19 Betriebe täglich, Milliarden an Schulden – und fast die Hälfte aller Fälle scheitert schon vor dem Verfahren.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 haben in Österreich insgesamt 5.139 Unternehmen Insolvenz angemeldet – ein Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Täglich gehen damit durchschnittlich 19 Betriebe in die Zahlungsunfähigkeit. Während die Gesamtzahl vergleichsweise stabil bleibt, rückt ein strukturelles Problem zunehmend in den Vordergrund: 43 Prozent aller Fälle – konkret 2.204 Unternehmen – konnten kein reguläres Insolvenzverfahren durchlaufen, weil das vorhandene Vermögen nicht einmal ausreichte, um die Verfahrenskosten zu decken.
Alarmierende Entwicklung
Im dritten Quartal 2026 verschärfte sich diese Entwicklung weiter. Die Zahl der tatsächlich eröffneten Verfahren ging um 7,2 Prozent zurück, während jene der abgewiesenen Fälle um 12,6 Prozent zunahm. Als zentralen Grund nennt der Gläubigerschutzverband KSV1870 zu späte Insolvenzanmeldungen durch betroffene Unternehmen. „Dass es zwischen eröffneten und abgewiesenen Fällen mittlerweile nur noch einen zahlenmäßig geringen Unterschied gibt, ist alarmierend“, warnt KSV1870-Experte Karl-Heinz Götze. Zusätzlich wirkt sich das seit Jänner 2026 in Kraft getretene Betrugsbekämpfungsgesetz aus, das die Möglichkeiten von Gläubigeranträgen einschränkt und damit die Verfahrenseröffnung in einer Reihe von Fällen zusätzlich erschwert.
Branchen im Fokus
Auf Branchenebene führt der Handel mit 861 Insolvenzen die Statistik an, wenngleich die Gesamtzahl hier um 3,5 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig gingen die tatsächlich eröffneten Verfahren im Handel um 15,3 Prozent zurück, während nicht eröffnete Fälle um 17,2 Prozent zunahmen – ein Muster, das Götze auf ein strukturelles Zuwarten hindeutet: „Im Handel warten sehr viele Betriebe deutlich zu lange mit der Insolvenzanmeldung.“
Die Bauwirtschaft folgt mit 719 betroffenen Unternehmen. Einen deutlichen Anstieg verzeichnet hingegen die Gastronomie- und Beherbergungsbranche, wo die Insolvenzzahlen um 9,8 Prozent zulegten – getrieben vor allem durch anhaltend hohe Betriebskosten und Personalmangel.
Die vorläufigen Passiva belaufen sich auf rund sechs Milliarden Euro, was einem Rückgang von sieben Prozent entspricht. Die mit Abstand größte Insolvenz des Jahres betrifft die Laura Privatstiftung aus dem Umfeld von René Benko mit einem Volumen von rund 1,7 Milliarden Euro. Das Verfahren wurde am 11. März 2026 beim Landesgericht Innsbruck eröffnet. Von den laufenden Verfahren sind insgesamt 15.700 Arbeitnehmer und 36.300 Gläubiger betroffen.