Ein Schuss, ein Tod, zwei Verurteilte – und eine Stille im Gerichtssaal, die lauter spricht als jedes Urteil.
Vor dem Straflandesgericht Graz mussten sich am Dienstag zwei Jäger für den Tod eines Jagdkollegen verantworten. Nach Angaben der „Kleinen Zeitung“ wurde der 57-jährige Schütze wegen grob fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten bedingter Haft sowie einer Geldstrafe von 7.200 Euro verurteilt. Sein 37-jähriger Begleiter erhielt wegen fahrlässiger Tötung eine Geldstrafe von 4.500 Euro.
Der Jüngere hatte zu seiner Verteidigung angegeben, auf die Sicherheit der übergebenen Waffe vertraut zu haben: „Ich bin davon ausgegangen, dass die Waffe in einem sicheren Zustand ist.“
Tödlicher Schuss
Dem Unglück war eine Wildschweinjagd in einem südsteirischen Revier vorausgegangen. Nachdem ein angeschossenes Tier im Wald verschwunden war, brachen der Jagdpächter und ein weiterer Jäger zur Nachsuche auf. Der Schütze hatte zuvor sein unter dem Hochsitz deponiertes Repetiergewehr geholt, um sich gegen einen möglichen Angriff des verletzten Tieres zu wappnen.
Später gab er die Waffe an seinen Begleiter weiter. Nach einem kurzen Fotostopp wechselte das Gewehr erneut die Hände – in diesem Moment löste sich ein Schuss. Das Projektil traf den 42-jährigen Jagdpächter am Hals, der Familienvater stürzte zu Boden und verstarb noch an der Unfallstelle.
Bedrückende Stille
Ein gerichtlicher Sachverständiger legte dar, dass sich der Schuss nur dann hätte lösen können, wenn das Gewehr zuvor erneut geladen und der Abzug betätigt worden war. Die Richterin konfrontierte den Schützen damit, eine gespannte und geladene Waffe weitergegeben zu haben.
Im Gerichtssaal herrschte immer wieder bedrückende Stille, Tränen flossen. Die Verteidigerin fasste die Atmosphäre in einem Satz zusammen: „Es gibt hier keine Täter, nur Opfer.“ Der 57-jährige Schütze kämpfte bei seiner Aussage sichtlich mit den Emotionen.
Auf die Frage, ob er die Waffe möglicherweise unbewusst repetiert haben könnte, antwortete er: „Ich weiß es nicht. Ich habe das hunderte Male durchgespielt. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Erinnerung.“