Ivančok-Schwestern: Kroatinnen schreiben österreichische Handball-Geschichte

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Ivančok-Schwestern: Kroatinnen schreiben österreichische Handball-Geschichte

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Ivancok-Schwestern
(v.r.n.l.) Karla, Ines und Lena Ivančok (FOTO: Mario Ilić, zVg.)

Karla, Ines und Lena Ivančok sind drei Schwestern aus dem kroatischen Međimurje, die gemeinsam ein neues Kapitel im österreichischen Handball aufgeschlagen haben.

Damenhandball genießt in Österreich noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hat, und das Wenige, was an die Öffentlichkeit dringt, betrifft meistens den Hypo NÖ, einen Club, der die österreichische Meisterschaft schon 41-mal gewonnen hat. Bis zur letzten Saison dominierte Hypo auch den Österreich-Cup, aber die Serie von 29 Siegen in Folge wurde durch einen historischen Sieg beendet, bei dem die Mädchen der MGA Fivers Wien Hypo mit 18:17 schlugen.

Bei diesem Sieg der Wiener Outsider, die bei Weitem nicht denselben finanziellen Rückhalt haben wie Hypo, spielte Karla Ivančok (25), die gleich sieben Treffer landen konnte, eine entscheidende Rolle. Mit ihr spielte in dem Match auch ihre jüngere Schwester Ines (20), die inzwischen einen Vertrag beim deutschen Bundesligisten SG BBM Bietigheim unterzeichnet hat. Ihre jüngste Schwester Lena (17) spielt ebenfalls Handball, genau wie die gesamte Familie Ivančok, die wir in ihrem Geschäft Sport 21 in der Ottakringer Straße getroffen haben. Erwartet wurden wir vom Vater Miljenko, Lena und Karla, während wir mit Ines ein telefonisches Interview führten.

Karla, du bist die Älteste unter euch Schwestern. Hast du die ganze Familie mit dem Handballfieber infiziert?
Karla: Mama hat Volleyball gespielt, als sie jung war, aber ich habe mich als Kind mehr für Handball begeistert. In der Volksschule habe ich mit diesem Sport begonnen und seitdem nie wieder aufgehört. Natürlich habe ich als älteste Schwester die anderen nachgezogen. Ich habe für den DHC Austria Wien, die zweite Mannschaft von Hypo und die MGA Fivers gespielt, mit denen ich in der letzten Saison sensationell den Cup gewonnen habe. Bei uns in der Familie steht alles immer im Zeichen des Handballs.

Hast du irgendwie auch die jüngeren Schwestern mitgerissen?
Karla: Ja sicher. Und ich freue mich, dass sie in diesem Sport schon Beachtung finden. Ines spielt für die Nationalmannschaft und hat einen guten Vertrag in Deutschland und Lena hat, obwohl sie noch jung ist, die Position der ersten Torfrau im Team.
Lena: Ich war immer Verteidigerin und Ines und sie haben geschossen (lacht). So bin ich auch Goalie geworden.

Was waren die größten Erfolge in eurer bisherigen Karriere?
Karla: Mein größter Erfolg war 2009, als ich mit der österreichischen Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in China teilgenommen habe. Dort haben wir den zehnten Platz belegt. 2011 habe ich bei der Juniorenmeisterschaft in den Niederlanden mit der Nationalmannschaft sogar den dritten Platz erreicht. Persönlich bedeutet mir der Gewinn des Österreich-Cups am meisten, bei dem wir Hypo so unerwartet geschlagen haben.

Lena: Meine große Zeit kommt erst noch, ich bin ja noch jung. Aber in der österreichischen Meisterschaft und der Wien-Meisterschaft zu spielen, waren bisher meine größten Erfolge.

Eure Schwester Ines macht derzeit Deutschland unsicher und spielt für die SG BBM Bietigheim. Verfolgt ihr ihre Karriere?
Lena: Wir verfolgen sie, so gut wir können. Wir sind stolz auf sie.
Karla: Meistens haben wir gleichzeitig auch Spiele, aber wir nehmen alle Matches auf und schauen sie uns später an. Ines hat schon jetzt mit ihren 20 Jahren eine glänzende Karriere, und es liegt noch so viel vor ihr. Ich glaube, dass sie mit der Nationalmannschaft auch gute Resultate erzielen wird.

Wie ist die Situation im österreichischen Damenhandball? Könnt ihr von diesem Sport leben?
Karla: Leider nicht. Obwohl wir so viel Zeit aufwenden und auf professionellem Niveau trainieren, ist die finanzielle Situation im österreichischen Damenhandball schwer.

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Vater Miljenko ist Präsident den Klubs MGA Fivers und möchte den Handballsport in Österreich populärer machen. (FOTO: Mario Ilić)

Miljenko, was können Sie uns zu diesem Thema sagen? Sie sind als Vater dieser drei Mädchen ebenfalls in den Handball hineingestolpert und sind inzwischen Präsident der MGA Fivers …
Miljenko: Die Situation ist schwer, aber als Club bemühen wir uns, das zu ändern. Alle Mädchen erhalten eine Bezahlung, wenn sie auch nur symbolisch ist und unseren bescheidenen Möglichkeiten entspricht. Aber wir sind stolz, dass der Finanzplan des Clubs für die kommenden drei Jahre gesichert ist. Wir arbeiten auch mit Kindern und Jugendlichen, bei uns 130 Kinder und 13 verschiedene Nationen im Club registriert.

Kroatin größte Hoffnung des österreichischen Handballs

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(FOTO: zVg.)

Ines Ivančok,
Handballerin,
SG BBM Bietigheim

Während wir mit Karla und Lena direkt gesprochen haben, konnten wir ihre mittlere Schwester Ines Ivančok nur telefonisch interviewen. Sie spielt nämlich seit einem Jahr für den deutschen Bundesligisten SG BBM Bietigheim, hat aber auch in der österreichischen Nationalmannschaft einen festen Platz. „Die deutsche Liga ist dreimal besser als die österreichische. Alles ist auf einem höheren Niveau, darum war das hier für mich auch ein Fortschritt“, sagt Ines, die für Bietigheim auch in der europäischen Champions League spielt. Ihr Club liegt derzeit auf dem zweiten Platz der Bundesliga.