Belgrads berüchtigter 240-Meter-Tunnel, glühende Ultras und ein als Hochrisikospiel eingestuftes WM-Qualifikationsmatch – auf Englands Fußballfans wartet eine explosive Atmosphäre.
Das Rajko-Mitic-Stadion verspricht eine Atmosphäre, die selbst hartgesottene Fußballanhänger beeindrucken dürfte – dichte Rauchschwaden von Bengalos, ohrenbetäubende Fangesänge und eine Stimmung, die unter die Haut geht. Englands Topstars um Kapitän Harry Kane müssen dabei einen der berüchtigtsten Spielertunnel des Weltfußballs durchqueren – 240 Meter unterirdische Passage, eigentlich zum Schutz der Akteure konzipiert, doch mit durchaus einschüchternder Wirkung. Kane selbst beschrieb den Gang durch diesen Tunnel bereits als „meilenlang“ und betonte die besonders feindliche Atmosphäre durch laute Fangesänge und Lärm, die schon vor dem Betreten des Spielfelds auf die Akteure einwirkt.
Die Brisanz der Begegnung wird durch die aktive Ultraszene Serbiens verschärft. Nicht ohne Grund stufen britische Sicherheitsbehörden das morgige Aufeinandertreffen als „High Risk“-Begegnung ein. Die offizielle Einstufung als Hochrisikospiel erfolgte aufgrund konkreter Befürchtungen von Ausschreitungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen. Noch frisch sind die Erinnerungen an die EM im Sommer, als rund 500 serbische Ultras in gewalttätige Auseinandersetzungen mit englischen Fans verwickelt waren. Für die etwa 2.500 mitreisenden England-Anhänger könnte es im Hexenkessel von Belgrad ungemütlich werden, wo sie einer Übermacht von bis zu 20.000 heimischen Fans gegenüberstehen werden.
Das Rajko-Mitić-Stadion, auch als Marakana bekannt, gilt als eine der einschüchterndsten Fußballstätten Europas. Der besonders lange unterirdische Tunnel verstärkt die psychologische Belastung für Gastmannschaften erheblich, da die Spieler bereits beim Gang zum Spielfeld der vollen Wucht der serbischen Fanunterstützung ausgesetzt sind.
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Serbische Ultras
Die Ultragruppierungen haben sich längst einen Namen für ihre Aggressivität bei Fußballspielen gemacht. Erst kürzlich wurde bekannt, dass sie regelrechte Kampfverabredungen in abgelegenen Waldgebieten Europas organisieren, um dem Zugriff der Polizei zu entgehen. Besonders die serbischen Ultras haben sich einen zweifelhaften Ruf erarbeitet, der untrennbar mit Gewaltexzessen verbunden ist. Die heftigsten Ausschreitungen ereignen sich traditionell bei den Belgrader Derbys zwischen Roter Stern und Partizan. Obwohl die anstehende Partie nur eine von vielen Qualifikationsspielen ist, könnte die Präsenz der organisierten Fanszene für eine explosive Atmosphäre sorgen.
Die Ultras kultivieren dabei einen ausgeprägten Patriotismus, der mitunter in rassistische Entgleisungen mündet – ein Umstand, der bereits zu Teilausschlüssen bei internationalen Begegnungen führte. Dies könnte sich als ernsthaftes Problem erweisen, zumal englische Spieler bei rassistischen Anfeindungen oder Gewaltausbrüchen durchaus bereit wären, das Spielfeld zu verlassen.
Sicherheitsmaßnahmen
Die britischen Sicherheitskräfte haben in Kooperation mit den serbischen Behörden ein umfassendes Schutzkonzept entwickelt. Den mitreisenden Fans wird dringend geraten, sich ausschließlich in designierten Sicherheitszonen aufzuhalten und unter Polizeischutz mit Shuttlebussen zum Stadion zu gelangen. Alkoholkonsum wird sowohl im Stadion als auch in dessen unmittelbarer Umgebung strikt untersagt sein. Superintendent Parkin betonte: „Es ist ein Spiel mit hohem Risiko, aber die lokale Polizei ist zuversichtlich in ihrer Fähigkeit, Sicherheit zu gewährleisten.“ Fans mit Vorstrafen oder bekannter Gewalthistorie wurde die Einreise nach Serbien bereits verwehrt.
Sowohl britische als auch serbische Sicherheitskräfte haben umfassende Schutzmaßnahmen angekündigt, um die befürchteten Ausschreitungen zu verhindern. Die Kooperation zwischen den Behörden beider Länder soll einen reibungslosen und sicheren Spielverlauf gewährleisten.
Die Erinnerungen an die EM 2016 sitzen tief, als russische Ultras englische Anhänger attackierten und über 100 Verletzte zurückließen. Die konsequente Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen wird entscheidend für einen reibungslosen Ablauf sein.
Bleibt zu hoffen, dass die kommenden 24 Stunden ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen.