Drei Tote, ein Schiff mitten im Atlantik – der Hantavirus-Ausbruch auf der „MV Hondius“ versetzt Behörden weltweit in Alarmbereitschaft.
Genf – Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Expeditions-Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ im Atlantik hat bislang drei Menschenleben gefordert. Die Weltgesundheitsorganisation hält eine Übertragung von Mensch zu Mensch für möglich, eine Epidemiespezialistin schließt jedoch aus, dass sich das Geschehen zu einer Situation wie während der Covid-19-Pandemie entwickeln könnte.
Am Mittwoch wurden drei Personen von dem Schiff evakuiert, das derzeit vor Kap Verde liegt. Dabei handelt es sich um zwei erkrankte Besatzungsmitglieder – einen 56-jährigen Briten und einen 41-jährigen Niederländer – sowie eine 65-jährige Deutsche. Die deutsche Frau wurde noch am Mittwochabend nach der Landung in eine Klinik in Düsseldorf gebracht.
Bei ihr wurden keine Virussymptome festgestellt, allerdings hatte sie engen Kontakt zu einer anderen deutschen Frau, die an Bord des Schiffes möglicherweise am Hantavirus verstorben ist. Der erste infizierte Passagier soll sich das Virus einem Bericht zufolge während eines Landgangs zugezogen und es anschließend auf seine Ehefrau übertragen haben. Beide verstarben in der Folge. Bei den insgesamt drei Todesopfern soll es sich neben der deutschen Person um zwei niederländische Staatsangehörige handeln.
Stewardess in Amsterdam
Auch eine Stewardess, die direkten Kontakt zu einer weiteren inzwischen verstorbenen Infizierten hatte, wurde mittlerweile in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert. Das niederländische Gesundheitsministerium in Den Haag teilte mit, dass die Stewardess leichte Symptome zeige und sich in Isolation befinde. Ein Test auf das Hantavirus stehe noch aus.
Die Frau war in Johannesburg an Bord einer KLM-Maschine, in der sich zeitgleich auch eine 69-jährige Niederländerin befand, die später an dem Virus starb.
WHO-Einschätzung
„Dies ist nicht das nächste Covid“, erklärte WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove in einem Statement. „Aber es ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit. Wenn Menschen sich infizieren – wobei Infektionen selten sind –, können sie daran sterben.“
Die Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord des Kreuzfahrtschiffes hätten allen Grund zur Sorge, ergänzte die Expertin. „Auch die breite Öffentlichkeit mag verängstigt sein. Präzise Informationen sind von entscheidender Bedeutung.“
Entscheidend sei dabei, das tatsächliche persönliche Ansteckungsrisiko realistisch einzuschätzen. „Die meisten Menschen werden diesem Virus niemals ausgesetzt sein“, so Van Kerkhove.
Üblicherweise wird das Hantavirus durch Urin und Kot von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Die WHO geht inzwischen davon aus, dass eine Ansteckung unter bestimmten Umständen auch bei sehr engem Kontakt zwischen Menschen möglich sein könnte.