Eine Datingshow, Vorwürfe sexueller Übergriffe – und ein Sender, der trotz Kenntnis sendete. Nun folgen drastische Konsequenzen.
Der britische Fernsehsender Channel 4 hat sämtliche Staffeln der Datingshow „Married at First Sight“ mit sofortiger Wirkung aus dem Programm genommen und auch vom zugehörigen Streaming-Dienst entfernt. Auslöser der Entscheidung sind schwerwiegende Vorwürfe sexueller Übergriffe, die mehrere Kandidatinnen erhoben haben. Insgesamt drei Frauen sind bislang mit Schilderungen an die Öffentlichkeit getreten, in denen sie von sexuellem Fehlverhalten während der Produktionszeit berichten.
Eine von ihnen gibt an, von ihrem Partner zu einer sexuellen Handlung gezwungen worden zu sein, der sie nicht zugestimmt hatte. Die beschuldigten Männer weisen die Anschuldigungen zurück.
Kritik an der Produktion
Die betroffenen Frauen richten ihre Kritik jedoch nicht nur an die jeweiligen Partner, sondern auch an die Produktion selbst: Diese habe sie während der Dreharbeiten nicht hinreichend geschützt. Wie das Portal tag24.de berichtet, war der Sender vor der Ausstrahlung der entsprechenden Folgen bereits über die Vorfälle in Kenntnis gesetzt worden – die Episoden wurden dennoch gezeigt.
Channel-4-Geschäftsführerin Priya Dogra äußerte sich mitfühlend gegenüber den betroffenen Frauen. Diese seien nach ihrer Teilnahme an der Show „sichtlich belastet“ gewesen. Der Sender habe in der Angelegenheit „schnell, angemessen und sensibel“ reagiert.
Channel 4 bestätigte am 20. Mai 2026 die Programmabsetzung und teilte mit, bereits im April 2026 eine externe Untersuchung zum Wohlbefinden der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Auftrag gegeben zu haben. Die Sendung werde bis zum Abschluss dieser Untersuchung nicht ausgestrahlt.
Das Format
Das Format „Married at First Sight“ basiert auf dem Konzept, Singles mithilfe von Experten zu paaren, wobei sich die Teilnehmer erstmals am Tag ihrer Hochzeit begegnen. Die Sendung begleitet die Paare von den Vorbereitungen bis hin zu den Flitterwochen.
In Deutschland ist ein vergleichbares Format unter dem Titel „Hochzeit auf den ersten Blick“ bekannt.