Der Kampf ums Überleben fordert weitere Opfer: Fast 800 Menschen starben seit Mai beim Versuch, Nahrungsmittel im Gazastreifen zu erhalten.
Seit Ende Mai sind mindestens 798 Menschen bei dem Versuch ums Leben gekommen, Nahrungsmittelhilfe im Gazastreifen zu erhalten. Diese Bilanz veröffentlichte das UN-Menschenrechtsbüro am Freitag. Der Großteil der Todesfälle – 615 Personen – ereignete sich in der Nähe von Verteilungspunkten der von den USA unterstützten Gaza Humanitarian Foundation (Humanitäre Stiftung für Gaza).
„Bis zum 7. Juli haben wir 798 Todesfälle registriert, darunter 615 in der Nähe von Standorten der Humanitären Stiftung in Gaza und 183, die vermutlich entlang der Routen von Hilfskonvois stattfanden„, erklärte Ravina Shamdasani, Sprecherin des Hohen Kommissars für Menschenrechte, bei einem Pressegespräch in Genf.
Die hohe Zahl der Todesopfer steht in direktem Zusammenhang mit der Umstellung auf eine zentralisierte Verteilung der Hilfsgüter. Die Gaza Humanitarian Foundation betreibt nur wenige große Verteilzentren im Süden und im Zentrum des Gazastreifens, was dazu führt, dass tausende hungernde Menschen gleichzeitig zu den Ausgabestellen strömen. Die chaotischen Szenen und die Überfüllung führen immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen, verstärkt durch den Einsatz von Schusswaffen durch Sicherheitskräfte.
Die Versorgungskapazitäten der Stiftung decken mit maximal 25 LKW-Ladungen pro Tag nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs von etwa 500-600 Ladungen. Die Hilfspakete bestehen zudem überwiegend aus Trockennahrung, deren Zubereitung Wasser und Treibstoff erfordert – Ressourcen, die in Gaza ebenfalls knapp sind.
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Im Mai hatte Israel eine elfwöchige Blockade von Hilfslieferungen für die Bevölkerung des Gazastreifens aufgehoben. Parallel dazu meldete das UN-Kinderhilfswerk UNICEF einen weiteren Vorfall: Bei einem israelischen Angriff auf eine medizinische Klinik in Deir al Balah im zentralen Gazastreifen wurde am Donnerstag ein einjähriger Junge getötet. Seine Mutter erlitt bei dem Angriff schwere Verletzungen.
Angriff auf Klinik
Insgesamt kamen bei diesem Luftschlag nach Angaben der UN-Organisation 15 Palästinenser ums Leben, darunter neun Kinder und vier Frauen. UNICEF bezeichnete den Angriff auf eine Einrichtung, in der Menschen medizinische Hilfe suchten, als „gewissenlos“ und zeigte sich bestürzt über die zivilen Opfer.
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Die israelischen Streitkräfte erklärten hingegen, das Ziel sei ein Hamas-Kämpfer gewesen, der nach ihren Angaben an den Angriffen vom 7. Oktober 2023 beteiligt war.
Seit Beginn des Konflikts im Oktober 2023 wurden Schätzungen zufolge mehr als 50.000 Kinder getötet oder verletzt.
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