und in Busse stiegen, die sie zum Flughafen Teneriffa Süd transportierten. Von dort wurden sie mit zwei Flugzeugen in die Niederlande ausgeflogen. 27 Besatzungsmitglieder verblieben an Bord, um das Schiff nach Rotterdam zu überführen, wo es in fünf Tagen erwartet wird.

Ebenfalls an Bord befindet sich die Leiche einer deutschen Staatsangehörigen, die an den Folgen des Hantavirus gestorben war.

Komplexe Evakuierung

Bereits am Sonntag hatten 94 Passagiere und Crewmitglieder aus 19 Ländern das Schiff verlassen und waren von Teneriffa aus mit Sonderflügen in ihre jeweiligen Heimatländer gebracht worden. Die Regionalregierung der Kanarischen Inseln hatte darauf bestanden, dass die Hondius nicht am Kai festmacht, da man befürchtete, infizierte Nager könnten an Land gelangen. Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia schloss dies jedoch unter Berufung auf Expertenmeinungen aus.

Vom Flughafen Teneriffa Süd startete zunächst eine Passagiermaschine mit 22 Crewmitgliedern unterschiedlicher Nationalitäten, darunter auch ein deutsches Besatzungsmitglied. Ein zweites, kleineres Sanitätsflugzeug brachte vier Australier, einen Neuseeländer sowie einen Briten in ihre Heimatländer. Seit Sonntag wurden insgesamt 122 Menschen unter strengen Sicherheitsauflagen vom Schiff evakuiert und anschließend per Flugzeug in Richtung ihrer Heimatländer gebracht.

Garcia sprach allen Beteiligten ihren Dank aus und äußerte „Stolz“ darüber, dass Spanien eine derart komplexe und „einzigartige“ Operation erfolgreich bewältigt habe. Die Hondius war am 1. April im argentinischen Ushuaia zu einer Atlantiküberquerung aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden erlag am 11. April den Folgen des Hantavirus.

Seine Ehefrau verließ das Schiff am 24. April auf St. Helena, um die sterblichen Überreste ihres Mannes in die Heimat zu begleiten, starb jedoch zwei Tage nach einem Flug nach Johannesburg. Am 2. Mai verstarb eine deutsche Passagierin an Bord der Hondius.

Geringes Ausbreitungsrisiko

Eine weitere Deutsche, die mit ihr in Kontakt gestanden hatte, wurde bereits vor einigen Tagen von Bord geholt und wird derzeit im Universitätsklinikum Düsseldorf behandelt. Eine Infektion konnte bei ihr bislang nicht nachgewiesen werden. Gegen das Hantavirus, das schwere Erkrankungen der Atemwege auslösen kann, existiert weder ein Impfstoff noch eine gezielte Behandlungsmöglichkeit.

Die WHO geht davon aus, dass sich der zuerst verstorbene Niederländer in Südamerika mit einer seltenen, von Mensch zu Mensch übertragbaren Variante des Virus infiziert hatte.

Aus Brüssel heißt es, das Risiko einer Ausbreitung des Hantavirus in Europa sei als gering einzustufen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen