5,5 Milliarden Dollar, eine Leinwand größer als ein Fußballfeld – das SoFi Stadium sprengt jede bekannte Dimension des Stadionbaus.
Das SoFi Stadium im kalifornischen Inglewood ist das teuerste jemals errichtete Stadion der Welt – mit Baukosten von rund 5,5 Milliarden US-Dollar. Finanziert wurde das Projekt nicht aus öffentlichen Geldern, sondern nahezu ausschließlich vom Unternehmer Stan Kroenke, Eigentümer der Los Angeles Rams in der NFL sowie des FC Arsenal in der Premier League. Das Stadion fungiert als gemeinsame Heimstätte der Rams und der Los Angeles Chargers und wurde von Beginn an für die größten Ereignisse des amerikanischen Sports und der Unterhaltungsbranche konzipiert.
Es war bereits Austragungsort des Super Bowl 2022 und Bühne für Konzerte von Weltstars wie Taylor Swift – und bereitet sich nun auf das bedeutendste Ereignis seiner Geschichte vor: die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Acht WM-Begegnungen werden 2026 in Los Angeles im SoFi Stadium ausgetragen. Doch das 2020 eröffnete Bauwerk ist weit mehr als ein bloßer Veranstaltungsort – es stellt die konventionelle Vorstellung davon, was ein Sportstadion sein kann, grundlegend in Frage.
Infinity Screen
Bei einer Kapazität von 70.000 Zuschauern ist weder die Sitzplatzzahl noch die Investitionssumme die beeindruckendste Kennzahl. Diese Rolle übernimmt der sogenannte Infinity Screen: eine Videoleinwand von 110 Metern Länge – und damit physisch länger als die Seitenlinie eines FIFA-Standardspielfelds. Der Infinity Screen gilt als die größte Videoleinwand im Weltsport und bildet das visuelle Herzstück des Erlebnisses im SoFi Stadium.
Mit seinen 110 Metern übertrifft er die für Weltmeisterschaften vorgeschriebene FIFA-Spielfeldlänge von 105 Metern um fünf Meter – eine kuriose Situation, in der die Leinwand buchstäblich größer ist als das Spielfeld, das sie zeigt. Addiert man sämtliche LED-Flächen des Stadions und legt sie gedanklich auf den Boden, ergibt sich eine Gesamtfläche von knapp 6.500 Quadratmetern. Ein offizielles Fußballfeld misst 7.140 Quadratmeter – die gesamte Bildfläche des Stadions kommt damit nahezu einem vollständigen Spielfeld gleich.
Auch die Dachkonstruktion hebt das SoFi Stadium von jedem anderen Stadion der Welt ab. Das Dach besteht aus einer ETFE-Membran – einem transparenten Kunststoff, der vor Regen schützt, gleichzeitig aber natürliches Licht ins Innere lässt. In die Membran sind Tausende LED-Lichter integriert, die sich programmieren lassen, um Bilder, Videos, Logos und Animationen nach außen zu projizieren.
Da das Stadion direkt unter der Anflugschneise des Los Angeles International Airport liegt, können Passagiere beim Landeanflug durch das Flugzeugfenster Werbebotschaften und Videoinhalte auf dem Dach erkennen – die Ankunft in Los Angeles wird so zur Vorschau auf das, was die Arena zu bieten hat.
Rasen & WM 2026
Für NFL-Spiele setzt das SoFi Stadium regulär auf Kunstrasen – die FIFA schreibt für WM-Begegnungen jedoch zwingend Naturrasen vor. Die Lösung: Ein Naturrasen wird über die bestehende Oberfläche gelegt, ein Verfahren, das auch andere amerikanische Austragungsorte des Turniers anwenden werden. Der Rasen wird in modularen Behältern außerhalb des Stadions vorkultiviert und anschließend Wochen vor den Spielen im Inneren der Arena zusammengesetzt.
Der Aufwand dahinter ist erheblich: Naturrasen benötigt Sonnenlicht, Bewässerung und ausreichende Belüftung. Das transparente Dach des SoFi unterstützt diesen Prozess, indem es Tageslicht durchlässt – dennoch wird die Rasenpflege während des Turniers eine kontinuierliche Überwachung von Feuchtigkeit, Temperatur und Bodenverdichtung erfordern.
Im Rahmen der Weltmeisterschaft 2026 wird das SoFi Stadium insgesamt acht Partien beherbergen, darunter das Auftaktspiel der Vereinigten Staaten gegen Paraguay am 12. Jänner sowie die Begegnung der bosnisch-herzegowinischen Nationalmannschaft gegen die Schweiz am 18. Jänner. Für die amerikanische Öffentlichkeit ist das Eröffnungsspiel auf heimischem Boden ein Moment von besonderer symbolischer Kraft.
Erste Erfahrungen mit Fußball auf höchstem Niveau sammelte das SoFi Stadium bereits 2024, als es im Rahmen der Copa América Spiele der brasilianischen Nationalmannschaft ausrichtete – ein operativer Testlauf für das, was 2026 folgen wird.
Fans und Medienvertreter lobten gleichermaßen die Infrastruktur, die Akustik und die Sichtverhältnisse.