Rekorde an den Börsen, Milliardenbewertungen und prominente Namen: 2024 könnte das Jahr der spektakulären Börsengänge werden – mit SpaceX als möglichem Spitzenreiter.
Die internationalen Aktienmärkte verzeichneten ein außerordentlich erfolgreiches Jahr mit zahlreichen Indexrekorden. Die positive Börsenentwicklung spiegelt sich auch in der Anzahl der Neuemissionen wider. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens EY stieg die weltweite Zahl der Börsengänge um zwei Prozent auf 1.259, während das Emissionsvolumen sogar um etwa ein Drittel auf 163,3 Milliarden Dollar anwuchs.
„Die weltweite Pipeline bleibt insgesamt gut gefüllt“, erklärte Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich, vor kurzem. Neben großen US-Technologiekonzernen stünden auch in Europa zahlreiche Unternehmen bereit, die auf ein günstiges Zeitfenster warten. Der KURIER stellt im Folgenden die vielversprechendsten Börseaspiranten vor.
Tech-Giganten voran
Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX gilt nicht nur als aussichtsreichster Kandidat für einen Börsengang, sondern könnte mit einem erwarteten Erlös von 30 Milliarden Dollar auch den bisher größten Börsengang der Geschichte markieren. Die Marktbewertung des Konzerns könnte zum Handelsbeginn bis zu 1,5 Billionen Dollar erreichen. Zum Vergleich: Der bisherige Rekordhalter, die Ölgesellschaft Saudi Aramco, erzielte 2019 einen Emissionserlös von 23 Milliarden Dollar.
Der Entwickler von ChatGPT, OpenAI, könnte mit einer möglichen Bewertung von bis zu einer Billion Dollar zum zweitgrößten Börsengang des Jahres avancieren. Allerdings ist mit dem Schritt nicht vor dem vierten Quartal zu rechnen. Branchenbeobachtern zufolge sieht die Führungsriege um Gründer Sam Altman derzeit zu viele Unwägbarkeiten, insbesondere die Gefahr einer Blasenbildung bei Technologiewerten.
Wie viele andere Unternehmen aus dem IT-Sektor schreibt auch OpenAI bislang keine Gewinne – diese werden erst für 2030 prognostiziert. Vorerst konzentriert sich das Unternehmen auf die Gewinnung neuer Anteilseigner für Investitionen in die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz, darunter jüngst der Chiphersteller Nvidia.
Anthropic, der Wettbewerber von ChatGPT, dürfte seinen Börsengang noch vor OpenAI vollziehen. Laut Bericht der Financial Times vom Dezember hat das von Google und Amazon unterstützte Unternehmen bereits eine Anwaltskanzlei mit den Vorbereitungen beauftragt. Anthropic habe zudem Gespräche mit führenden Investmentbanken über diesen Schritt geführt.
Parallel verhandelt das Start-up über eine private Finanzierungsrunde, die seine Bewertung auf über 300 Milliarden Dollar steigern könnte. Das 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründete Unternehmen wurde zuletzt mit 183 Milliarden Dollar bewertet. Im November kündigten Microsoft und Nvidia Pläne für Investitionen von bis zu 15 Milliarden Dollar in Anthropic an.
Das 2013 gegründete amerikanische Softwareunternehmen Databricks hat sich auf Cloud-basierte Lösungen im Bereich Künstlicher Intelligenz spezialisiert. Obwohl bereits zweimal ein Börsengang angestrebt wurde, ist bisher keiner zustande gekommen.
Weitere Kandidaten
Die 2011 in den USA gegründete Kryptowährungsbörse Kraken hat ihr Angebot in den vergangenen Monaten auf weitere Anlageklassen ausgeweitet, darunter Aktien durch die Einführung eines provisionsfreien Handels. Zudem expandiert Kraken aggressiv durch Übernahmen. Das Unternehmen hat kürzlich vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht eingereicht.
Bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde wurde Kraken mit 20 Milliarden Dollar bewertet – ein Anstieg um ein Drittel innerhalb von nur zwei Monaten.
Die beiden großen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac befinden sich seit der Finanzkrise 2008 zu 80 Prozent in staatlicher Hand. Der verbleibende Anteil wird außerbörslich gehandelt. Die US-Regierung plant nun, ihre Staatsanteile an die Börse zu bringen. Die gemeinsame Bewertung der beiden Unternehmen könnte mehr als eine halbe Billion Dollar betragen.
TK Elevators, die Aufzugssparte von Thyssenkrupp, weist zwar eine hohe Verschuldung von 10 Milliarden Euro auf, erzielte im Vorjahr jedoch ein Rekord-Vorsteuerergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Alternativ zum Börsengang wird auch ein Verkauf an den Konkurrenten Kone in Betracht gezogen.
Die österreichische Kryptoplattform Bitpanda könnte Gerüchten zufolge unter dem neuen Vorstand Lukas Enzersdorfer-Konrad bereits im ersten Quartal an die Börse gehen. Aufgrund der höheren Liquidität wird jedoch nicht Wien, sondern Frankfurt oder New York als Börsenplatz favorisiert. Die Vorbereitungen für diesen Schritt laufen bereits seit drei Jahren.
Das oberösterreichische Unternehmen Reploid, das auf modulare Systeme zur industriellen Insektenzucht spezialisiert ist, ist bereits seit dem Vorjahr in Wien notiert.
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Allerdings wurden bisher keine neuen Aktien ausgegeben. Dies soll in diesem Jahr durch eine Kapitalerhöhung nachgeholt werden.